»SUPER SÜSS UND SUPER SEXY« Abgeschmackte Gags und eine dämliche Handlung


Christina (Cameron Diaz) ist nur an kurzfristigen Intermezzi mit Männern interessiert, bis sie in der Disco ihren Traummann Peter kennen lernt, der auf dem Weg zu seiner eigenen Hochzeit ist.

Wieder einmal tritt ein Hollywoodfilm an, um zu zeigen, was Frauen wirklich wollen - in der Person von Cameron Diaz, dem süßesten Hintern der Traumfabrik. Als Christina tänzelt sie in der Komödie »Super süß und super sexy« durch San Francisco, jede Menge gebrochener Männerherzen hinter sich lassend. Frauen wollen zuerst einmal Spaß, so zeigt diese Film, und das geht nur, wenn sie sich nicht verlieben und also unter anderem Liebeskummer verhüten.

Deshalb machen Christina und ihre beiden WG-Freundinnen Courtney und Jane jede Nacht ungeheuer einen drauf, schleppen Männer ab und setzen sie am nächsten Morgen vor die Tür. So sieht das Amüsierprogramm jedenfalls in der Theorie aus - in der Praxis verguckt sich Christina heftig in jenen knusprigen Typ, den sie in der Disco in den Hintern gekniffen hat und den sie ziehen ließ, ohne genauere Infos zu bekommen. Der Katzenjammer lässt nicht auf sich warten.

Und so macht sich Christina bald zusammen mit Courtney auf die Suche nach jenem Peter, der in einem entfernten Kaff auf einer Hochzeit weilt. Dass diese sich als seine eigene herausstellt und die beiden exaltierten Mädels exakt vor dem »Ja, ich will« in die Zeremonie platzen, hatte man irgendwie schon geahnt. So weit, so abgeschmackt: Genretechnisch ist die Komödie eine Collage von Cameron-Diaz-Filmen, die Sketche aus »Die Hochzeit meines Freundes«, »Charlie's Angels« und »Verrückt nach Mary« variiert und damit mühsam 87 konfuse Filmminuten füllt.

Die Beschallung mit Pop aus den Siebzigern und Achtzigern und die dazu passenden schrillen Kostümzitate liegen gerade noch im modischen Trend. Als eine Art »Sex and The City« für Arme kommt diese Sexkomödie daher, bestimmt für eine weibliche Zielgruppe, der die frivole TV-Kult-Serie schlicht zu »sophisticated« ist. Männliche Begleiter sollen mit der niedlichen Cameron Diaz gelockt werden, und in der Tat ist die uneitle Schauspielerin der einzige Lichtblick dieses Komödien-Desasters.

Man empfindet fast Mitleid mit Diaz, deren Talent nicht nur mal wieder verschenkt wird, schlimmer: die Spermawitz-Ecke, in die sie seit »Verrückt nach Mary« geraten ist, entpuppt sich als schauspielerische Sackgasse. Slapstick mit Genitalunfällen und Körperflüssigkeiten und Verbal-Erotik wie ein »Penis-Song«, der nach einer »Harry und Sally« nachempfundenen Restaurant-Szene zu hören ist, machen den Löwenanteil der Gags aus. Immerhin muss Christine nicht ganz so leiden wie Freundin Jane, deren Probleme unter anderem beim Oralsex mit Piercings genüsslich vorgeführt werden.

Dabei sind weniger die vorgeführten Obszönitäten das Problem als das falsche Timing und die schwerfällige Inszenierung. Man sieht einen schlüpfrigen Moment stets schon von so weit kommen, dass man sich fast in einer deutschen Klamotte glaubt. Und wo es um intimere Einblicke in weibliche Erlebniswelten geht, wie zum Beispiel beim Schnack vorm Toilettenspiegel, wird das real existierende Witzpotenzial nicht im entferntesten ausgeschöpft.

Was kann man auch von einer Komödie erwarten, die Frauen Berufe wie Anwältin und Marketingmanagerin andichtet, sie aber wie 15-Jährige unter Speed agieren lässt? Frauen - und Männer - wollen Spaß, aber in dieser super dumpfen und super dämlichen Komödie finden sie ihn mit Sicherheit nicht.


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