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Großaufnahme: 15 Dinge, die Sie über Ang Lee wissen müssen

Jane Austen, der Hulk und schwule Cowboys - Ang Lees Filme könnten unterschiedlicher nicht sein. Sein neues Werk ist eine ungewöhnliche Kriegsheimkehrer-Geschichte: "Die irre Heldentour des Billy Lynn". 15 Fakten über den taiwanesischen Oscar-Preisträger.

Ang Lee

Der Taiwanese Ang Lee ist der einzige asiatische Regisseur, der einen Regie-Oscar gewonnen hat. Genauer gesagt zwei.

•Ang Lees neuer Film heißt "Die irre Heldentour des Billy Lynn" und handelt von einem 19-jährigen US-Soldaten, der nach seinem Irak-Einsatz durchs Land reist und sich dafür feiern lässt, dass er einem Kameraden fast das Leben gerettet hat. Am Ende zweifelt er, ob er sich nicht untauglich schreiben lassen soll.

•Lee wurde am 23. Oktober 1954 in Chaochou, Taiwan, geboren, sowohl sein Vater Shen Lee als auch seine Mutter Se-Tsung waren Lehrer.

•Er besuchte das National Taiwan College of Arts und ging nach seinem Abschluss 1979 in die USA, wo er Theaterregie an der University of Illinois und Filmproduktion an der Tisch School of the Arts der New York University studierte. Ursprünglich hatte er Schauspieler werden wollen, doch seine Probleme mit der englischen Sprache bewogen ihn, auf Regie umzusatteln.

•Einer seiner Klassenkameraden an der Tisch School war Spike Lee, bei dessen Abschlussfilm "Joe's Bed-Stuy Barbershop: We Cut Heads" er 1983 als Regieassistent fungierte.

•Lee ist seit dem 19. August 1983 mit der Molekularbiologin Jane Lin verheiratet, die er an der Uni in Illinois kennengelernt hatte. Die beiden haben zwei Söhne: Haan (32) ist Künstler, Mason (26) arbeitet als Schauspieler.

•Nach seiner Ausbildung war Lee sechs Jahre lang ohne Job. Er kümmerte sich zu Hause um die Kinder, während seine Frau das Geld verdiente, und er überlegte ernsthaft, in die Computerwissenschaft zu wechseln. Jane ermutigte ihn aber, am Ball zu bleiben. Während dieser Zeit schrieb er zahlreiche Drehbücher.

•Zwei davon reichte er bei einem Wettbewerb der taiwanesischen Regierung ein - und landete auf Platz 1 und 2. Der Studioproduzent Li-Kong Hsu wurde auf ihn aufmerksam und bot Lee an, eins der Drehbücher selbst zu verfilmen. 1991 debütierte er mit "Schiebende Hände" als Regisseur. Da war er bereits 38 Jahre alt.

•Das zweite Skript handelte von einem schwulen Chinesen, der in New York mit seinem Freund lebt, was seine Eltern nicht wissen dürfen. Also heiratet er zum Schein eine Künstlerin, die nach einem One Night Stand mit ihm schwanger wird. Lee verfilmte "Das Hochzeitsbankett" 1992 - sein großer Durchbruch. Der Film gewann den Golden Bären der Berlinale und war als bester nicht englischsprachiger Film für den Oscar und Golden Globe nominiert.

•Die Hauptrolle spielte Winston Chao, ein Model und ehemaliger Flugbegleiter, der noch nie vor einer Filmkamera gestanden hatte. Bevor die Dreharbeiten losgingen, absolvierte er mehrere Wochen lang drei bis vier Stunden täglich einen Schauspiel-Crashkurs.

•Lee ist bislang der einzige asiatische Regisseur, der einen Regie-Oscar gewonnen hat. Genauer gesagt zwei: für "Brokeback Mountain" (2005) und "Life of Pi" (2012).

•Insgesamt waren seine Filme für 38 Oscars (zwölf Auszeichnungen) und 23 Golden Globes (neun Auszeichnungen) nominiert. Außerdem gewannen sie zweimal die Berlinale (neben "Das Hochzeitsbankett" noch "Sinn und Sinnlichkeit") und Venedig ("Brokeback Mountain" und "Gefahr und Begierde").

•2001 drehte er für die Kurzfilmreihe "The Hire" von BMW und mit Clive Owen den Beitrag "Chosen":


•Das sagt er:

"Ich werde oft gefragt, warum ich so grundverschiedene Filme mache: eine Jane Austen-Verfilmung, Brokeback Mountain, The Hulk. Nun, wenn wir die Chance hätten, würden wir doch gerne mehrere Liebhaberinnen haben, statt nur in einer Ehe festzustecken. Deshalb liebe ich es, unterschiedliche Arten von Filmen zu drehen, denn im wahren Leben bin ich seit über 30 Jahren glücklich verheiratet."

•Das sagen andere:

"Ang weiß mehr über amerikanische Western aus den 30er bis 50er Jahren als ich. Mit dem klassischen chinesischen Kino hat er nicht viel zu tun, und sogar seine chinesischen Filme wirken nicht fremdartig für westliche Zuschauer, weil er sehr stark vom westlichen Kino durchdrungen ist. Ganz bestimmt sieht er sich nicht als Teil irgendeiner Bewegung oder Tradition. Ich glaube nicht, dass es einen Ang-Lee-Style gibt." (Tim Squyres, Cutter bei elf Filmen von Ang Lee)   

Ang Lee für Einsteiger:

"Das Hochzeitsbankett" (1993)
"Eat Drink Man Woman" (1994)
"Sinn und Sinnlichkeit" (1995)
"Der Eissturm" (1997)
"Tiger & Dragon" (2000)
"Brokeback Mountain" (2005)
"Life of Pi" (2012)

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