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David Lynch: So mysteriös wie seine Filme

So mancher Kinogänger ist an seinen Werken gescheitert - zu undurchsichtig, zu mehrdeutig, einfach unverständlich. Dennoch oder gerade deswegen zählt er zu den größten Regisseuren dieser Zeit.

Unter den amerikanischen Filmemachern besitzt David Lynch, der am 20. Januar 60 Jahre alt wird, zweifellos eine Ausnahmestellung. Denn die Filme des Regisseurs sind immer ganz anders als die seiner Berufskollegen, es sind eben immer typische David-Lynch-Filme: Provinzielle Schauplätze, subtile Toneffekte, doppelbödige Handlungen und eine abgründige Mixtur aus schockierender Gewalt, Perversionen und Obszönitäten. In keinem anderen der gar nicht vielen Kinofilme Lynchs wurde das so deutlich wie in "Blue Velvet". Dieser 1986 aufgeführte Psycho-Thriller um einen netten Jungen, der durch Zufall in einen Strudel aus Horror und Sex gerät, wurde schnell ein Kultfilm und machte Lynch zu einem Kultregisseur, dessen Arbeiten seitdem größte Aufmerksamkeit gewiss ist.

Wobei der Sohn eines Agrarwissenschaftlers im Ausland größeres Ansehen genießt als in der Heimat, wo er bislang für den Oscar nur ein einziges Mal nominiert war für die Inszenierung von "Der Elefanten-Mensch" im Jahr 1980. Aber der Regisseur dreht eben keine Filme, die ins Hollywood-Schema passen, und das wird sich voraussichtlich auch nicht mehr ändern. Werke wie "Wild at Heart" (1990), "Lost Highway" oder "Mulholland Drive" werfen beim Betrachter mehr Fragen auf als sie Antworten geben - das mögen Oscar-Juroren überhaupt nicht. Und Lynch-Filme sind in der Regel keine sicheren Kassenhits, obwohl sowohl der "Elefanten-Mensch" wie "Blue Velvet" nicht nur künstlerisch, sondern auch kommerziell sehr erfolgreich waren. Dagegen mutete "Lost Highway", die wohl schwärzeste Arbeit des Amerikaners, selbst seinen eingefleischten Fans einiges zu. Eine Zeitung schrieb 1997 dazu: "Ein Muss für alle, die nicht ins Kino gehen, um Erfahrungen zu machen, sondern Rätsel zu lösen."

Die legendäre Reise mit dem Rasenmäher

In dem ähnlich verschlüsselten Film "Mulholland Drive" zeigte Lynch die Geschichte einer Frau, die bei einem Unfall ihr Gedächtnis verlor. Vor dem beziehungsreichen Hintergrund der Filmmetropole Hollywood entwickelt sich ein kompliziertes Verwirrspiel, das man trotz seiner Undurchschaubarkeit gebannt verfolgt. Ganz anders präsentierte sich Lynch mit seinem wundersamen Roadmovie "The Straight Story", in dem sich ein alter Mann sich doch noch mit seinem kranken Bruder versöhnen will. Er fährt dazu mit einem Rasenmäher von Iowa nach Wisconsin, eine der originellsten Fahrten der Filmgeschichte.

Auch mit der legendären TV-Serie "Twin Peaks", die 1990 die Sensation auf Amerikas Bildschirmen war, setzte der studierte Kunstmaler ganz eigene Akzente in den Folgen, die sich um einen mysteriösen Mordfall in einem Holzfällerstädtchen im kalten Nordwesten der USA drehten.

Bei den Filmfestspielen in Cannes, wo Lynch seine größten Triumphe errang, war er 2002 Jury-Präsident, seit jenem Jahr ist er auch Ritter der französischen Ehrenlegion. Privat hat der zwei Mal geschiedene Regisseur zwei Söhne und eine Tochter aus den Ehen und der Beziehung zu einer Cutterin. Malen betreibt er nur noch als Hobby, beim Filmemachen lässt er sich viel Zeit. Der nächste Film soll "Inland Empire" heißen, natürlich ein Mystery-Thriller werden und noch in diesem Jahr in die Kinos kommen. Es gibt nicht viele Premieren, denen die Cineasten so gespannt entgegen sehen. Auf David Lynchs Filme freut man sich übrigens am meisten, wenn man aufgegeben hat, sie verstehen zu wollen.

Wolfgang Hübner/AP / AP
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