"ost Punk! too much future" Der sozialistische Abschaum


Die Band-Namen lauteten Betonromantik, Planlos, Wutanfall, Schleimkeim oder l'Attentat. Ihre Zentren waren Berlin, Dresden, Halle und Leipzig. Der Dokumentarfilm "ost Punk! too much future" widmet sich der Punk-Bewegung in der DDR.

Lange galt Punk als ein reines Abfallprodukt der westeuropäischen, kapitalistischen Überflussgesellschaft. Doch auch in der DDR hatten Teile der Jugend von den Sex Pistols und Co. Wind bekommen und sich in Sachen Mode und Lifestyle vom Punk anstecken lassen. Mit "ostpunk! too much future" legen die Regisseure Carsten Fiebeler und Michael Boehlke jetzt einen beeindruckenden Dokumentarfilm vor. Erneut steht die Aufarbeitung der facettenreichen DDR-Vergangenheit im Fokus.

Der Film erzählt die Geschichte von sechs Menschen, die in den frühen 80er Jahren maßgeblich an der Gründung einer Punkszene in der DDR beteiligt waren. Gegen den Strom, abseits eines tief empfundenen psychologischen Vakuums und im ständigen Konflikt mit den Machtinstanzen des Systems, kämpften sie auf ihre Weise für radikale Selbstbestimmung. Schnell galten Punks als Staatsfeinde. Die Stasi hat sie nach einer kurzen Blüte ihrer Szenekultur erbarmungslos verfolgt und mit Repressionen überzogen.

In einem kunstvollen Mix aus privatem Super-8-Material und DDR-Propagandafilmen gelingt Fiebeler eine ungefärbte Dokumentation. In Interviews und intimen Momentaufnahmen begleitet der Regisseur seine Protagonisten durch ihren Alltag in der Jetzt-Zeit und beleuchtet so mit dem kritischen Abstand von gut 20 Jahren ein Stück Zeit- und Popkultur-Geschichte.

Jenseits aller nostalgischen Vergangenheitsbeschwörung ist "ost Punk! too much future" vor allem auch ein Musikfilm. Die Musik von damals findet sich hier als lautstarke, aussagekräftige Untermalung, sie vermittelt die emotionale Authentizität des Berichteten. Die Interviewsequenzen wechseln sich ab mit intimen Momentaufnahmen, persönlichen Foto-Serien und bildmächtigen Animationen. Der Film lebt von einer harten Schnitttechnik und kunstvollen Überblendungen.

Henning Berg/DPA


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