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Tag 9: Too good for you

Während die einen ihre Trolleys zum Flughafen schieben, reist der andere mit 50 Koffern an: Kurz vor Schluss bekommt die Berlinale mit Will Smith noch einen Promi-Kick - eine Idealbesetzung in jeder Hinsicht.

Das ist jetzt wirklich ein Problem: Wie soll ich bitte auf gerade mal 50 Zeilen (es sind deutlich mehr, Red.) all das erzählen, was Will Smith nur allein bei der Pressekonferenz zu seinem neuen, außer Konkurrenz im Wettbewerb laufenden Bestseller "Hitch – Der Date-Doktor" (43 Millionen Dollar US-Einspiel am ersten Wochenende) schon alles abgezogen hat? Ja, Will Smith, der unbremsbare Gute-Laune-Bär Hollywoods ist in der Stadt, eingeflogen mit einer privaten Boeing 757 und 50 Gepäcksstücken, logierend in einer 4000-Euro-Suite des Ritz Carlton.

Und irgendwie waren alle froh darüber: Berlinale-Chef Dieter Kosslick hatte seinen Glamour, die Fans was zum Anschauen und die nach acht Tagen Festival geplätteten Journalisten noch einmal den Adrenalin-Kick kurz vorm Finale. Eine Dreiviertelstunde lang zog die "Hitch"-Truppe – neben Smith noch seine Filmpartner Eva Mendes (smart und wunderschön), Kevin James (genauso witzig wie in "King of Queens") und Amber Valetta (irgendwie … modelig), sowie Regisseur Andy Tennant (der gute Onkel) – im überfüllten Saal ihre Show ab: Frage: "Brauchten Sie schon mal einen Date-Doktor?" Smith: "Einmal in der High School. Da war ich in ein Mädchen drei Klassen höher verliebt. Nach einem Jahr traute ich mich sie anzusprechen: 'Hey, Charlene, how are you feeling? Charlene: Too good for you'". Frage: "Ihre wichtigste Dating-Regel?" Smith: "Nutze das gut, was du kannst. Ich zum Beispiel konnte Frauen zum lachen bringen, also habe ich das versucht. Aber: Ich bin auch ein verdammt guter Liebhaber."

Wir hatten beide getrunken und ließen es geschehen

Blonde Journalistin, circa 45: "Eva, sind Sie romantisch und: Haben Sie mit Will geschlafen?" Smith: "Okay, ich weiß jetzt, was du brauchst" (Stürzt die Bühne runter und sich auf die völlig versteinerte Frau, küsst sie und wälzt sich unter dem Gelächter des Publikums mit ihr auf dem Boden)

Journalist unverständlicher Herkunft, circa 35, Thermoskannengröße: "Mrs. Mendes, welche Frage muss ich Ihnen stellen, damit Sie das auch mit mir machen?"

Drei Minuten später, finnische Journalistin, circa 50… "Mr. Smith…" Smith: "Oh, Hi! Bitte nicht! Wir hatten beide getrunken und ließen es geschehen. Mach das jetzt hier nicht zum Thema."

Okay, genug. Regisseur Andy Tennant jedenfalls bringt das Energiebündel-Phänomen Will Smith auf Anfrage genau au point: "Will Smith genießt es ein einfach Will Smith zu sein."

"Liebe ist leider nur dein Job"

Von daher ist er mit seinem sonnigen Gemüt, seinem Lausbuben-Charme, seiner unangestrengten Coolness und seiner federnden Körpersprache die Idealbesetzung als "Hitch", alias Alex Hutchens. Beim Titelhelden des Films handelt es sich um den erfolgreichsten Beziehungsanbahner New Yorks, der alle Kniffe und Tricks kennt, weiß, was Frauen denken, fühlen und erwarten. Nur er selbst ist in Herzensangelegheiten eine absolute Pfeife.

"Liebe ist leider nur dein Job", sagt einer seiner Kunden, gespielt von Kevin James, zu ihm. Und das genau ist das Problem, denn seine fein ziselierten Grundsätze wirken bei der hübschen Sara (Eva Mendes), Kolumnistin und paranoider Single, ungefähr wie ein Hanuta bei Grippe.

"Das war echt genau das, was man erwartet hat", murmelte nach der Pressevorführung ein Kollege seiner Begleiterin beim Rausgehen zu. Genau, Mister X, und diese flockige Komödie mit allerlei gar nicht so uncleveren Beziehungs-Weisheiten war exakt das, was wir nach all den deprimierenden Leinwand-Veranstaltungen über Völkermord, Kinder im KZ, Beziehungsgestörte (ha!), dem Tod geweihte Widerstandskämpferinnen, verwirrte Kaiser im Keller oder Kindesmissbrauch (Übrigens ganz beeindruckend: Der dänische Wettbewerbsbeitrag "Anklaget") gebraucht haben.

Ja, doch: Man merkt schon, dass die Luft jetzt raus ist. Der European Film Market hier wird bereits angetakelt, und durch die Hotels hasten schon die Gäste mit ihren Trolleys oder Koffern, um wieder nach Hause zu fliegen. Ein letzter tiefer Atemzug noch, dann ist die 55. Berlinale vorbei. Morgen gibt’s die Bären. Und für Jada Pinkett-Smith eine Riesen-Überraschung, wenn sie nach Hause kommt. Am 19. Februar hatte sie mit Will ihr erstes Date, und da er morgen nicht bei ihr sein kann, hat er zum Jahrestag das Innere des gemeinsamen Hauses mit Blumen schmücken lassen. Soll ich aber nicht verraten, hat er gesagt.

Bernd Teichmann