HOME

Deutscher Film: "Bann von Cannes" ist überwunden

Eine Produktion muss bei den Filmfestspielen nicht unbedingt nominiert sein, um großes Interesse zu wecken. Das hat "Das Leben der Anderen" bewiesen. Nicht nur dieser deutsche Film stieß auf Lob und durchweg positive Reaktionen.

Die deutsche Kinobranche feierte sich selbst mit einer langen Partynacht unter den Palmen der prächtigen "Villa Babylone" in Cannes. In diesem "wunderbaren Ambiente", schwärmte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), zeige der deutsche Film, "dass er wieder auf Erfolgskurs ist".

Doch ausgerechnet eine Produktion, die gar nicht offiziell zum Festival geladen ist, erregt das größte Interesse in Cannes: "Das Leben der Anderen", mit sieben Lolas großer Gewinner bei den deutschen Filmpreisen, ist der deutsche Exportschlager auf dem parallel zum Festspielprogramm laufenden internationalen Filmmarkt. Nach "Lola rennt" und "Good Bye, Lenin!" werde der amerikanische Verleih Sony Classics nun auch das Stasi-Drama von Florian Henckel von Donnersmarck in den USA herausbringen, teilte der deutsche Weltvertrieb von "Das Leben der Anderen" in Cannes mit. Der Film sei auch in vielen anderen Ländern verkauft. Wegen der starken Nachfrage im Markt habe man sogar zusätzliche Vorstellungen für die Branchenkunden einplanen müssen.

Lob für deutsche Filme

Neben "Das Leben der Anderen" zog auch der Debütfilm "Pingpong" von Matthias Luthardts die Aufmerksamkeit auf sich. Die beiden deutschen Filme stießen in den Nebenreihen des Festivals auf durchweg positive Reaktionen. "Handwerklich gut gemacht in einem selbstsicheren, ruhigen Stil", lobte das Fachmagazin "Variety" Matthias Luthardts "Pingpong" in der "Semaine de la critique". "Ein französischer Film, aber auf Deutsch gedreht", schrieb der "Hollywood Reporter" - was vielleicht die Einladung für Luthardt nach Cannes erklärt.

Auch der von der amerikanischen und französischen Kritik hoch gelobte "Sommer '04 an der Schlei" von Stefan Krohmer erinnert im Stil an jene realistischen Dramen aus Frankreich, die oft in Cannes präsentiert werden. Die Schauspielerin Martina Gedeck erhielt als Star von "Sommer '04" Huldigungen von "Variety": Sie sei die "Trumpfkarte" des Films und "immer besser, je älter sie wird".

"Bann von Cannes" ist überwunden

Dass die Deutschen nicht mehr über den "Bann von Cannes" klagen, liegt auch an den internationalen Erfolgen der letzten Jahre, betonte der Filmfan und Minister Neumann: Oscars und Oscar-Nominierungen, Europäische Filmpreise und Auszeichnungen auf vielen anderen Festivals jenseits der französischen Grenzen haben die "Teutonen" wieder auf die cineastische Landkarte gebracht.

Und selbst am "Hitler Eck" in Cannes ist jede Nacht der Teufel los: So nämlich lautet der Spottname für eine kleine Eckbar namens "Petit Majestic". Der unscheinbare Ort fernab vom Meeresrauschen hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur zu einem Treffpunkt der deutschen Nachtschwärmer entwickelt, sondern zieht zwischen Mitternacht und Morgengrauen auch Festivaliers anderer Nationen an.

Karin Zintz/DPA / DPA