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"Star Wars: The Clone Wars": Krieg der Steinköpfe

Nach sechs Realfilmen tobt der Krieg der Sterne nun computeranimiert. "Star Wars: The Clone Wars" kommt zwar ins Kino, ist aber eigentlich der Pilotfilm für eine TV-Serie. Man merkt's - leider.

Von Ralf Sander

Das wussten selbst die glühendsten "Krieg der Sterne"-Fans nicht, die morgens ihren Kaffee aus einer Tasse in Form des Helms von Darth Vader trinken: Zur Zeit der Klonkriege muss Soulsänger James Brown so etwas wie ein Gott im "Star Wars"-Universum gewesen sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass im jetzt angelaufenen Kinofilm "The Clone Wars" jede nicht-glatzköpfige Figur eine Betonfrisur trägt, die selbst den Godfather of Soul mit seinem berüchtigten Haarhelm vor Ehrfurcht hätte erblassen lassen. Leider ist der merkwürdige Look nur eines der Probleme des Films. Um noch einmal James Brown zu bemühen: Wenn man ihm den Soul, die Seele nimmt, gibt es nicht mehr zu sehen als eine lächerliche Frisur und merkwürdige Bewegungen. Genauso ist es mit dem neuen Sternenkrieg-Abenteuer aus der Traum-Legebatterie von George Lucas.

Um den ersten computeranimierten "Krieg der Sterne" einigermaßen unbeschadet zu überstehen, ist es wichtig, sich ständig ins Gedächtnis zurück zu rufen: Das ist nur Fernsehen! Denn bei "Star Wars: The Clone Wars" handelt es sich eigentlich um den Pilotfilm für eine animierte TV-Serie, die im Oktober in den USA anlaufen wird. Dieser Serie vorangegangen ist wiederum eine Zeichentrick-Reihe mit dem Titel "Star Wars: Clone Wars", die 2005/2006 ausgestrahlt wurde. Da können Regisseur Filoni und Produzent George Lucas noch so sehr beteuern, dass sie aus künstlerischen Erwägungen eine neue Optik für "Star Wars" entwickelt haben - die Mittel für die Herstellung sind offensichtlich beschränkt: Die TV-Umsetzung sieht billig aus, Animationen sind hakelig, die Umgebungen schlicht und lieblos. Alles sieht aus wie mit Buntstiften angemalt. Das Schlimmste aber sind die Charaktere: Neben der verspottungswürdigen holzschnittartigen Gestaltung von Haaren und Bärten nerven die völlig leblosen Gesichter aller Beteiligten. Besonders Dialogszenen wirken wie eine Mitgliederversammlung der Steinköpfe von den Osterinseln.

Inhaltlich sind Pilotfilm und Serie zwischen den Episoden II und III angesiedelt und sollen die noch klaffende erzählerische Lücke der in den Realfilmen immer nur angedeuteten Klonkriege schließen. Immerhin bedeuten dieses Kriege den Untergang der Republik und den Aufstieg des Imperiums. In "The Clone Wars" kämpfen im ganzen Universum die Jedi-Ritter und ihre verbündeten Klonkriegern der Republik gegen die Droiden-Armeen der Separatisten um Graf Dooku, Mittendrin die Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi, Yoda und Anakin Skywalker, der offenbar gerade einen guten Lauf hat. Zwischen der Zicke, die er in Episode II war, und seiner Verwandlung zu Darth Vader in Episode III, darf er hier einfach jede Menge Heldentaten vollbringen. Ihm zur Seite steht die junge Jedi-Auszubildende Ahsoka, eine kleine Person mit großer Klappe. Die Mission der Jedi: den entführten Sohn (!) von Jabba the Hutt (ja, die Schleimraupe aus "Rückkehr der Jedi-Ritter) wiederzufinden, um den kriminellen Fettsack und seine Organisation als Verbündeten zu gewinnen. Ganz so einfach ist das natürlich nicht, denn im Hintergrund ziehen finstere Gestalten ihre Fäden und verfolgen ihre politischen Ränkespiele. Und das ist gut so, denn so bleibt wenigstens etwas Erwachsenes in der ganzen Geschichte übrig.

"Star Wars: The Clone Wars" hätte nicht ins Kino kommen dürfen. Die Leinwand ist der Feind dieser mal mehr, mal weniger unterhaltsamen, aber immer lieblos inszenierten "Star Wars"-Episode. In der Flimmerkiste, zum Nebenbeigucken, mit geringeren Erwartungen tun die Schwächen den Fans einfach nicht so weh. Doch dass George Lucas seine Schöpfung nicht nur erzählerisch, sondern auch technisch – wo sonst Perfektionismus herrschte – im Ausverkauf verschleudert, schmerzt wirklich. Der erste "Star Wars"-Film, bei dem es nichts zum Staunen gibt – das ist schon erstaunlich.