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Filmstart "The Sapphires": Wie eine Aborigine-Girlgroup in den Vietnamkrieg zog

Ein Feelgood-Film über den Vietnamkrieg? Kein Widerspruch für Regisseur Wayne Blair. Im Mittelpunkt von "The Sapphires" steht eine Aborigine-Girlgroup, die 1968 durch die Kriegsregion tourt.

Der irische Schauspieler Chris O'Dowd ist ein begnadeter Komiker. Fans lieben ihn ebenso als Computer-Nerd in der britischen Serie "The IT-Crowd" wie als Officer in der Slapstick-Romanze "Brautalarm". Jetzt kommt er wieder auf die große Leinwand: In dem mitreißenden 1960er-Jahre-Musikdrama "The Sapphires", das - wenn auch nach altbewährtem Rezept - ein großes Filmvergnügen in diesem Kinosommer bietet.

O'Dowd verkörpert darin den australischen Nichtsnutz Dave Lovelace, der sich mit Tagelöhnereien durchschlägt und in seinem Auto schläft. Ausgeprägt an ihm ist nur sein Musikgeschmack. Doch lediglich ein Genre hat für Dave wirklich Wert: 90 Prozent aller Musik ist Schrott, findet er, der Rest ist Soul.

Dann trifft er auf Gail, eine junge Aborigine-Frau. Sie und ihre Schwestern Cynthia und Julie präsentieren den besten Auftritt beim örtlichen Gesangswettbewerb. Auch wenn die rassistischen Dorfbewohner in der von Weißen dominierten Gesellschaft im Australien der 1960er Jahre das ganz anders sehen.

Musikfilm für Soulliebhaber...

Dave gesellt sich als selbsternannter Manager zu der Anfängerband. Er überzeugt die Mädchen, ihre melancholischen Countrysongs gegen den kämpferisch-hoffnungsfrohen Soul einzutauschen. Die ungewöhnliche Girlgroup bewirbt sich bei einem Casting des US-Militärs - und gewinnt! Fortan nennt sich die Gruppe The Sapphires. Ihr erstes Engagement führt sie 1968 ausgerechnet nach Vietnam. Zwar werden ihre Auftritte vor den amerikanischen Soldaten ein Erfolg. Doch um sie herum lauern die Gräuel des Krieges.

Das mitreißende Melodrama "The Sapphires" ist zuallererst ein Musikfilm. Ein Genuss für Kinogänger, die den Soul und die Hits dieser Epoche lieben. Der Soundtrack ist eine Zusammenstellung einiger der besten Klassiker dieser Zeit, darunter Titel wie "What a man" oder "I can't help myself (Sugar Pie Honey Bunch)". So hat dieses typische Feelgood-Movie, das auf einer wahren Begebenheit beruht, nur kleine Schwächen: Der Plot bleibt bei allem Charme recht vorhersehbar, den Ausgang des Melodramas kann man leicht erraten.

... mit versteckter Botschaft

Der politische Hintergrund des Dramas hingegen beleuchtet ein selten auf der Leinwand gezeigtes Thema. Bis in die späten 1960er Jahre wurde den Aborigines in Australien nicht die volle Bürgerschaft des Staates zugestanden. Erschütternd illustriert das Drama das Schicksal vieler Aborigine-Kinder in dieser Zeit: Die hellhäutigen unter ihnen - wie die Figur der Cousine Kay im Film - wurden von Weißen aus ihren Familien entführt, um sie in der eigenen, einzig als "zivilisiert" betrachteten Gesellschaft zu assimilieren.

Die musikalische Emanzipation der "Sapphires" steht somit gleichzeitig für den Kampf der Minderheiten um Bürgerrechte in dieser Ära. Dokumentarisches Material rückt den Film noch näher an die historische Realität heran. Vor allem aber sind die vielen Live-Auftritte der Band hervorragend und aufwendig produziert - "The Sapphires" macht deshalb einfach Spaß.

Franziska Bossy, DPA / DPA
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