"Tropic Thunder" Hollywood im Schwitzkasten


Eine Komödie über den Vietnamkrieg? Ben Stiller hat mit "Tropic Thunder" Hollywoods Filmindustrie ins Visier genommen und feuert aus allen Rohren auf jedes Klischee der Promi-Gesellschaft. An den US-Kinokassen hat die Satire bereits die 100-Millionen-Dollar-Grenze geknackt.
Von Sophie Albers

Die Bilder sind bekannt: Helikopter über brennenden Palmen, Soldaten im Schlamm, blutend, schreiend, schießend, mit Peace-Zeichen an den Helmen. Ein Mann beugt sich über seinen tödlich verwundeten Kameraden, umklammert sabbernd, heulend dessen von einer Granate zerfetzte Armstümpfe. Der Sterbende setzt an zu seinen letzten Worten. Da schreit der Mann, der aussieht wie ein dreckverschmierter Ben Stiller, plötzlich "Cut", der Regisseur verzweifelt, weil sein Hauptdarsteller nicht heulen kann, und kurz darauf dreht der Pyrotechniker durch.

Schon in den ersten Minuten von "Tropic Thunder" wird das Budget von mindestens drei Independent-Produktionen wortwörtlich verballert. Vor allem aber wird dieser ganz spezielle Humor gefeiert, den Hollywoods aktuelle Komikergeneration immer wieder an den Tag legt: genau da weitermachen, wo es wehtut. Das kann auch gewaltig danebengehen, wie gerade in Will Ferrells "Stiefbrüder" zu sehen ist. Ben Stiller jedoch, der bei "Tropic Thunder" auch Regie führte, hat es wieder geschafft. Der Film über verwöhnte Schauspieler, die in einem echten Krisengebiet landen, hat in den USA gerade die 100-Millionen-Dollar-Marke geknackt.

Witze im Haifischbecken

Stiller ist der wohl bestverdienende unter den Hardcore-Komikern von Jack Black bis Steve Carell. Von "Verrückt nach Mary" über "The Royal Tenenbaums" bis "Madagaskar" hat er fast ausschließlich Erfolge gefeiert. Vielleicht auch deshalb kommt er selbst mit der Veralberung von Tabuthemen durch. Auf die Frage, ob er Hollywood denn hasse, was man nach diesem Porträt des Filmgeschäfts durchaus glauben könnte, sagte Stiller zu stern.de: "Man kann nicht über Dinge lachen, die man hasst. Wenn Du etwas veralberst, das du verachtest, hat es keine Substanz, keine Seele." Sein Gefühl gegenüber Hollywood sei eine Hassliebe, so der 42-Jährige in ernstem Ton. "Über diese Welt Witze zu reißen, verletzt niemanden wirklich. Es ist sowieso ein Haifischbecken."

Und so schickt er in "Tropic Thunder" gleich vier Hollywood-Diven in den Busch: einen Actionstar, dessen beste Tage vorbei sind (Stiller selbst), einen drogenabhängigen Komiker (Jack Black), einen erstaunlich vernünftigen Rapper (Brandon T. Jackson) und einen durchgedrehten, Oscar-behängten Charaktermimen, der sich für die Darstellung eines Schwarzen die Haut hat einfärben lassen (Robert Downey Jr.). Die Allüren der Stars ruinieren den Dreh. Erst flippt der Regisseur aus, dann der Produzent, bis schließlich der halbwahnsinnige Vietnamveteran, dessen Buch dem Film als Vorlage dient, einen Drehplan der besonderen Art ausheckt. Und dann legt auch noch Tom Cruise einen Auftritt hin, der jegliches Sofa-Gehüpfe vergessen macht. Humor sei ein Ventil, eine Erleichterung, sagt Stiller. "Humor kommt immer in Krisensituationen zum Einsatz. In schlimmen Zeiten ist es ein Geschenk, das uns hilft, besser zurecht zu kommen." "Tropic Thunder" nach zu urteilen, sind die Zeiten ziemlich übel.


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