1. Teil der Fußball-Trilogie "Goal!" Von L.A. zu Newcastle United


Auch Hollywood entdeckt den Fußball: Gefördert vom Weltfußballverband (FIFA) entstand unter der Regie des Briten Danny Cannon "Goal!". Eine simple Variante der "Vom-Tellerwäscher- zum-Millionär"-Geschichte, gedreht in echten Stadien und mit Gastauftritten von Fußballstars wie Beckham, Zidane und Raùl.

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein junges Kicktalent namens Santiago Munez, das für seinen Traum von Ruhm und Reichtum den harten Weg vom warmen Los Angeles in die kalte nordenglische Fußballhochburg Newcastle nicht scheut um beim Premiere League-Club „Newcastle United“ vorzuspielen. Doch im Mutterland des Fußballs weht ein rauer Wind, Munez droht zu scheitern.

Fußball als reale TV-Inszenierung ist nicht zu übertreffen

Der Brite Danny Cannon, das sei vorweg gesagt, hat es leider nicht vermocht, die weltweit populärste Sportart so faszinierend auf die Leinwand zu bringen, wie dies im Vorfeld des Großereignisses in Deutschland wünschenswert gewesen wäre. Letztlich scheitert der Film aber nur daran, dass Fußball als reale TV-Inszenierung eigentlich unübertrefflich ist. Lautstarke Fangesänge, das dumpfe Klatschen des Balls im Surround Ton – als Zuschauer wird man phasenweise mitgerissen von der authentisch transportierten Atmosphäre. Allerdings trägt die nicht einen ganzen Film. Umso wichtiger ist deshalb bei Spielfilmen rund ums Kicken die Rahmenhandlung.

Stabiles Handlungsgerüst fehlt

Die war schon bei dem großen Kinoerfolg "Das Wunder von Bern" nicht gerade überragend. Was allerdings kaum von Nachteil war, handelte der Film doch von einem deutschen Mythos und einem deutschen Helden namens Helmut Rahn, der sich mit seinem Siegtor im Berner Finale von 1954 in die nationale Unsterblichkeit geschossen hatte. Ein so stabiles Handlungsgerüst kann "Goal" noch nicht einmal annähernd bieten.

Die Geschichte des armen mexikanischen Einwanderersohnes, der ein begnadetes Talent als Fußballer hat, aber erst auf weiten Umwegen mit der rauen Profi-Wirklichkeit konfrontiert wird, wirkt doch allzu konstruiert. Und der Anlauf, den die Handlung nimmt, um endlich zur eigentlichen Hauptsache zu kommen, nämlich der Bewährungsprobe von Santiago Munez auf dem Feld, ist zu umständlich und auch viel zu sentimental. Cannon und seine Drehbuchautoren verzetteln sich.

In Newcastle ist Fußball Religion

Das raubt den besseren Szenen des Films, die allesamt in Newcastle spielen, viel von ihrer Wirkung. In der englischen Stadt ist Fußball Religion, deren Kathedrale ist das dortige Stadion. Leider wird in der synchronisierten deutschen Fassung der ganz spezifische englische Dialekt, der in Newcastle gesprochen wird, nicht mehr zu hören sein. Gerade dieser Dialekt und der spürbare Enthusiasmus um den Fußball in der ansonsten grauen Industriestadt gibt dem Film Erdung und Atmosphäre. Die Fans mag es erfreuen, aber eher konstruiert und verkrampft wirken die Kurzauftritten von Topstars wie David Beckham, Zinedine Zidane oder Alan Shearer, dem Kapitän von Newcastle United - alle übrigens bei Adidas unter Vertrag, die den Film sponsern, was man an der Kleidung des Protagonisten leicht ablesen kann.

Beachtliche schauspielerische Leistung

Allerdings - der junge Mexikaner mit dem völlig unmexikanischen Namen Kuno Becker schlägt sich wacker in der Hauptrolle des Santiago Munez. Offenbar kann Becker bestens mit dem Ball umgehen, ausgebildeter Geiger ist der vielseitig begabte Nachwuchsschauspieler auch, und noch dazu sieht er sehr attraktiv aus. Kein Wunder, dass er im hispanischen Raum schon ziemlich bekannt ist. Ob er durch diesen Streifen gleich ein internationaler Kinostar wird, mag man bezweifeln. Der beste Fußball-Film, das steht schon fest, wird 2006 an diversen Drehorten in Deutschland inszeniert.

AP/DPA AP DPA

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