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"P.S. - Ich liebe Dich": Liebesbriefe aus dem Jenseits

Das Hollywood-Drama "P.S. - Ich liebe Dich" ist sicher gut gemeint, doch kämpft sich die Oscar-verwöhnte Hilary Swank nur mühsam durch einen schmalztriefenden Schmachtfetzen. Selbst schuld, wer anderes erwartet hat.

Früh gefreit, nie gereut: Die New Yorkerin Holly und ihr irischer Mann Gerry streiten und lieben sich mit ganzer Leidenschaft. Bereits im Filmvorspann zankt sich das junge Paar, das seit zehn Jahren verheiratet ist, aufs Herzhafteste. Doch der eigentliche Beginn des Romantik-Films "P.S. Ich liebe dich" ist eine Trauerfeier, die zünftig mit Whisky und Musik im Pub begangen wird. Denn Gerry ist an einem Gehirntumor gestorben. Nach der Feier igelt sich die trauernde Holly in ihrer Wohnung ein, - bis sie an ihrem 30. Geburtstag eine Torte aus dem Jenseits bekommt. Gerry nämlich hat vor seinem Tod heimlich komplizierte Vorkehrungen getroffen, um seine zukünftige Witwe wieder auf Trab zu bringen.

Zunächst gibt er ihr per Hörkassette den Befehl, mit ihren Freundinnen einen drauf zu machen. Über ein ganzes Jahr verteilt erhält Holly Briefe und Anweisungen, die sie etwa dazu auffordern, ein scharfes Kleid oder endlich eine neue Nachttischlampe zu kaufen. Aber auch ein Urlaub mit den Mädels in Gerrys irischer Heimat steht auf der "To Do"-Liste. Und dank der posthumen Liebesgrüße entwickelt Holly neuen Lebensmut, verabschiedet sich vom ungeliebten Maklerberuf und lässt gar zu, dass neue Männer in ihrem Radar auftauchen.

Die Vorlage des Films ist der Bestseller der jungen Autorin Cecilia Ahern, Tochter des irischen Ministerpräsidenten. Wer nun von der Leinwandversion etwas anderes als eine große Portion Schmalz erwartet, ist selbst schuld. Klotzen, nicht kleckern, lautete die Devise von Regisseur Richard Lagravenese, der zum Beispiel das Drehbuch für die Heuler "Die Brücken am Fluss" und "Der Pferdeflüsterer" verfasste und sich erneut als routinierter Frauenflüsterer erweist. So zeigt er dem Zielpublikum unentwegt kernige Iren, die trotz Guinness keinen Schoppenfriedhof vor sich her tragen und stets ein lustig’ Lied auf den Lippen haben: urwüchsige Goldkettchen-Machos mit gewinnendem Muttersöhnchen-Charme.

Schöner trauern

Wenn Prachtexemplar Gerard Butler, zuletzt als spitzbübischer Spartaner im Kriegsfilm "300" zu sehen, in Hollys Gedanken auftaucht, vergisst man fast, dass seine jenseitige Einflussnahme eine ziemlich morbide Geschichte ist. Die Ausstattung - anfangs zum Beispiel streitet sich das Paar über das "zu kleine" Appartement, für das indes nicht wenige New Yorker einen Mord begehen würden - ist auf Hochglanz getrimmt. Die Witwe sieht meist aus, als käme sie aus der Boutique und frisch vom Friseur. Als freche Freundinnen sorgen gut abgehangene Nebendarstellerinnen für burleske Momente. Oscar-Gewinnerin Kathy Bates als Mutter scheint dagegen ihre Filmtochter stets leicht angewidert zu betrachten.

Denn Swank, die als verkleideter Mann und Boxerin selbst zwei Oscars einheimste, übernimmt ihre Rolle mit derselben Verve, mit der sie in "Million Dollar Baby" auf den Sandsack einschlug. Doch mit ihrem kantigen Kiefer und der androgynen Ausstrahlung ist sie trotz aller Anstrengung kein bisschen niedlich und schutzbedürftig. Selbst im schwarzen BH wirkt sie athletisch statt erotisch, und wenn Holly ihr kräftiges Gebiss entblößt, bekommt man fast Angst. Kurz: Sie haut einen mit ihrer Energie um wie sonst nur Tom Cruise. Das verleiht der romantisch gemeinten Figur etwas ungemein Irritierendes - und dem überlangen Schmachtfetzen eine unabsichtliche, aber willkommene Würze.

Von Birgit Roschy/ AP / AP
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