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"Mr. & Mrs. Smith": Krieg und Lieben

Als Auftragskillerpaar mit Eheproblemen böllern sich Angelina Jolie und Brad Pitt durch die Actionposse "Mr. & Mrs. Smith". Auch wenn die Story auf halber Strecke schwächelt: Die Smiths sind das schärfste Leinwandduo der Saison.

Von Claudia Fudeus

"Reichst du mir mal die Schüssel, Schatz?" Mr. und Mrs. Smith sitzen beim Abendessen, ein schmuckes Vorstadtpaar in einem mondänen Vorstadtheim. Ebenfalls am Tisch Platz genommen hat die einigen Ehejahren entsprungene gähnende Sprachlosigkeit. "Wie gefallen dir die neuen Vorhänge?" "Bring sie zurück." Doch etwas ist heute anders. Ach ja, es sind Erbsen im Essen. Kein Wunder, dass man die beiden Smiths zu Beginn des Filmes zunächst einmal in schweren Ledersesseln und vor einem Psychiater erblickt. Denn nach fünf ("nein, Schatz, es sind sechs") Ehejahren langweilen die beiden sich zu Tode. Sex - was war das? Wie gut, dass der Psychiater nicht zum Standardratschlag greift und ein paar kleine Geheimnisse empfiehlt, um sich wieder füreinander interessant zu machen. Denn es gibt da bereits ein großes Geheimnis - und das könnte für die beiden sehr viel tödlicher sein als ein bisschen Langeweile.

In den Trümmern ihrer Ehe - und ihres Hauses

Mr. und Mrs. Smith sind nämlich Auftragskiller. Und, wie es der Zufall so will, auch noch für verfeindete Organisationen. Wenn Jane Smith (Angelina Jolie) zum Ausgehen in den Mantel schlüpft, trägt sie darunter wenig mehr als die berüchtigten Waffen einer Frau - plus einige aus Metall. Und wenn John Smith (Brad Pitt) abends auf ein Bier und eine Partie Poker in den Pub verschwindet, dann liegen nachher vier irische Gangster tot auf dem Boden. Zu Hause trifft man wieder zusammen, versteckt die Ausrüstung im Backofen oder unter dem Gartenschuppen und langweilt sich gemeinsam bei einer Nachbarschaftsparty. Hätte der Therapeut den beiden nun einfach zur Scheidung geraten, dann wäre vermutlich nicht viel mehr passiert. Und Regisseur Doug Liman („Die Bourne-Identität“) hätte auf das Action-Feuerwerk verzichten müssen, das einsetzt, als die Smiths von ihren Killerkommandos auf die gleiche Zielperson angesetzt werden. Nachdem sie sich gegenseitig enttarnt haben, stehen sie vor der Entscheidung: den anderen eliminieren - oder gemeinsam gegen den Rest der Auftragsmörderwelt bestehen? Denn die heftet sich erbarmungslos an ihre Fersen. Und siehe da: Trotz Katz-und-Maus-Spiel im eigenen Haus, trotz vorsichtiger Spitzen und trotz verschiedener tatkräftiger Attacken auf das Herz und andere Körperteile des Ehepartners - spätestens, als die Vorstadtvilla in Schutt und Asche liegt und sie in den Trümmern ihrer Ehe stehen, sind die Gefühle füreinander wieder neu entbrannt.

Schön, sinnlos, schön sinnlos

Schön für die beiden, schlecht für den Zuschauer. Denn nachdem der Mix aus Actionspektakel und Ehekomödie zu Beginn durchaus reizvoll ist, dient der abschließende Feldzug gegen die Verfolger nur noch dem Zuschaustellen des Smith-Paares, harmonisch vereint im Kampf. Sieht gut, wirklich gut aus, ist aber leider furchtbar sinnlos. Licht an, Charaktere aus. Und wenn die Endschlacht im Yuppie-Einkaufscenter so etwas wie ein leiser Hinweis auf Vorstadtwelt-Satire oder gar den Konsumbefreiungsschlag sein soll, dann geht das im lautstarken Splittern der Requisiten völlig unter.

Aber immerhin: Exzellent gefilmte und choreografierte Actionszenen. Ein Hauptdarstellerpärchen, das tut, was es filmisch am besten kann, und zwischen dem es glaubhaft und lebhaft knistert. Und einige Gefechte, die souverän mit Wort und Witz ausgetragen werden - obwohl sich für zweideutige Dialoge in der Art von "I missed you" - "I missed you, too" sicherlich eher die englische Originalfassung empfiehlt. Es hat diesen Sommer schon viel schlechtere Gründe gegeben, ins Kino zu gehen.

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