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"Van Helsing": James Bond im Horrorland

Regisseur Stephen Sommers inszenierte die düstere Geschichte um den Monsterjäger Van Helsing, der sich Ende des 19. Jahrhunderts auf den Weg nach Europa macht, um das Böse zu jagen.

Wenn dem Kino nichts mehr einfällt, plündern seine Macher unbekümmert in dem, was schon erfolgreich war. Die klassischen Horrorfiguren gehören dazu: Graf Dracula, der blutrünstige Vampir; Frankenstein, der Furcht erregende Kunstmensch; Werwolf, die Bestie mit Reißzähnen. Wenn dem Kino nichts mehr einfällt, dann kommt eben ein Stephen Sommers daher, verwurstet diese drei Mythengestalten des populären Grauens in einem absurden Drehbuch, aus dem ein Film wird, der nur eines will, nämlich unser Eintrittsgeld.

"Van Helsing" heißt dieser Streifen, der durchaus Chancen hat, beim jüngsten Publikum kommerziell einträglich zu werden. Sommers hat in Filmen wie "Die Mumie" und "Die Mumie kehrt zurück" bereits bewiesen, wie erfolgreich er im Fundus des Horrorkinos zu plündern vermag. Sein Rezept ist einfach, aber wirksam: Nimm die alten, bereits bewährten Geschichten samt ihren schaurigen Helden, sorge für Action am laufenden Band, gnadenloses Tempo und nutze alle Möglichkeiten der modernen Tricktechnik für einen visuellen Leinwandtrip aus.

Drakulas jüngerer Bruder

Die Geschichte, die das ebenfalls von Sommers verfasste Drehbuch erzählt, hat den düsteren Einzelgänger Gabriel Van Helsing zum Helden erkoren. Der hat einen gleichnamigen literarischen Vorgänger in Bram Stokers Romanklassiker "Dracula", ist dort aber nur eine Nebenfigur und schon 60 Jahre alt. Kein Problem für Sommers: "Ich erschuf sozusagen meinen Van Helsing als jüngeren Bruder von Stokers Figur. Nun arbeitet Van Helsing als Kopfjäger für eine altehrwürdige Geheimorganisation. Er ist ein Söldner, der auszieht, um das Böse zu vernichten."

Tragischer Held

Im Film wird die Titelfigur mit einiger Ironie als so eine Art "James Bond im Horrorland" gezeichnet, ausgerüstet mit Geheimwaffen auf dem Stand der Technologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Es ist die Tragik des Helden, das Böse erfolgreich zu bekämpfen und doch von den von diesem glücklich erlösten Menschen immer wieder als Mörder angesehen zu werden. Diesmal soll der Missverstandene Transsilvanien von dem ebenso unbesiegbaren wie schrecklichen Grafen Dracula befreien. Dabei wird er zum Verbündeten der schönen Adligen Anna, die sich an dem Mörder ihrer Familie rächen will.

Unterschied zwischen Kino und Multiplex-Jahrmarkt

Doch der Biss eines Werwolfs verwandelt Van Helsing selbst in einen. Das aber ermöglicht ihm erst die Abrechnung mit Dracula. Dieser hat Frankenstein geklaut, um den tausend tot geborenen Nachkommen, die der Chefvampir mit Frauen gezeugt hat, mit dessen Energiereserven Leben einzuhauchen. Es kommt zum Duell; Van Helsing bekommt danach eine zweite Chance als Mensch, doch diese Existenz fordert einen tragischen Preis... Gewiss ist diese Handlung hanebüchener Unsinn, der berechnenden Fantasie eines moderne Mythen skrupellos verwurstenden Filmemachers entsprungen. Aber so viel Frechheit ist auch schon fast wieder bewundernswert.

Nur menschliche Puppen

Der schmucke Australier Hugh Jackman als Van Helsing und die wandelbare Engländerin Kate Beckinsale als Anna sind in den Hauptrollen zu sehen. Aber wie die anderen Darsteller sind sie eigentlich nur menschliche Puppen in einem rasanten Spektakel aus Bild- und Toneffekten, das man mit einiger Erschöpfung der strapazierten Sinne verlässt.

Die beste Medizin dagegen ist, sich mal wieder auf Video oder DVD Roman Polanskis wunderbaren Film "Tanz der Vampire" anzuschauen. Dann wird schnell klar, was der Unterschied zwischen einem Zauberer und einem Verwurster ist. Es ist der Unterschied zwischen Polanski und Sommers, und zugleich derjenige zwischen Kino und Multiplex-Jahrmarkt.

Wolfgang Hübner, AP / AP
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