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Filmstart "Arschkalt": Wenn der Eismann zweimal klingelt...

...bleibt das Herz des Kinozuschauers kalt. Die deutsche Komödie "Arschkalt" ist ganz vergnüglich, aber unspektakulär. Da hilft auch Herbert Knaup als gelangweilter Eisverkäufer nicht weiter.

Kinotrailer: "Arschkalt"

Von wegen "der nette Eismann ist da": Der ehemalige Unternehmer Rainer Berg ist nicht nur ein emotionaler Eisklotz - er schikaniert seine Mitmenschen und will vor allem seine Ruhe haben. Regisseur André Erkau ("Selbstgespräche", 2007) hat sich für seine Komödie den Charakterschauspieler Herbert Knaup ("Das Leben der Anderen") als Fischverkäufer Berg geangelt. Dennoch berühren die Charaktere das Herz des Zuschauers kaum.

Berg jobbt als Fahrer bei einer Tiefkühlfirma, irgendwo in der norddeutschen Pampa. Lustlos liefert er den Kunden Pangasius-Filet, Krabben oder Fischstäbchen an die Tür. Das Leben hätte weiter so langweilig dahinplätschern können - wenn Berg nicht eines Tages einen Teamkollegen in sein Tiefkühlauto gesetzt bekommen hätte.

Ex-Friseur Moerer (Johannes Allmayer) sprüht vor Energie und Optimismus und stellt das Leben des Misanthropen auf den Kopf. Er will den frustrierten Miesepeter mit guter Laune zum Auftauen bringen und lässt nicht locker. "Die Welt ist so geilo! Alles ist möglich!" lautet sein Motto. Berg ist genervt von dem Hampelmann im Führerhäuschen, der ununterbrochen redet und Faxen macht. Den muss ich loswerden, denkt sich der eisige Berg und beschwert sich bei der neuen holländischen Chefin Lieke van der Stock (Elke Winkens).

Zuschauerinnen können es vielleicht nicht nachvollziehen, Männer wird es freuen: Mal läuft dem Griesgram die Nase, die er daraufhin geräuschvoll hochzieht, dann ist er unrasiert, pöbelt, stänkert und nichtsdestotrotz - die attraktive Chefin der Tiefkühlfirma verliebt sich in den uncharmanten und verbitterten Fischverkäufer mit der gescheiterten Existenz.

Bis Berg auftaut, vergeht noch eine Weile. Aber spätestens, als das aufblasbare Iglu brennt, ist es auch um ihn geschehen. Berg und Moerer werden dann schnell ein Team und die bald gefeuerte Chefin macht das Trio komplett. Der Regisseur will von gescheiterten Existenzen erzählen, die vor lauter Frust vergessen, nach vorne zu blicken. Er thematisiert das Dilemma der Mini- oder Aushilfsjobs und den immer stärker werdenden Druck im Berufsleben. Auch Berg hatte sein Familienunternehmen in die Pleite geführt. Daran hat er so sehr zu knabbern, dass er Frust-Blockade um sich herum aufgebaut hat. Zudem belügt er noch seinen pflegebedürftigen Vater - dieser glaubt, die Tiefkühlfirma laufe noch wie am Schnürchen.

Der Film hat einige schöne Momente. Sonst wirkt die Geschichte aber sehr inszeniert und platt. Ein Kalauer jagt den anderen ("In der Not frisst der Pfarrer Krabben oder wie die Engländer sagen: Yesterday I fucked my wife"). Unverständlich auch, dass der eigentlich liebenswerte Moerer einen völlig überdrehten Typen spielt, der auch kaum Verstand hat. Die paradoxen Charaktere berühren so wenig, dass die Komödie "Arschkalt" einfach kalt lässt.

Nadine Hummel, DPA / DPA
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