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"Thank You for Smoking": Die Rache der Raucher

Das Regiedebüt von Jason Reitman ist eine herrlich bissige Satire über das Zigarettenbusiness in den USA. Nicht nur Pro und Kontra zum Rauchen stehen im Mittelpunkt - sondern auch die PR-Kultur der Tabak-Industrie.

In diesem Sommer ist auch in Deutschland der Krieg zwischen Rauchern und Nichtrauchern voll entbrannt. Deshalb hätte der Start des amerikanischen Spielfilms "Thank You for Smoking" keinen besseren Zeitpunkt wählen können. Doch Raucher wie Nichtraucher seien gewarnt: Wer die Eintrittskarte für den 92-minütigen Streifen löst, um den eigenen Standpunkt bestätigt zu bekommen, könnte das Kino enttäuscht verlassen.

Wer aber beste Unterhaltung sucht, kommt auf seine Kosten. Denn der erst 29-jährige Jason Reitman, der diese rundum gelungene Satire auf den Gesundheitswahn geschrieben und inszeniert hat, schlägt sich auf keine Seite. Der Kinodebütant, Sohn des bekannten Regisseurs Ivan Reitman, zeigt vielmehr die Absurditäten eines gesellschaftlichen Konflikts, der mit harten Bandagen und vielen falschen Tönen geführt wird.

Hauptfigur ist der sympathische Nick Naylor, geschiedener Vater eines Sohnes und von Beruf Öffentlichkeitsarbeiter der Tabakindustrie. Fürwahr ein harter Job, aber auch nicht härter als der von Polly Bailey, die für Alkoholgenuss wirbt, oder gar der von Bobby Jay Bliss, der Propaganda für die Waffenindustrie macht. Die drei Lobbyisten treffen sich wöchentlich in der Hauptstadt Washington zum Lunch, um ihre Probleme auszutauschen. Derzeit am meisten unter Druck steht zweifellos Nick, denn die Nichtraucher-Front feuert aus allen Rohren gegen die Tabakindustrie. Dazu ist es Nicks Sohn Joey überaus peinlich, einen Vater zu haben, der damit sein Geld verdient, einem profitablen Massenmord Vorschub zu leisten. Und eine ganz besonders üble Rolle in Nicks Leben spielt die ehrgeizige Reporterin Heather Holloway. Denn die hübsche junge Frau hat ihn mit gar nicht so netten Hintergedanken in ihr Bett gelockt.

Vergnüglich für Raucher und Nichtraucher

Weniger Probleme bereitet Nick hingegen ein überehrgeiziger Senator, der im Kampf gegen das Rauchen Profil zu gewinnen versucht, aber über sich selbst und Nicks professionelle Cleverness stolpert. William H. Macy, einer der herausragenden Charakterdarsteller des amerikanischen Films, spielt diesen Politiker mit der richtigen Mischung aus Sendungsbewusstsein und Bigotterie. Katie Holmes, die Auserwählte von Superstar Tom Cruise, verkörpert erst sündig, dann biestig die skrupellose Jungjournalistin. Die zahlreichen Nebenrollen sind vortrefflich besetzt - auch die des lungenkrebskranken Darstellers aus der berühmten Marlboro-Werbung.

Einen glänzenden Auftritt hat Aaron Eckhart in der Hauptrolle des Nick Naylor. Der Schauspieler mit dem sehr deutschen Nachnamen mimt sichtlich lustvoll und sympathisch verschmitzt den Raucher-Lobbyisten mit privaten Problemen. Eckhart ist auf dem besten Weg, ein großer neuer Star am Hollywoodhimmel zu werden. Der Nordkalifornier sieht nicht nur gut aus, sondern ist ein bereits in etlichen Rollen erprobter Könner, der auch auf der Theaterbühne zu gefallen weiß. Mit ihm und den anderen Mitwirkenden winken den Zuschauern - ob nun Raucher oder Nichtraucher - vergnügliche Kinostunden um ein Thema, das sich nach "Thank You for Smoking" vielleicht etwas entspannter diskutieren lässt.

Wolfgang Hübner/AP / AP