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CANNES: Der Held aus dem Sumpf

Mit »Shrek« bewirbt sich nach langer Zeit mal wieder ein Trickfilm um die Goldene Palme.

Anke Kapels

Jeffrey Katzenberg ist dieser Tage einer der glücklichsten Menschen von Cannes. »Wir haben schon gewonnen«, sagt der US-Produzent, »weil wir überhaupt eingeladen wurden zu diesem Festival!« »Shrek« heißt sein im Computer entstandenes Werk, das neben Filmkunst von Jean-Luc Godard, den Coen-Brüdern oder David Lynch in Cannes um die Goldene Palme kämpft. Das durften bisher nur drei Zeichentrickproduktionen: zwei aus den Disney-Studios Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre sowie 1973 der französische Kunst-Animationsfilm »Fantastic Planet«.

Das US-Fachblatt »Daily Variety« handelt »Shrek« schon jetzt als Erfolg an den Kinokassen, der Kinder wie Erwachsene begeistern wird ? nicht unbedingt eine Empfehlung für ein ambitioniertes Festival wie Cannes. In den Wettbewerb geriet der Film wohl eher, weil er sich über Disneys Zeichentrickklassiker genauso lustig macht wie über TV-Game-Shows und Filme wie »Matrix« ? subversiver Humor auf hohem Niveau mit dem grünen Sumpfmonster »Shrek« als Hauptfigur.

Für Katzenberg ist der Film ein Etappensieg über den großen Konkurrenten Disney. Bevor er 1994 mit Steven Spielberg und David Geffen die Produktionsfirma DreamWorks SKG gründete, war er bei Disney für Hits wie »Der König der Löwen« verantwortlich; im Streit verließ er das Studio. Zwar glaubt Katzenberg nicht an eine Palme in Cannes, aber zumindest weiß er einen Seelenverwandten in der Wettbewerbsjury: Terry Gilliam, einst bei der Comedy-Truppe Monty Python?s Flying Circus und später verantwortlich für Filme wie »12 Monkeys«. »Ich bin gespannt, was Terry von dem Film hält«, sagt Katzenberg, »er versteht, wie subversiv 'Shrek? wirklich ist.«

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