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Ausstellung in Berlin Dianas Darling: Wie Lady Di eine Dior-Tasche zum Beststeller machte

Lady Diana 1996 mit ihrer Lady Dior (l.) und ein von dem Künstler Tomislav Topic gestaltetes Exemplar der Tasche
Lady Diana 1996 mit ihrer Lady Dior (l.) und ein von dem Künstler Tomislav Topic gestaltetes Exemplar der Tasche
© Anwar Hussein; PR / Getty Images
Vor 25 Jahren machte Prinzessin Diana die Handtasche "Lady Dior" berühmt. In Berlin zeigt jetzt die Wanderausstellung "Lady Dior As Seen By", wie man den Hype um eine Ikone am Leben hält.

Löwenfelle, Lamborghinis, Luxustaschen: Wenn Staatschefs und Gekrönte aufeinandertreffen, tauschen sie nicht nur große Gesten aus, sondern auch gerne üppige Geschenke. Wie etwa 1995, als Prinzessin Diana nach Paris reiste, um eine Ausstellung von Paul Cézanne zu eröffnen. Frankreichs First Lady Bernadette Chirac überraschte sie damals mit einer Handtasche von Dior. Das Modell war noch unbekannt, es hieß "Chouchou" und war nicht nur der Liebling von Dior-Designer Gianfranco Ferré, sondern auch bald von Prinzessin Diana. Wie sie ihre Freude zeigte? Mit einer Großbestellung, sie orderte die "Chouchou" einfach in jeder damals erhältlichen Farbe.

Ob beim Besuch eines Kinderheims in Birmingham oder zur Met-Gala in New York: Die Tasche mit den Steppnähten und den goldigen Dior-Buchstaben baumelte fortan am Handgelenk der Prinzessin. Lady Di galt damals als meist fotografierte Person der Welt. Wo sie auftauchte, war auch ihre Handtasche zu sehen. Die Nachfrage stieg mit jeder Titelseite, auf der sie zu sehen war. Über 200.000 Taschen verkaufte Dior auf diese Weise in den ersten zwei Jahren. Viele Frauen wollten das gleiche Modell tragen wie ihr Vorbild Lady Di. Ohne großes Zutun war der Luxusmarke ein Coup par excellence gelungen. Kein Wunder, dass die "Chouchou" noch im gleichen Jahr einen neuen Namen erhielt: "Lady Dior".

Eine Ikone steht für zeitloses Design

Heute, 25 Jahre später, gilt die Tasche als Diors Bestseller. Sie hat es in den Taschen-Olymp geschafft, wie auch Chanels "2.55", die "Birkin Bag" und "Kelly Bag"-Modelle von Hermès. Was sie eint, sind nicht nur ihre berühmten Namenspatinnen, sondern ebenso das reduzierte, seit Jahrzehnten konstante Design. Es ist so zeitlos, dass man nicht sagen kann, aus welchem Jahr die Taschen stammen. Für viele Luxusmarken Grund genug, die Preise stetig anzuheben. Jede Reduzierung würde zwar kurzfristig einen Umsatz-Boost erzeugen, dem Hype aber langfristig schaden. Dior-CEO Sidney Toledano erklärte einst in einem Interview mit dem Branchendienst "Women's Wear Daily": "Wenn die Leute die Tasche zu oft sehen, werden sie müde davon. Man muss vorsichtig sein und kontrollieren, wie viele Modelle man verkauft."

Mit Kunst zum Kult

Umso größer der Aufwand, den viele Luxusmarken betreiben, um den Kult am Leben zu halten. Vor zehn Jahren begann man bereits bei Dior, Künstlerinnen und Künstler zu bitten, die "Lady Dior" nach ihren Vorstellungen zu interpretieren. Man nannte das Projekt "Lady Dior As Seen By" und gab Malenden, Bildhauenden und Fotografierenden eine Carte Blanche. Eine Idee, die Christian Dior sicher gut gefallen hätte. Denn bevor der Firmengründer mit seinem New Look die Nachkriegsmode prägte, besaß er eine Kunstgalerie in Paris und vertrat aufstrebende Maler wie Joan Miró, Pablo Picasso und als einer der ersten Salvador Dalí.

Prinzessin Diana trägt zwei Uhren

Mit der "Lady Dior As Seen By"-Serie knüpft das französische Modehaus an Diors Tradition an und unterstützt eine junge, aufstrebende Künstlerschaft. Seit 2011 sind viele Objekte zusammengekommen, etwa von David Lynch und Nan Goldin, ebenso von Fotografen wie Peter Lindbergh, Paolo Roversi oder Mikael Jansson. Ihre Interpretationen touren seitdem als Wanderausstellung um die Welt. In jeder Stadt werden Kreative gebeten, Neuinterpretationen zu entwerfen. Manche sind nah am Original, andere spielen mit Unkenntlichkeit. Das Modell der Deutschen Helen Feifel etwa sieht aus, als habe sie eine in Gold gehüllte Tasche zum Schmelzen gebracht; der Entwurf von Olympia Scarry aus London erinnert hingegen eher an einen Kunststoffblock, in dem große Löcher klaffen. Doch so ungewöhnlich die Kunstobjekte auch sind: Sie schaffen es, einer Tasche, die seit 25 Jahren nahezu unverändert aussieht, neue Impulse zu geben und sie im Gespräch zu halten.

Nächster Stopp: Berlin

So wie Mitte Juni, wenn die Ausstellung nach Stopps in Mailand, Düsseldorf, Sao Paolo, Hongkong und Shanghai erstmals auch in Berlin Halt macht. Zu den ausgewählten Kreativen der Stadt gehören die Fotografin Debora Mittelstaedt, ebenso die Künstler Tomislav Topic und Michael Sailstorfer. Ihre Entwürfe und circa 70 weitere Skulpturen und Fotografien werden dann in der renommierten Michael Fuchs Galerie ausgestellt sein. Als Pilgerstätte für eingefleischte Diana-Fans taugt die Ausstellung zwar nicht, aber dafür wird sie diejenigen anlocken, die sich für das Zusammenspiel aus Mode und Kunst interessieren. Ein Coup par excellence.

Die Ausstellung "Lady Dior As Seen By" läuft vom 12. bis 27. Juni 2021 in der Michael Fuchs Galerie in Berlin. Der Eintritt ist frei. 


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