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"Robin of Sherwood": Mein Held aus den Wäldern

Diese ZDF-Serie aus den achtziger Jahren hat eine Zehnjährige dazu gebracht, nur noch in Strumpfhosen und abgelegten Hemden des Vaters durch die Welt spazieren zu wollen.

Liebe Fernsehmacher, was hat euch die heutige Jugend getan? Wann habt ihr beschlossen, sie mit Fantasy-Serien zu quälen, in denen das notorisch nervtötende Mannsweib Xena mit griechischen Göttern flirtet, in denen Robin Hood hinter einer Art Schiebetür aus Bäumen im Wald haust und von einer Marian begleitet wird, der man beim zwanghaften Zupfen an Minirock und Bikini nur wünscht, sie möge sich im englischen Wetter keine Erkältung holen? Neben der Realität bleibt da auch die Inspiration auf der Strecke.

Kaulquappen und halbreifes Obst

Ganz anders die achtziger Jahre, die zugegebenermaßen mit wenig Glorreichem gesegnet waren - doch eine Robin Hood-Serienadaption hatten sie, die erwachsene Menschen noch heute sehnsüchtig seufzen lässt. "Robin of Sherwood" lief so ungefähr Mitte der Achtziger am späten Nachmittag im ZDF, wurde später noch einmal wiederholt und verschwand dann in den Wartekammern des Zeitgeists. Wenn ein Fernsehprogramm eine Zehnjährige dazu bringt, nur noch in Strumpfhosen und abgelegten Hemden des Vaters durch die Welt spazieren zu wollen, im Wald Kaulquappen und halbreifes Obst zu essen, bis ihr fast schlecht wird, und eine so innige Beziehung zu Pfeil und Bogen zu entwickeln, dass ich noch heute ein solches selbst gebautes Kunstwerk im Kofferraum mit mir herumfahre, dann ist das Inspiration. Und das wiederum tröstet mich auch darüber hinweg, dass Michael Praed, der in den ersten zwei Staffeln Robin "The Hooded Man" verkörperte, niemals aufgetaucht ist, um mich zu heiraten.

Altbekannte Story

Die Geschichte des Retters des Volkes aus Sherwood Forest dürfte hinreichend bekannt sein: Neben Robin selbst, einem wild gewordenen Adligen, der in der dritten Staffel dann von Sean Connerys Sohn Jason gespielt wurde, gab's die ebenfalls adlige Maid Marian an seiner Seite, den bärigen Little John mit einem Herz aus Gold und den völlig cholerischen Will Scarlett, der gerne selbst der Anführer wäre. Außerdem den nicht ganz so gescheiten Müllerssohn Much und den fröhlichen, aber hier durchaus auch sehr religiösen Bruder Tuck, der Marian gern 'mein Täubchen' nennt. Nicht zu vergessen Nazir, der Sarazene, der der Vogelfreien-Meute in der ersten Folge noch wie eine leibhaftige Kampfmaschine gegenüber steht, später dann aber zum verlässlichsten und tödlichsten Zwei-Säbel-Schwinger für das Gute wird, den England je gesehen hat.

Bilderbuch-Bösewichter auf der Gegenseite

Die Bösewichter machen die Abscheu leicht. Mit dem wieseligen Sherrif von Nottingham und dem thronschleicherischen Prinz John hat die Gegenseite nämlich gleich zwei Choleriker zu bieten, die gern herumschreien und sich sicher sind, dass immer nur die anderen Schuld haben. Ihnen zur Seite steht Guy of Gisbourne, Sheriffs Prügelknabe und Robins liebster Spielball. In genau zwei Folgen ist er für den Zeitraum von ungefähr fünf Sekunden sympathisch - ein Bilderbuchböser also.

Mystisch verschwurbelt mit esoterischer Musik

Was "Robin of Sherwood" aber so besonders und unerreicht macht, sind zwei ganz andere Dinge. Das eine ist die Realitätsnähe, soweit man das in eine Legende einflechten kann. Die Bauern werden unterdrückt, die Herrscher prassen zwar, leben aber in zugigen Burgen und siechen an Hundebissen dahin. Auch die Guten sterben, werden verletzt oder frieren, und wer rennt und hinfällt, ist hinterher dreckig und außer Atem. So gehört sich das. Gleichzeitig beschwört Drehbuchautor Richard Carpenter jedoch eine unerreichte Mystik herauf. Robin ist für seine Aufgabe vom alten keltischen Waldgott Herne ausgewählt worden, böse Magier und kichernde Hexen treiben ihr böses Spiel und dämonische Reiter oder verhexte Dörfer ziehen die Bande aus Sherwood in ihren Bann. Das Ganze ist passend garniert mit Steinkreisen, Nebel, blutroten Sonnenuntergängen und steckt in einem Mantel aus sphärischer Musik der in den Achtzigern bekannteren Band Clannad, einer Art Kelly-Family der Esomucke, aus deren Kreis auch die Sängerin Enya entsprungen ist.

Gut und Böse, klar definiert

Eine rundum gelungene Mischung, die damals viele vor den Bildschirm fesselte. Warum das heute, wo Herr der Ringe und Harry Potter Kinder begeistern, nicht mehr funktionieren sollte, ist wohl ein Geheimnis der Programmdirektoren. Kurz gefasst: Wer Guy of Gisbourne nicht bei der erstbesten Gelegenheit einen Kübel Schweinefutter über den Kopf kippen würde, ist ein Bösewicht, wer bei Robins Heldentod keine Träne vergiesst, ist kaltschnäuzig und wer's nicht kennt, verpasst was.

Claudia Fudeus / print
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