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"Star Wars"-Fanfilmer Lars Böhl: Die Macht des Internets ist mit ihm

Der Münchner Lars Böhl hat einen Traum: Er möchte den spektakulärsten "Stars Wars"-Fanfilm aller Zeiten drehen. Dafür ist er um die ganze Welt gereist - und hat im Internet 200 Mitstreiter gefunden.

Herr Böhl, eigentlich arbeitet Sie als IT-Projektleiter bei BMW. Wie kamen Sie auf die Idee, einen "Star Wars"-Fanfilm zu drehen?
Ich bin jedenfalls kein Nerd, der in "Star Wars"-Bettwäsche schläft.

Sondern?


Klar, ich hab als Jugendlicher die Filme geliebt und verehrt, mit den Figuren gespielt, aber das war es dann auch. Die Idee für den Film entstand ziemlich spontan - ich war vor ein paar Jahren auf Djerba in Tunesien im Urlaub und hatte meine Kamera dabei. Bei einem Ausflug kam ich auch durch Matmata, einer kleinen Stadt im Süden des Landes. Dort gibt es das Hotel Sidi Driss, wo 1976 "Stars Wars" gedreht wurde. Es ist das Haus von Luke Skywalker im Film. Ich hielt die Kamera drauf. Zuhause beim Angucken dachte ich, mein Gott, die Szene könnte auch aus dem Film sein. So entstand die Idee, selbst einen Film zu drehen.

Film-Trailer: Star-Wars Fanprojekt

Das war 2006. Inzwischen ist das Team um Ihren geplanten Film "Descendants Of Order 66" angewachsen.
Ja, es ist wirklich unglaublich. Die Macht des Internets. Nach meinem Urlaub stellte ich einen kleinen Trailer ins Netz. Daraufhin meldete sich hunderte von "Star Wars"-Fans bei mir, die unbedingt an diesem Projekt mitarbeiten wollten. Leute, die selbst Kostüme schneidern, Leute, die Filmmusik schreiben, Leute, die Kulissen bauen können. Ich arbeite beispielsweise mit einem Mann in Mexiko zusammen. Ich hab ihn noch nie im Leben getroffen, aber seit einigen Jahren arbeitet er sehr intensiv und ohne Bezahlung an den Spezial-Effekten des Films. Unser Team ist über den ganzen Erdball verteilt.

Der "Stars Wars"-Erfinder George Lucas fördert die Kultur der Fanfilme, aber er verklagt auch jeden, der mit seiner Sternenkrieger-Geschichte Profit machen will. Haben Sie Angst vor einer Klage?


Nein, überhaupt nicht. Niemand verdient etwas an diesem Projekt. Unser Ziel ist einfach nur, den besten "Star "Wars"-Fanfilm aller Zeiten zu machen. Wir wollen 2015 fertig sein, bevor der neue "Star Wars"-Film ins Kino kommt. Dann werden alle Mitstreiter in ein Kino in München eingeladen, um den Film zu feiern. Anschließend wird er dann umsonst ins Netz gestellt.

Auf Ihrer Homepage gibt es schon einen mehrminütigen Trailer zu sehen. Ich hatte mit ein paar verwackelten Handy-Kamera-Bildern gerechnet, aber was dort zu sehen ist, scheint technisch ziemlich perfekt zu sein.


Wir sind Hobbyfilmer, aber wir geben unser Bestes. Sie müssen bedenken, dass wir bereits sieben Jahre an dem Film arbeiten. Dazu reisten wir unter anderem nach China, Italien und Malaysia. Wir haben jetzt alles fertiggedreht und befinden uns in der Postproduktion. Das wird noch einmal drei Jahre kosten. Der Film wird 90 Minuten lang sein und einen ziemlich langen Abspann bekommen. Rund 200 Leuten arbeiten dran. Unser Hauptdarsteller ist ein Lehrer, aber er hat seinen Job ziemlich gut gemacht, wie ich finde.

Hat sich George Lucas schon bei Ihnen gemeldet?


Ja, tatsächlich bekam ich neulich Post von seiner Firma. Im Sommer findet in Essen eine "Star Wars"-Convention statt, zu der auch einige Schauspieler des Original-Films kommen werden. Wir sind jetzt im Gespräch, dort Ausschnitte aus unserem Film zu zeigen. Das wäre natürlich ein riesiges Kompliment für uns.

Den Trailer des "Star Wars"-Fanfilms "Descendants Of Order 66" kann man sich unter www.banthapoodoo.de ansehen.

Interview: Hannes Ross
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