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"The American" im Kino: Schön scheitern mit George Clooney

George Clooney ist nicht Alain Delon. In der Film-Noir-Hommage "The American" spielt Hollywoods Rehauge einen eiskalten Killer. Doch den nimmt man Clooney einfach nicht ab.

Von Sophie Albers

Ihm ist wohl langweilig geworden. Nach all den zwinkernden, lakonisch-witzelnden Charmbolzen à la Danny in "Ocean's Eleven", für die das Publikum ihn vergöttert, wollte George Clooney mal so richtig böse sein: Und zumindest zu Beginn hat es sich in dem Thriller "The American" tatsächlich ausgezwinkert. Doch am Ende bleibt Clooney eben doch Clooney.

Hollywoods Schönling spielt Jack, einen Auftragskiller, der präzise, wortkarg und schmerzfrei an die Arbeit geht. Mit ungewohnt viel Zeit, in fast träge geschnittenen, wunderschönen Bildern feiert "The American" die Ästhetik der Einsamkeit eines Mannes, der sein Geld damit verdient, Menschen abzuknallen.

Die schönen Bilder des Anton Corbijn

Wir sehen Jack dabei zu, wie er in einem Versteck auf den Tod wartet. Den, für den er bezahlt wird, oder auch seinen eigenen - Killer haben schließlich viele Feinde. In der Zwischenzeit schmiedet er Waffen, trinkt Kaffee in einer Bar, holt sich Sex im Puff. Und da Anton Corbijn Regie geführt hat, der schon als Fotograf und Musikvideo-Genie eine Berühmtheit war, bevor 2007 sein Filmdebüt "Control" die Kritiker verzückte, sieht Clooney bei all dem so gut aus, dass es zuweilen fast wehtut. Zumal Jacks Versteck auch noch ein malerisches Bergdorf in den Abruzzen ist.

Wie von Clooney nicht anders zu erwarten, liefert er solide Arbeit ab: Die Kuschelstimme ist weniger kuschelig, der Blick weniger schokoladig, und wenn er oberkörperfrei Klimmzüge macht, ist der Körper gestählt und tätowiert wie seit "From Dusk till Dawn" nicht mehr. Damals hat Clooney allerdings noch gezwinkert - womit wir beim Problem von "The American" angekommen sind. George Clooney zwinkert, selbst wenn er nicht zwinkert. Will sagen: Das Zwinkern gehört zur Marke. Und deshalb kann man diesem Mann einfach nicht böse sein, egal wie viel Gehirnmasse er auf dem Asphalt verteilt.

Kein "Eiskalter Engel"

Offensichtliche Inspiration für "The American" ist die kalte Eleganz des Film Noir. Die Geschichte des einsamen Mörders lässt vor allem an Jean-Pierre Melvilles "Der eiskalte Engel" (1967) denken, in dem Alain Delon als wandelnder Toter das Bild des Kinokillers für immer geprägt hat. An dessen Existenzialismus kommt Clooneys Jack aber einfach nicht heran. Der Blick ist zu weich, die Stirn zu tief von Verzweiflung gezeichnet, als dass man ihm glauben könnte, dass er sein Leben lang professionell gemordet hat. Und man will es wohl auch nicht.

"Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, es sei denn die eines Tigers im Dschungel", lautet ein Zitat, das Melvilles Meisterwerk vorangestellt ist. Doch auch wenn Clooneys Jack immer wieder ganz allein in Edward Hopper'scher Schönheit seinen Cappuccino trinkt, kann man sich ihn einfach nicht als einsamen Menschen vorstellen.

Filme mit einsamen Killern, die überzeugender sind: "Der eiskalte Engel", "Die Weisheit der Krokodile", Fred Zinnemanns "Der Schakal", aber auch das Remake mit Bruce Willis ist sehenswert: "Der Schakal"