»SPIDER-MAN«-REGISSEUR SAM RAIMI »Als Kind habe ich mich oft mit ihm identifiziert«


Dank des riesigen Erfolges von »Spider-Man« wurde Regisseur Sam Raimi (»The Gift«, »A Simple Plan«) quasi über Nacht zum Star. Der stern sprach mit ihm über die Erfüllung seines Traumes.

Herr Raimi, wie fühlt es sich an, wenn man als Regisseur mit seinem Film den erfolgreichsten Start der Kinosgeschichte verbuchen kann?

Ich hatte natürlich gehofft, dass wir mit »Spider-Man« einen Kassenknüller produzieren. Aber mit einem derartigen Zuspruch habe ich in den kühnsten Träumen nicht gerechnet. Zu Beginn der Dreharbeiten hatte ich zeitweise sogar höllische Angst, dass wir einen Flop hinlegen.

Wieso das denn?

Ich hatte mir nichts sehnlicher gewünscht, als diesen Film zu machen, da ich schon seit Kindertagen ein eingefleischter Fan der legendären »Spider-Man«-Comics aus dem Marvel-Verlag bin. Als ich dann den Zuschlag tatsächlich bekam, überkam mich Panik. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diese Comic-Figur, die Spinnweben aus dem Arm schleudert und sich daran von Haus zu Haus schwingt, tatsächlich auf die Leinwand bringen sollte.

Das klingt ein bisschen naiv - die Computertechnik macht heutzutage doch alles möglich.

Schon, aber wir hatten anfangs eher überlegt, einen Stuntman am Seil hängend durch die Häuserschluchten New Yorks schweben zu lassen. Das mussten wir schnell wieder verwerfen, da hätten die Behörden nicht mitgespielt. Doch selbst die besten Trickspezialisten hatten kaum Erfahrung darin, ein menschliches Wesen am Computer zu animieren, da sie sonst vorwiegend Tiere und Phanstasiewesen schaffen. Ich war also wirklich sehr skeptisch. Aber ich denke, wir haben das gut hinbekommen.

Was hat Sie als erfahrener Regisseur veranlasst, ein Internetportal einzurichten, auf dem jedermann Ideen für den »Spider-Man«-Film einbringen konnte?

Ich wusste genau, was die Fans von diesem Film erwarten. »Spider-Man« ist seit 40 Jahren der Held mehrerer Generationen. Da konnten wir uns keine Fehler erlauben. Aber ich habe diese Internetseite sehr bald ignoriert, weil mich die vielen verschiedenen Vorstellungen irritiert haben. Ich beschloss, mich nur noch von meinen eigenen Instinkten leiten zu lassen.

Sie wurden anfangs hart kritisiert, dass Sie ausgerechnet den schmächtigen Tobey Maguire für die Rolle des Titelhelden durchgedrückt haben.

Ich hatte durch die Comics schon immer eine ganz subjektive und äußerst genaue Vorstellung von der Figur des Peter Parker, dem Loser, der schließlich zu »Spider-Man« mutiert. Als Kind habe ich mich oft mit ihm identifiziert. Es gab viele junge Schauspieler, die diese Rolle unbedingt haben wollten. Vor allem nachdem sie erfahren hatten, dass wir auch eine Lovestory im Sinn hatten. Doch trotz aller hochkarätigen Kandidaten war Tobey Maguire von Anfang an meine erste Wahl. Er hat einfach diese gewisse mystische Ausstrahlung. Für mich verkörpert er Peter Parker exakt so, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe.

Wie haben Sie die skeptischen Studiobosse von Maguire überzeugen können?

Das war ein harter Kampf. Die Chefs von Sony/Columbia haben ihn zig Mal zum Vorsprechen antanzen lassen. Sie ließen ihn äußerst schwierige Actionszenen einstudieren und bestanden sogar darauf, dass er trotz 39 Grad Fieber nach Berlin fliegt, um dort mit Kirsten Dunst gemeinsam Probeaufnahmen zu machen. Das sind ziemlich ungewöhnliche Casting-Maßnahmen für einen etablierten Schauspieler wie Tobey. Er wollte zwischenzeitlich sogar aufgeben. Mittlerweile können sich die Damen und Herren in den Chefetagen keinen besseren »Spider-Man« als Tobey Maguire vorstellen.

Was lief denn nun wirklich zwischen Tobey Maguire und Kirsten Dunst während der Dreharbeiten - gab es eine Romanze?

Nun, bei den romantischen Szenen dachte ich manchmal: Wow, die spielen das aber echt überzeugend. Zum Beispiel als »Spider-Man« kopfüber von einem Hausdach hängt und Kirsten Dunst ihm teilweise die Maske abstreift. Ich sagte ihr lediglich, sie solle ihn kurz küssen. Daraus wurde eine ziemlich innige Knutschszene. Ich dachte: Entweder ist das alles echt, oder die beiden sind wirklich sehr gute Schauspieler. Kirsten und Tobey haben sich scheinbar dazu entschlossen, es bei der guten Schauspielervariante zu belassen.

Sie arbeiten bereits an einem zweiten Teil von »Spider-Man«?

Ja, wir basteln an ersten Ideen. Die Dreharbeiten mit den Schauspielern beginnen im Januar. Kirsten und Tobey sind wieder dabei. Mein Ziel ist es, dass der nächste Film doppelt so gut wird wie der erste. Ich möchte Peter Parker noch menschlicher darstellen, will noch tiefere Einblicke in sein Leben geben. Und auch die Actionszenen möchte ich technisch noch besser gestalten. Ich werde die Animationskünstler quälen bis zum Umfallen. Sie hassen mich schon jetzt dafür.

Interview: Andreas Renner


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