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"Spiderman 3"-Premiere Spidermans Tante steht auf Knut


1,6 Milliarden Dollar weltweit haben die ersten beiden Filme eingespielt - jetzt schwingt sich der legendäre Spiderman zum dritten Mal auf der Kinoleinwand durch die Hochhaus-Schluchten von New York. Auf der Berlin-Premiere entdeckten die Stars der Verfilmung einen anderen Superhelden: Knut.
Von Kathrin Buchner

Insektenfreundlich zeigt sich das Wetter in Berlin zur Deutschland-Premiere von "Spiderman 3". Sonnenschein, Freibad-Temperaturen. Etliche Hunderte von Schaulustigen standen schon nachmittags Spalier auf dem Platz vor dem Sony Center am Potsdamer Platz, ein paar kleine Jungs waren von Kopf bis Fuß im roten Spiderman-Outfit. Der Rote Teppich ist diesmal allerdings schwarz - so wie das neue Kostüm von Spiderman, jener freundlichen Spinne, die in New York die Bösen in ihrem Netz fesselt und dafür sorgt, dass die Guten in Sicherheit leben.

Doch bei der dritten Verfilmung des Comic-Klassikers ist alles anders: Peter Parker alias Spiderman kämpft nicht nur gegen das Böse um ihn herum, sondern auch gegen die Dämonen in ihm selbst. Sehr zur Freude von Hauptdarsteller Tobey Maguire, der auch im wirklichen Leben Typ schüchterner Klassenstreber mit strengem Seitenscheitel ist. Es habe ihm großen Spaß gemacht, die dunkle Seite von Peter Parker zu erforschen, sagt er mit spitzbübischem Lächeln in die Kameras. 2002 wurde Maguire an der Seite von Kirsten Dunst, die mit Regisseur Sami Raimi bei der zeitgleichen Premiere in Madrid ist, reich und berühmt durch die Rolle des unscheinbaren Außenseiters, der nach dem Biss einer Mutanten-Spinne übermenschliche Kräfte bekommt.

Spinnenphobiker outen sich

Positive Assoziationen rufen Spinnen im Allgemeinen nicht hervor - Superheld hin oder her. Angesichts der düsteren Wandlung der Hauptfigur können sich die Premieren-Gäste diesmal ohne Scham zu ihren Phobien bekennen. Moderatorin Minh-Kai Phan-Thi wurde im zarten Alter von acht Jahren von einer "eklig haarigen Spinne" an der Nase berührt. Musiker Michi Beck von den Fantastischen Vier stülpt möglichst schnell ein Glas über Spinnen jeglicher Art und befördert sie mit Hilfe eines Papiers aus dem Haus. Bei Schauspielerin Jasmin Tabatabai, Dauergast bei allen Spiderman-Premieren, landen sie sogar im Staubsauger.

Knut schlägt Spiderman

Auch Tante-May-Darstellerin Rosemary Harris steht weniger auf Spinnen als auf Bären. Und so freut sie sich über das schöne Wetter, denn sie will in den Zoo, Knut angucken. "Ich liebe Bären, und wer hat schon das Glück, mal einen echten kleinen Eisbären zu sehen", sagt sie. Seit Knut zusammen mit Leo DiCaprio auf dem Cover der amerikanischen Vanity Fair war, ist er auch in Amerika ein Superheld. Vor der Filmvorführung bekamen die Schauspieler und Produzenten alle einen Plüsch-Knut in die Hand gedrückt. Trotz der penetranten Schreie der Fotografen weigerte sich Tobey Maguire allerdings, den kleinen Bären zu küssen.

Ewigkeitsthemen in modernem Outfit

140 Minuten dauert der dritte Teil - so viel sei verraten, sie vergehen wie im Flug. Anfangs herrscht noch Friede, Freude und Eierkuchen in Spidis Welt: New York ist Oase des Friedens, seine Freundin Mary Jane Watson macht Karriere am Broadway. Peter Parker ist der Beste im Studienjahrgang. Doch eine mysteriöse schwarze Substanz aus dem All ergreift Macht über den guten Helden. Er stößt seine Freunde vor den Kopf und entwickelt Rachegelüste. Einerseits ist der Film mystisch aufgeladen - Spiderman entledigt sich seines dämonischen Anzugs in der Kirche - andererseits werden Verfolgungsjagden durch kleine Gags unterbrochen. Showeinlagen und Slapstick erzeugen angenehme Distanz und Selbstironie, was die Spiderman-Filme so angenehm von anderen Actionknallern abhebt.

Ewigkeitsthemen wie Liebe, Freundschaft, Vergeben und Sühne sind in High-Tech-Gewand gebettet: Flugobjekte in Skateboard-Optik rasen durch die Luft, grüne Bomben, die aussehen wie das Sony Ericsson Logo, fliegen den Bösewichten um die Ohren. Aus Sandkörnern entsteht ein gigantisches Monster, das in bester King-Kong-Manier durch New York trampelt - in Sachen Special Effects übertrifft der dritte Teil die ersten beiden bei weitem. Der Beifall des Premierenpublikums hörte sich am Ende ein wenig lahm an - was daran liegen könnte, dass sich viele Gäste schon halb verdurstet nach dem heißen Tag auf dem Weg zur Premieren-Party gemacht hatten.

Kein Spinnen-Schnickschnack auf der Premieren-Party

So einfallsreich die Film-Effekte, so banal die Party-Deko: Keine Spinnencocktails, kein Labyrinth aus Netzen, durch das man sich hangeln müsste, keine Superhelden im schwarzen Anzug, die einem Essen herbei fliegen, um die Schlangen am Büffet zu umgehen. Lediglich zwei übergroße schwarze Spinnenbilder im knallroten Rahmen wurden an die Wand gebeamt. Ansonsten war die Party-Location, das Arena in der Treptower Eichenstraße, ganz in schwarz gehalten, ohne jeglichen Schnickschnack. Die einzigen Netze, die gespannt wurden, bestanden aus den Kabeln der Kameramänner, die Partyluder einfingen - Beute für den Bildschirm. Denn Partyluder und Möchtegern-Promis hat Berlin fast so viele wie Insekten.

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