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"Wetten, dass...?": Ein Gigant feiert Geburtstag

Millionen versammeln sich ein Mal im Monat vor den deutschen Fernseher, wenn es wieder heißt: "Wetten, dass...?". Die erfolgreichste Fernsehshow Deutschlands wird 150.

Der langjährige Regisseur der Sendung Alexander Sascha Arnz wird die Ausstrahlung der 150. Folge "Wetten, dass...?" nicht mehr miterleben können. Er starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit. Arnz habe der großen Bildschirm-Show über Jahrzehnte einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, sagte der ZDF-Intendant Markus Schächter. Für Thomas Gottschalk war Arnz Freund und Wegbegleiter. Mit ihm zusammen hat er "Wetten, dass...?" zu dem gemacht hat, was es heute ist.

Bis zu 16 Millionen Zuschauer

Seit mehr als 23 Jahren vereint die Show, die gegenwärtig pro Ausgabe zwischen 13 und 16 Millionen Menschen einschalten, Jung und Alt vor dem Fernseher. Mit Thomas Gottschalks nächstem Auftritt am 2. Oktober um 20.15 Uhr im Berliner Velodrom sendet das ZDF die 150. Ausgabe. Gerade in diesem Herbst gewinnt "Wetten, dass...?" an zusätzlicher Bedeutung - und das hat seinen Grund.

Die neuen Shows, Reihen und Serien anderer Sender, ob privat oder öffentlich-rechtlich, sind mit dem Saisonstart im September noch nicht beim Publikum angekommen. Ob "Hire or Fire" oder "Kämpf um Deine Frau" - die Konkurrenz scheint flügellahm zu werden. "Vor drei Jahren hatte ich noch das Gefühl, was kommt da alles auf mich zu - kommst Du da heil raus?", sagt Gottschalk. "Jetzt bin ich beruhigt. Ich muss mit keiner flackernden Angst in jede Sendung treten und gebannt auf die Quoten am nächsten Tag starren."

Andere Shows zeigen nicht das wahre Leben

Gottschalk kritisiert, dass in den neuen Shows, die vom Zuschauer gemieden werden, künstliche Situationen geschaffen würden, die das reale Leben nicht biete. "In Amerika ist es kein Problem, einen Donald Trump als erfolgreichen Unternehmer im TV zu präsentieren und um ihn eine Show zu stricken. Solche Shows werden einfach von deutschen Sendern eingekauft, als neue Errungenschaft angepriesen." Auch der ZDF-Show-Master kann nicht verhehlen, dass er mit "Gottschalk zieht ein" in einer Realityshow auftritt - "aber mit normalen Leuten und in normalen Situationen."

Seine Zukunft beim ZDF ist langfristig festgezurrt. Die Vereinbarung läuft vorerst bis Ende 2006. In diesem und nächstem Jahr wird der 54-Jährige mit Wohnsitz in Malibu von der November-Ausgabe "Wetten, dass...?" -an immer donnerstags einmal im Monat seine Reality "Gottschalk zieht ein" nachschieben. Hinzu kommen die Moderation des Deutschen Fernsehpreises am 9. Oktober, "Ein Herz für Kinder" und die "Goldene Kamera" .Neu, voraussichtlich am Gründonnerstag 2005, ist eine Show, die rund um die Bibelfestigkeit der Deutschen geht, sagt er - ähnlich wie seine Benimmshow vor kurzem.

40.000 Liter Kaffee und 45 Stunden Überlänge

Dass nicht nur die Quelle ZDF sprudelt, dafür hat Gottschalk vor wenigen Tagen gesorgt. "Der Herr der Gummibärchen hat mit mir bis 2007 verlängert, auch wenn ihm der eine oder andere vielleicht gesagt hat: Der Gottschalk ist doch schon verstaubt." Für den rheinischen Süßwarenkonzern bleibt der Franke die Nummer eins. Gottschalk hat von 149 Sendungen mit Unterbrechung von 1992 bis 1994 seit 1987 101 Ausgaben moderiert. 200 Mitarbeiter kümmern sich um jede Show, sechs Kameraleute, 12 Lichttechniker sind im Einsatz. Um 45 Stunden wurde seit 1981, als Frank Elstner startete, überzogen. Und nach Berechnungen des ZDF flossen 40.000 Liter Kaffee die Kehlen herunter.

Am Samstag sind bei Gottschalk eingeladen: Schauspielerin Alexandra Maria Lara, Sänger Joe Cocker, Sängerin Yvonne Catterfeld, Schauspieler Gerard Depardieu und Komiker Michael Mittermeier.

Carsten Rave/DPA / DPA