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Kinostart "Win Win": Wenn Anwälte mit dem Leben ringen

Wenn die Alltagssorgen drücken und das Geld knapp wird, werden selbst brave Familienväter mitunter kriminell. Um so einen Fall geht es auch im Film "Win Win" von Tom McCarthy - einer liebevoll inszenierten Geschichte über die Fallstricke und Absurditäten des Lebens.

Kinotrailer: "Win Win"

Was machen Männer, wenn sie von der großen Krise in der Mitte des Lebens erfasst werden? Die einen polieren ihr Ego mit schicken Autos und jungen Frauen auf, andere resignieren einfach und manche greifen zu illegalen Mitteln, um sich wieder stark zu fühlen. In Tom McCarthys neuem Film "Win Win" geht es um so ein Exemplar von Mann: Mike ist erfolgloser Anwalt und gaukelt seiner Frau vor, alles liefe bestens. Doch als das Geld immer knapper wird, spitzt sich die Lage zu. In seiner Verzweiflung nutzt er die Demenz eines Mandanten aus, um finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Zunächst läuft alles gut - bis der Enkel des Mannes auftaucht.

Paul Giamatti glänzt in der Rolle des erfolglosen Mike. Scheinbar ungerührt steckt er die Niederlagen seines Alltags ein. Beim Joggen wird er von anderen Läufern gnadenlos überholt. Die Mandanten in seiner Kanzlei werden immer weniger. Und sein Ringer-Team, das er trainiert, ist nur am Verlieren. Da kommt ihm der demente Leo Poplar (Burt Young) gerade recht. Er soll vom Gericht ins Altenheim abgeschoben werden. Für Leo eine Horrorvorstellung. In der Gerichtsverhandlung spielt Mike den Wohltäter und übernimmt Leos Betreuung in dessen Haus. Eine Entscheidung mit Hintergedanken, denn Mike will nicht den alten Mann versorgen. Er will nur das Geld, das der Staat für die Betreuung zahlt und ihn trotzdem ins Heim stecken.

Eines Tages steht Leos Enkel Kyle (Alex Shaffer) vor der Tür, ein verschlossener Jugendlicher, der schon Erfahrungen mit Gewalt und Drogen gesammelt hat und auf keinen Fall mehr zu seiner Mutter zurück will. Widerwillig nimmt Mike ihn mit zu sich nach Hause. Das Leben mit Kyle ist schwierig - bis Mike herausfindet, dass der Junge ein hervorragender Ringer ist. Genau das, was Mike in seiner Mannschaft fehlt. Doch dann taucht auch noch Kyles zwielichtige Mutter (Melanie Lynskey) auf - und Mikes Mauschelei droht aufzufliegen.

Die Geschichte hat McCarthy ("The Station Agent") mit seinem High-School-Freund Joe Tiboni entwickelt, der so wie die Filmfigur in New Providence eine Anwaltskanzlei hat. Beide waren auch in der Ringer-Mannschaft der dortigen High School. "Wir haben über diese Zeit gelacht, als wir diesen seltsamen Sport gemacht und ihn so ernst genommen haben", erinnerte sich McCarthy im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Der Film besticht vor allem durch Wortwitz und durch liebevoll erzählte Details, etwa wenn Mike in der verstopften Toilette rumstochert, um sich das Geld für den Klempner zu sparen. "Das ist Joes Leben", berichtete McCarthy von seinem Freund. Er habe ihn mal gefragt, was er im Büro mache, wenn er völlig gelangweilt sei. Die Antwort: "Ich säubere meine Tastatur."

Erst gegen Ende zeigt der Film einige Schwächen. Mike und seine Frau sind zu sehr Gutmenschen. Der Schluss ist wenig originell und wirkt lieblos im Vergleich zum sorgfältig ausgearbeiteten Rest des Films. Davon abgesehen ist "Win Win" auf jeden Fall eine Geschichte fürs Herz, bei der es viel zu lachen gibt.

Cordula Dieckmann, DPA / DPA
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