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"Oh, wie schön ist Panama": Immer der Banane nach

Ein kleiner Tiger und ein kleiner Bär finden eine Bananenkiste aus Panama - und werden von Fernweh gepackt. So machen sich die beiden in dieser Janosch-Verfilmung auf den Weg in das exotische mittelamerikanische Land.

Blumenkohl aus dem eigenen Garten ist was Feines, aber gegen Bananen wirkt das heimische Gemüse fad. Als im Zeichentrickfilm "Oh, wie schön ist Panama" eine nach Bananen duftende Holzkiste mit der Aufschrift "Panama" am Bachufer strandet, werden Tiger und Bär von unwiderstehlichem Fernweh gepackt. Sie machen ihre Hütte hinter sich zu, lassen ihren Gemüsegarten im Stich, und ziehen so lange durch die Gegend, bis sie auf einer tropischen Insel stranden, wo es vor allem eins gibt: Bananen. Aber wo liegt eigentlich Panama?

Janoschs Kinderbuch aus dem Jahre 1978 gehört zumindest in Westdeutschland zur Grundausstattung eines Kinderlebens. Mit der TV-Sendung "Tigerentenclub", Theater und Merchandising-Produkten sind Tiger & Bär zur festen Größe im kollektiven Gedächtnis von Groß und Klein geworden. Beim aktuellen Boom deutscher Kinderfilme war es nur eine Frage der Zeit, bis die zwei im Kino auftauchten. Und der Kinderfilm glättet zwar Janoschs Bilder in konventioneller Zeichentrickmanier, lässt manche Elemente wie das rote Sofa unterbelichtet und fügt etwas Action hinzu, doch der Charakter der Vorlage bleibt erhalten.

Kinder-Roadmovie mit Nebenwirkungen

Aus der philosophisch-poetisch gefärbten Kinderparabel wird also ein klassisches Road-Movie, bei dem der Weg das Ziel ist: Das perfekte Paar - hie lustiger Leichtfuß, dort besorgter Hausbär - bringt sich mit einem Liedchen in Aufbruchstimmung, wandert über Stock und Stein, springt auf einen Zug auf und erleidet gar Schiffbruch. Etwas zu aufregend ist vielleicht die Überquerung einer Schlucht über eine wackelige Hängebrücke ausgefallen, bei der zumindest bei Pressevorführungen manch mitgebrachtem Kleinkind der Schreck in die Glieder fuhr, - was ansteckendes Bohei zur Folge hatte.

Ansonsten aber ist das Tempo so gemächlich wie das Getrödel eines Kindes, das am Wegesrand allerlei Spannendes entdeckt. Und da gibt's einiges zu gucken: Während Tiger & Bär ihrer Wege ziehen, wird drum herum ihr einst geruhsames Dasein von gemütlichem Kleingetier widergespiegelt. Frösche decken auf Seerosenblättern ihren Kaffeetisch, blinde Maulwürfe angeln, und überall werden, egal ob im Gras oder auf dem Meeresgrund, Häuschen mit heimeliger Bausparer-Optik gebaut.

Alle sind Vegetarier

Apropos Angeln: Der Bär lässt einen Fisch von der Angel, der sich zum fröhlich schwatzenden Reisebegleiter mausert. Fortan zieht der Tiger seine Tigerente und der Bär seinen Fisch im wassergefüllten Topf hinter sich her, eine extrem liebenswürdige Idee. Beim lakonischen Janosch jedoch hätte der Hobbykoch Bär den Fisch noch blau gekocht, aber so etwas wollte man den lieben Kleinen nicht zumuten: Hier sind alle Vegetarier. Auch zeigt der Film, dass das einst als Bibel antiautoritärer Erziehung geltende Kinderbuch nicht nur für Freundschaft und Freiheit plädiert, sondern in seinem konservativen Kern ein überschaubares Schrebergärtnerdasein als das wahre Paradies feiert.

Für Kinder und gestresste Eltern ist dieser sonnige Biedermeierkosmos also genau das Richtige. Dass für Erwachsene die Beziehung zwischen Tiger und Bär eventuell nicht ganz so unschuldig klingt wie für Kinderohren, bleibt die einzige, unfreiwillige Ironie. Die Stimmen der Figuren kommen von Til Schweiger, Dietmar Bär, Anke Engelke, Ralf Schmitz, Mirco Nontschew und anderen.

Birgit Roschy/AP