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"Verliebt in Berlin": Mit Kitschfaktor zum Erfolg

Mit einer derart hohen Publikumsresonanz hatte wohl niemand gerechnet. Im Februar gestartet, hat sich die Telenovela "Verliebt in Berlin" sofort fest im Programm etabliert.

Sie trägt eine dicke Brille, die Zähne verschwinden hinter einer Zahnspange, und ihr Hinterteil passt gerade noch in Hosengröße 40. Das ist Lisa Plenske, Protagonistin der Sat1-Serie "Verliebt in Berlin". Als unscheinbares Mauerblümchen will sie in der Berliner Modebranche Fuß fassen - und verliebt sich auch noch in ihren smarten Juniorchef. Eigentlich eine aussichtslose Lage. Doch "Verliebt in Berlin" ist eine Telenovela, was so viel heißt wie: Am Ende wird alles gut. Zumindest für Sat.1 ist schon jetzt alles gut: Mehr als vier Millionen Zuschauer sitzen täglich vorm Fernseher.

"Ich liebe Klischees", sagt Hauptdarstellerin Alexandra Neldel über ihre Rolle. "Natürlich weiß man, was passiert, und dass die beiden wahrscheinlich am Ende zusammenkommen." Das gelte aber für alle "Boy meets Girl"-Geschichten. Sie finde es jedenfalls großartig, "den Leuten so eine lustige, schöne, leichte Geschichte zu erzählen".

Nicht aufs Äußere reduziert

Dafür zwängt sich die schlanke Blondine mit den blauen Kulleraugen auch gern in ein so genanntes Fatsuit, das sie um zwei Kleidergrößen dicker macht. Die Verwandlung in die unscheinbare Plenske (werktags, 19.15 Uhr auf Sat.1) bringt für die 29-Jährige einen großen Vorteil mit sich: "Endlich ist es mal nicht wichtig, wie ich aussehe, sondern wie ich spiele!" Die Zuschauer sollten denken: "Mensch, das macht die Kleene aber schön, da gucke ich gern hin. Und nicht: Die sieht aber gut aus, die muss ich mir noch mal anschauen."

Die Entscheidung für "Verliebt in Berlin" hat sich Alexandra Neldel trotz aller Begeisterung nicht leicht gemacht. Sie hat Erfahrung mit der Fließband-Produktion von Serien: Im Alter von 20 Jahren schlüpfte sie für die RTL-Soap "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" in die Rolle der resoluten Katja Wettstein und blieb über zwei Jahre an Bord. 1998 kehrte sie der Soap-Welt ("aufregend, aber oberflächlich") den Rücken, drehte hauptsächlich Filme.

Die Lücke zwischen zwei Soaps

Zu dem großen Erfolg dürfte sicher auch die Sendezeit beigetragen haben. Der Termin um 19.15 Uhr ist für Fans von Vorabend-Serien perfekt: "Verliebt in Berlin" passt genau in die Lücke zwischen die früheren Neldel-Projekte "Berlin, Berlin" (ARD) und "GZSZ" (RTL).

Es spricht also nichts dagegen, dass sich die tollpatschige Lisa Plenske mit ihrem anrührend-naiven Charme und dem - trotz Zahnspange - unwiderstehlichen Lächeln in die Zuschauerherzen stiehlt. Alexandra Neldels Mutter und Großmutter sind von der Rolle jedenfalls restlos begeistert: "Ich habe ja schon in Pilcher-Verfilmungen mitgespielt, nun die emotionsgeladene Hauptrolle in der Telenovela", erzählt die Schauspielerin. "Wenn ich danach noch aufs 'Traumschiff' eingeladen werde, sind sie rundum glücklich." Nun hofft Neldel, den Sprung ins Kino zu schaffen und auch anspruchsvolle Rollen jenseits der Serien-Produktion zu bekommen.

che, mit Material von Agenturen