HOME

Dinner mit Roger Moore: Sein Mundwerk ist die schärfste Waffe

Er hatte mehr Sexappeal als die Polizei erlaubte - mit seinem spöttischem Unterton und dem koketten Understatement ist Roger Moore für viele Fans immer noch der beste Bond aller Zeiten. Jetzt hat er seine Biografie veröffentlicht. stern-Autorin Irmgard Hochreither war zum Dinner mit Moore und seiner Frau geladen.

Es liegt irgendwie auf der Hand, dass man einen Ritter des British Empire und ehemaligen Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät nicht mit Erbsensuppe und Würstchen abspeisen kann. Also wurde für Sir Roger Moore, seine Gattin Lady Kristina und 18 geladene Gäste in der Senatslounge im Hamburger Hotel Atlantik aufgetischt.

Für 007, auch wenn der Mann seine Walter PPK längst abgegeben hat, nur das Beste: Süßmais-Basilikum-Süppchen mit Ostseekrabben und Kaiserschoten, Stubenküken auf Sauerrahmrisotto und grünem Spargel und halbflüssiger Schokoladenkuchen mit Kirschgrütze und Vanilleeis. Nur Martinis gab's nicht. Weder geschüttelt, noch gerührt.

Als Gastgeber des Abends fungierte der Berliner IP-Verlag. Ein Zwerg auf dem Buchmarkt, der für dieses Dinner wahrscheinlich seinen gesamten Jahreswerbe-Etat auf den Kopf gehauen hat, um - Krisenzeiten hin oder her - die Autobiographie des Ehrengastes in ange-messenem Ambiente zu präsentieren.

Hat er Verfallsdatum überschritten?

Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke, als die Einladung kam: Leider ein paar Jahrzehnte zu spät! Ein 81-jähriger Ex-Agent mit Prostata-Krebs, Herzschrittmacher und Arthrose im Knie? Will ich wirklich miterleben, wie die Verkörperung des eleganten, leicht versnobten britischen Lebemanns das Verfallsdatum überschritten hat? Was wäre, wenn er nur noch die Lizenz zum Nervtöten hätte?

Zwar plaudert der 1927 geborene Londoner Polizistensohn in seinen gerade erschienenen Memoiren "Mein Name ist Bond... James Bond" durchaus amüsant und selbstironisch über seinen turbulenten Aufstieg zum Weltstar. Wir erfahren, dass Lana Turner ihn das Küssen lehrte, der Hintern von Hardy Krüger schöner war als seiner, dass ihm vor Schlangen und Spinnen graust, dass er unter Höhenangst leidet und dass er bei der Liebesszene mit Jane Seymore in "Leben und sterben lassen" unter der Bettdecke die Socken anbehielt. Aber reichen ein paar hübsche Anekdoten, um heute Abend den Praxistest zu bestehen?

Die Antwort erübrigt sich, als Sir Roger Moore mit Ehefrau Nummer vier am Arm, die Bühne betritt. Der Anzug, nachtblau, schmeichelt die paar Pfündchen zuviel locker weg, kein einziges graues Haar im etwas gelichteten Kopfschmuck, die linke Augenbraue hebt sich gut gelaunt über die Goldrandbrille, während er die Runde macht, um alle Anwesenden mit Handschlag zu begrüßen. Derweil lässt Lady Kristina ihren Gatten keine Sekunde aus den Augen. Als ehemalige Stewardess ist die Schwedin darauf trainiert, mögliche Turbulenzen frühzeitig zu erkennen und ihnen mit sanftem Lächeln und zarten Regieanweisungen zu begegnen.

Leise wispernd mahnt sie ihren Helden, nun endlich das Glas zu erheben, das Dinner zu eröffnen, die Gäste namentlich vorzustellen. Und nichts scheint ihm größere Lust zu bereiten, als unter ihrem Pantoffel zu stehen. "Sie ist meine große Liebe, meine Zwillingsseele", gesteht der Ex-Womanizer uns allen, "ohne Kristina mache ich keinen Schritt."

Mundwerk ist seine schärfste Geheimwaffe

Doch als mein Tischnachbar beweist der Ex-Agent zum Glück doch einen Hauch von Eigenständigkeit. Und: Dass sein Mundwerk als schärfste Geheimwaffe immer noch ganz gut funktioniert. "Sie müssen zugeben", murmelt er, "dass ich es als ehemaliges Model für Strickmoden ziemlich weit gebracht habe." Da ist er, dieser spöttische Unterton, das kokette Understatement. Dafür haben wir ihn in den 70ern vergöttert. Als James Bond spielte Mister Moore eigentlich immer die zweite Geige hinter dem talentierten Mister Connery, der mehr Sex-Appeal besaß, als die Polizei erlaubte. Aber als Detektiv Simon Templar und als millionenschwerer Hobby-Schnüffler Brett Sinclair gehörte er zu den elegantesten und charmantesten Serienhelden der Fernsehgeschichte.

"Mein größter Wunsch", sinniert der Brite mit Wohnsitz in Monaco, während er das Schokotörtchen genussvoll in sich hineinlöffelt, "mein größter Wunsch ist es, jeden Tag zwei Tafeln Schokolade zu essen, ohne zuzunehmen." Dann grinst der sympathische Zyniker, streicht sich über die Leibesmitte und kommt auf die Vorzüge seines Londoner Zahnarztes zu sprechen. Jetzt weiß ich alles über Sir Rogers Gebiss und die perfekt gebaute neue Brücke am rechten Oberkiefer. Mo(o)re geht nicht.

Themen in diesem Artikel