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"Touch Me Not": Umstrittene Sex-Doku: Siegerfilm der Berlinale verstörte viele Zuschauer

Damit hat kaum jemand gerechnet: Der rumänische Experimentalfilm "Touch Me Not" über Sex gewann bei der Berlinale 2018 den Goldenen Bären. Die Sex-Doku hatte viele Zuschauer durch ihre Freizügigkeit verstört.

Touch Me Not

"Touch Me Not" aus Rumänien ist der Sieger der Berlinale 2018

Weiße Wände, weiße Sofas: Das Setting ist steril, fast klinisch. Doch die einer Therapiestunde ähnelnde Handlung wird schnell sehr intim - zu intim für manche: Der rumänische Film "Touch Me Not" sorgte auf der Berlinale 2018 für Aufsehen. Bei der ersten Pressevorführung verließen zahlreiche Zuschauer den Kinosaal, schreibt die "Bild"-Zeitung. Zu verstörend waren für sie die expliziten Sex-Szenen, die der halb-dokumentarische Film zeigt. Und nun hat ausgerechnet "Touch Me Not" den wichtigsten Preis mit nach Hause genommen: Am Samstag bekamen die Regisseurin Adina Pintilie und ihr Team den Golden Bären überreicht.

"Wir haben nicht damit gerechnet", sagte Pintilie wie unter Schock. Doch die Anerkennung sei so wichtig. "Wir würden den Dialog, den der Film aufgreift, gerne weltweit sehen", so die Filmemacherin. "Touch Me Not" zeigt Menschen, die auf der Suche nach Intimität ihre sexuellen Grenzen austesten. Nicht alle von ihnen sind Schauspieler, Pintilie hat zwei Jahre lang nach geeigneten Protagonisten gesucht. "Wir haben authentisch gearbeitet, sie mussten sehr mutig sein", sagt sie.

"Touch Me Not" polarisierte auf der Berlinale

Ein Drehbuch gab es keines, stattdessen mussten sich die Darsteller darauf einlassen, sich selbst zu erkunden. Der Zuschauer bekommt Sado-Maso-Szenen und Masturbation zu sehen, erlebt Transfrauen und Menschen mit Behinderung beim Sex. Dass diese explizite Darstellung in einer Art Sex-Labor nicht bei allen Zuschauern gut ankommt, war der Regisseurin bewusst. "Es ist kein bequemer Film", sagte sie auf der Pressekonferenz.

Genau das war es jedoch, wonach Jury-Präsident Tom Tykwer gesucht hat. Er vermisse wilde und sperrige Filme, hatte er schon zu Beginn der Berlinale verkündet. "Touch Me Not" polarisiert - aber eben nicht nur im Negativen. Die Kritiker, die den Film bis zum Ende sahen, zeigten sich hinterher begeistert. Und auch die Darsteller sind glücklich über das Ergebnis: "Es war magisch. Adina ist eine Zauberin", hieß es zum Beispiel. Durch den Preis steigt nun die Wahrscheinlichkeit, das "Touch Me Not" in die regulären Kinos kommt.


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