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Rezensionen: Welche Filme gehören ins DVD-Heimkino?

Carsten Scheibe hat sich wieder die Nächte um die Ohren geschlagen und eine Hand voll neuer Filme gesichtet. Vielleicht ist ja auch für Sie das Richtige dabei...

Welcome to the Jungle

Dwayne Johnson alias "The Rock" gehört zur neuen Generation der Actionfilm-Darsteller. In "Welcome to the Jungle" profiliert er sich endgültig als Nachfolger von Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Bruce Willis. Richtig gute Actiondarsteller sind äußerst rar gesät. Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Bruce Willis haben lange Jahre über das Actionkino dominiert. Michael Dudikoff und Steven Seagal gehörten zur zweiten Garde der Actionstars, allerdings in der gleichen Generation. Doch was kam nach den Rambos, John McLanes und Casey Rybacks? Nichts. Die Lücke, die von den großen Stars hinterlassen wurde, konnte lange Zeit nicht gefüllt werden.

Vin Diesel verdiente sich in "Pitch Black" und "XxX" zwar erste Lorbeeren, verweigerte sich dann aber zu sehr dem reinen, klassischen Actionkino. Ganz anders sieht der Fall bei Dwayne Johnson alias "The Rock" aus. Der ehemalige Wrestling-Star machte in "Die Mumie kehrt zurück" eine äußerst gute Figur und konnte auch im Spin-off "Der Skorpionkönig" sehr viel Lob und Kinokassenumsätze auf seinen durchtrainierten Luxuskörper vereinen.

Dwayne Johnson ist in der Tat eine Offenbarung auf der Kinoleinwand. Er hat den durchtrainierten Body wahrer Actiondarsteller, strahlt aber zugleich Charisma und einen eisenharten Willen aus. Dabei hat er eine zugleich weiche und humane Note, die ihm etwas Menschlichkeit verleiht - auch bei den härtesten Actionszenen.

In seinem neuesten Film "Welcome to the Jungle" spielt "The Rock" den Kopfgeldjäger Beck. Der hat genug davon, Leute zu finden und ihnen die Seele aus dem Leib zu prügeln, um säumige Schulden einzutreiben. Doch einen letzten Auftrag muss er noch annehmen, bevor er sich zur Ruhe setzen und ein Restaurant eröffnen darf. Er muss den Sohn seines Chefs finden. Der ist dummerweise im südamerikanischen Urwald verschollen - auf der irren Suche nach einem uralten Schatz. Beck nimmt die ungemütliche Reise auf sich und trifft ziemlich schnell auf den renitenten Travis (Seann William Scott aus "American Pie"). Der denkt gar nicht daran, zu Papi nach Hause zu fahren und zwingt Beck lieber dazu, mit ihm auf Schatzsuche zu gehen. Schon bald haben die beiden den fiesen Minenbesitzer Hatcher (Christopher Walken) gegen sich aufgebracht, der die Eingeborenen vor Ort in den Goldminen ausbeutet und mit seiner Privatarmee die Jagd auf Travis und Beck eröffnet.

"Welcome to the Jungle" ist ein klassischer Actionfilm mit einer lauen Geschichte und vielen lockeren Sprüchen. Aber - er ist richtig gut. Dwayne Johnson und Seann William Scott sind ein perfektes Buddy-Paar, das immer wieder für coole Sprüche und ein paar gelungene Scherze gut ist. Hinzu kommen zahllose Actionszenen, die so dermaßen gut choreographiert sind, dass sich auch die verwöhntesten Schwarzenegger-Fans elektrisiert auf der Couch aufrichten: Regisseur Peter Berg zeigt in der Tat, dass es wirklich noch möglich ist, in diesem Bereich neue Akzente zu setzen.

Da bekommt der Cameo-Auftritt von Arnold Schwarzenegger, der Kopfgeldjäger Beck in einer Szene "Viel Spaß" wünscht, etwas Symbolisches. "The Rock" als Schwarzeneggers offizieller Nachfolger? Wir würden es uns wünschen: Lange sind wir im klassischen Actionkino nicht mehr so gut unterhalten worden. Verleih: Columbia Tristar Home Entertainment
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,35
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 100 Minuten
Preis: ca 20 Euro Tipp: *****

Scary Movie 3

Manche Horrorfilme sind so gut, dass man sich einfach über sie lustig machen muss. Ganz in diesem Sinne entstand die Trilogie "Scary Movie", die nun mit Teil drei ihren Abschluss fand. Zum Finale durfte Kultregisseur David Zucker die Kamera übernehmen.

Die Wayans-Brüder sind echte Filmfreaks. Sie schauspielern, sie schreiben Drehbücher und sie führen selbst Regie. Hinzu kommt, dass sie sehr nahe am Zielpublikum dran sind, weil sie das gleiche Alter haben. Mit einer überaus gelungenen Mischung aus Witz, Respektlosigkeit und schrägen Einfällen haben sie es geschafft, "Scary Movie" in den Teilen 1 und 2 zu Kassenknüllern zu machen. Kein Wunder also, dass das Filmstudio nach einem dritten Teil lechzte. Der stammt nun allerdings nicht mehr von den Wayans-Brüdern, sondern wurde von David Zucker abgekurbelt. Klingelt es bei Ihnen? Richtig. Das ist dieser Verrückte, der bereits vor langen, langen Jahren so sinnentleerte Parodien wie "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" und "Die nackte Kanone" gedreht hat.

Der dritte Teil der Horror-Parodie nimmt sich aktuelle Filme wie "The Ring", "Signs" und "Matrix" vor, macht aber auch vor genrefremden Blockbustern wie "8 Miles" nicht Halt. Der Zuschauer bekommt mit der dumpfbackigen und sehr naiven Cindy (Anna Faris) immerhin ein Gesicht vorgesetzt, das er bereits aus den ersten beiden Folgen der Trilogie kennt. Cindy arbeitet inzwischen als Nachrichtensprecherin beim Fernsehen. Sie glaubt, dass ein geheimnisvolles und äußerst tödliches Videoband etwas mit den Aliens zu tun hat, die Kornkreise im Feld des lokalen Farmers (Charlee Sheen) hinterlassen. Der Bruder des Farmers versucht übrigens gerade, einen regionalen Rap-Wettbewerb zu gewinnen.

Fakt ist: Der dritte Teil von "Scary Movie" kann eigentlich aus dem Vollen schöpfen. Filme wie "The Ring" oder "Signs" bieten eine superbe Steilvorlage für eine gelungene Parodie an. "Scary Movie 3" begeht aber den Fehler und zitiert die spannenden Szenen nur, als sie geschickt zu persiflieren oder mit Pfiff und Witz weiterzuspinnen. Die Gags, die sich fast nahtlos aneinander reihen, sind jedenfalls ausgesprochen hohl und spielen nicht mit den zu persiflierenden Filmvorlagen, sondern mit just genau dem dumpfen Wortwitz, über den wir bereits so und nicht anders vor zwanzig Jahren bei David Zucker gelacht haben. Zucker ist anscheinend einfach in seiner Entwicklung stehen geblieben und im Gegensatz zu den Wayans-Brüdern nicht mehr besonders nah an der angepeilten Zielgruppe dran. Seine betulichen Witzchen zünden ganz in diesem Sinne nur sehr selten - zu selten jedenfalls in einem anderthalb Stunden langen Film, der eigentlich nur dafür da ist, das Publikum von einem Schenkelklopfer zum nächsten zu führen.

Da nützt es dann leider auch nichts mehr, dass mit Charlie Sheen ("Hot Shots") ein überzeugender Veteran aus dem Verarschungs-Business ausgegraben wird und sich auch noch viele Gaststars wie Pamela Anderson, Queen Latifah, Jenny McCarthy, Ja Rule und Leslie Nielsen die Klinke in die Hand geben. "Scary Movie 3" ist erstaunlich blutleer, unwitzig und eigentlich total überflüssig. Kurzum: Es reicht aus, sich den Film in der Videothek auszuborgen.

Gelungen ist immerhin das Bonusmaterial, das gleich mit zwei unernsten Making ofs, vielen Pannen vom Dreh, einem alternativen Ende und zahlreichen entfallenen Szenen aufwartet. Verleih: Buena Vista
Ton: DD 5.1
Bild: 1:1,85
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 81 Minuten
Preis: ca 20 Euro
Tipp: ***

Osbournes 2.5

Sie glauben, Probleme in der Familie zu haben? Dann kennen Sie die Osbournes noch nicht. Wenn die Familie des Hardrockers Ozzy Osbourne vor die Kamera tritt, dann bleibt kein Auge trocken. Die zweite Hälfte der zweiten Staffel liegt nun endlich auch auf DVD vor.

Da fehlt doch was! Als die zweite Staffel der MTV-Kultserie "Osbournes" auf DVD veröffentlicht wurde, da fiel den Fans auf, dass die Doppel-DVD-Packung nur die ersten zehn Folgen enthielt. Das war schlechtes Marketing oder mangelnde Kommunikation: Die fehlenden zehn Episoden wurden nun - ein halbes Jahr später - als "Osbournes 2.5" auf zwei neuen DVDs nachgereicht.

Das Reality-Format, das die Familie des Heavy-Metal-Rockers Ozzy Osbourne ("Paranoia") in ihrem mehr als obskuren Alltag filmt, gehört mit weitem Abstand zu den erfolgreichsten Fernsehsendungen, die jemals im amerikanischen Musikkanal MTV ausgestrahlt wurden. Inzwischen geht die Show bereits ins dritte Jahr. Und die alten Folgen werden in Endlosschleifen immer wieder neu gesendet.

Warum die "Osbournes" einfach kultig sind, zeigt sich auf der aktuellen DVD-Kollektion wieder einmal in aller Deutlichkeit. Ozzy Osbourne als "Fucking Prince of Darkness" erscheint als tatteriges Wrack auf dem Schirm, das den exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum der letzten Jahrzehnte scheinbar doch nicht ganz so gut weggesteckt hat. Doch es ist trotzdem sehr sympathisch, wie der manchmal etwas verwirrt erscheinende und körperlich eher gebrechliche Ozzy sein Leben meistert und noch Spaß an seinem Alltag findet. Etwa, wenn er seinen Zahnarzt besucht und dabei einen so starken "Schluck" aus der Lachgas-Flasche nimmt, dass er die nächsten Stunden völlig zugedröhnt ist. Oder wenn er einen persönlichen Trainer bucht, der ihn für einen 5-Meilen-Lauf fitmachen soll. Oder wenn er sich einen neuen BMW mit Sprachsteuerung zulegt - und das Sprachsystem einfach nicht dazu in der Lage ist, sein extremes Genuschel zu verstehen. Und wenn es nur ein "Fuck You" ist.

Ozzys Managerin und äußerst patente Ehefrau muss sich derweil mit ihrer schrägen Tochter Kelly herumschlagen, die eine verbale Fehde gegen die Sängerin Christina Aguilera anfängt und dann miterleben muss, dass ihr eigener Bruder Jack an der verhassten Konkurrentin herumbaggert. Nebenbei schleppen die nicht eben stubenreinen Hunde der Osbournes so viele Flöhe ins Haus, dass alle Sitzmöbel ausgetauscht werden müssen.

Staunend sieht der Zuschauer dabei zu, wie die Osbournes es immer wieder schaffen, im völligen Chaos unterzugehen. Das ist Unterhaltung auf höchstem Niveau. Zumal Buena Vista zum Glück darauf verzichtet hat, die einzelnen Episoden zu übersetzen. Ganz im Gegenteil: Die amerikanischen Zensur-Beeps bei jedem Schimpfwort fehlen auf der DVD. Für den deutschen Zuschauer gibt es dann entsprechende Untertitel, die genau erklären, was da gerade auf Englisch gesprochen wird.

Nach zehn Episoden am Stück braucht der schockierte Anwender auf jeden Fall selbst einen Zug aus der Lachgas-Pulle, um wieder klar im Kopf zu werden. Die DVDs selbst sorgen für ein angenehmes After-Show-Programm. Sie enthalten 38 Minuten mit unveröffentlichtem Material, den beliebten Ozzy-Übersetzer, einen Audio-Kommentar von Sharon und Jack Osbourne, ein interaktives Osbourne-Abenteuer und eine Fotogalerie. Keine Frage: Jetzt warten wir auf die dritte Staffel. Verleih: Buena Vista
Ton: DD 2.0
Bild: 4:3
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 210 Minuten
Preis: ca 25 Euro
Tipp: *****^

Die Rebellen vom Liang Shan Po - 2. Staffel

Über tausend Jahre ist es her, da herrschte in China ein grausames und tyrannisches Regime. Doch das Volk lässt sich nicht ewig knechten. Die Rebellen vom Liang Shan Po kämpfen erbittert für das Recht der einfachen Bauern.

"Es heißt in den Schriften der Weisen: Ihr sollt die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat. Niemand weiß, ob nicht einst aus ihr ein Drache wird, so wie auch aus einem Mann eine ganze Armee werden kann!"

Der Kaiser von China ist noch jung - und er vertraut den falschen Leuten. So etwa dem Anführer der Kaiserlichen Garden Ko Kiou, der in seiner Habgier nach Macht, Einfluss und Geld jeder Ehre abgeschworen hat und hart daran arbeitet, in der Hierarchie immer weiter nach oben zu kommen. Ganz egal, mit welchen Mitteln. Dabei unterlaufen Ko Kiou allerdings zwei Fehler. Der erste: Auf einem Beutezug stürmen seine Gardisten einen heiligen Tempel. Dabei setzen sie die Seelen von neun Dutzend Freiheitskämpfern frei. Ob sie wohl einer Legende folgend in die Körper zahlreicher Diebe und Ausgestoßener schlüpfen, um den Untergang der ungerecht Herrschenden einzuleiten?

Es hat den Anschein, denn Ko Kiou leitet mit seinem zweiten Fehler seinen eigenen Untergang ein. Er lockt den ehrbaren Offizier Lin Chung in eine Falle, um sich an dessen Frau heranmachen zu können. Lin Chung macht sich entehrt auf den Weg zu einem weit entfernten Straflager - und trifft unterwegs lauter wundersame Charaktere. Etwa den pfeilschnellen Tai Sung, die hübsche Kämpferin Hu San Yang oder den bärenstarken Lu Ta. Schon bald wehren sie sich gemeinsam gegen ihr Schicksal und stellen sich Ko Kiou entgegen. Vom sumpfigen Liang Shan Po aus kämpfen die frischgebackenen Rebellen gegen Korruption, Beamtenwillkür und die Unterdrückung der Bauern. Und die Bewegung der Rebellen wächst schnell.

Die 26-teilige Serie, die 1977 in Japan in zwei Staffeln gedreht wurde, erzählt ein Fernsehmärchen, wie es heute nicht mehr denkbar wäre. Denn um der Story folgen zu können, muss der Zuschauer mehrere Dutzend Charaktere kennen lernen, ihre Geschichte erfassen und die unsichtbaren Bande erkennen, die diese Figuren zueinander in Beziehung setzen. Hinzu kommen die zahlreichen Ränkepläne, die Ko Kiou über mehrere Folgen hinweg spannt. Wer sich trotzdem auf die Geschehnisse einlässt, wird aber reich belohnt werden.

"Die Rebellen vom Liang Shan Po" sind ein klassisches fernöstliches Märchen, das mit sehr starken Emotionen spielt und Loyalität, Liebe, Hass, Neid, Raffgier und Mut gleichermaßen in den Vordergrund stellt. Hinzu kommen wunderschöne, bunte Kostüme, perfekt choreographierte Kämpfe und starke Schauspieler, denen man jeden Satz für bahre Münze abnimmt. Wolfgang Spier als charismatischer Erzähler aus dem Off sorgt für noch mehr Stimmung.

Zahllose TV-Serien, die heutzutage auf DVD gebrannt werden, haben diese Ehre nicht ansatzweise verdient und wären besser in der Versenkung geblieben. Beim "Liang Shan Po" ist das etwas anderes. Da hat das kleine Label Epix Media aus Berlin einen Glückstreffer gelandet.

Wobei natürlich eins klar sein muss: Die Bildqualität der 26 Folgen ist grauselig und würde selbst auf einer alten VHS-Kassette noch Grund zur Beanstandung geben. Auch der Ton ist nicht mehr ganz frisch. Aber was soll man da noch tun? Die Serie neu verfilmen?

Epix Media sammelt immer zwei oder drei Folgen auf einer DVD und garniert die Scheiben noch mit einem Episoden-Guide, Porträts der Filmfiguren, einem Blick hinter die Kulissen, einer Holzschnitt-Galerie und diversen Biografien der Darsteller. 12 DVDs müssen eingekauft werden, um beide Staffeln vollständig zu besitzen.

Verleih: Epix Media
Ton: DD 1.0
Bild: 4:3
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Preis: jeweils 12 Euro
Tipp: ****

Carsten Scheibe