Filmstart Dildos und Kalauer


Dem Filmstart von Bully Herbigs neuem Film "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" ging eine gewaltige PR-Kampagne voraus. Auch mit seinem zweiten Film wird der populäre Komiker die Zuschauer massenhaft in das Kino locken.

Mit "Der Schuh des Manitu" hat Michael "Bully" Herbig vor drei Jahren alle Erwartungen übertroffen. Leichtfertig wettete er, dass er das Rauchen aufgeben werde, wenn sich mehr als 1,3 Millionen Menschen seine Winnetou-Parodie anschauen: Am Ende waren es zwölf Millionen und die Western-Blödelei damit gemessen am Einspielergebnis der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten.

Seit diesem Erfolg rührt das Team von Herbigs Bully-Parade mit Hilfe der Marketing-Maschinerie von Pro Sieben fast ununterbrochen die Werbetrommel für das Nachfolgewerk "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1". Heute läuft der Film an. Die Premiere war bereits am Montagabend. Zuvor spielten Bullys Werbeleute Hollywood. Höhepunkt: Ein über hundert Meter langer, überdachter roter Teppich für die von Otto Waalkes und Ottfried Fischer angeführte heimische Prominenz.

Das Publikum wählte das Film-Thema

Wie die Zuschauer der Bully-Parade Anfang 2002 als Wunschfilm entschieden hatten, schickte Herbig diesmal seine tuntig-schwule Raumschiff-Truppe um Bully als "Mr.Spuck" und Ex-Ranger Christian Tramitz als "Käpt’n Kork" ins Abenteuer: Doch Herbig wollte auf Nummer Sicher gehen und machte aus "Traumschiff Surprise" nur eine Science-Fiction-Neuauflage und stellenweise Fortsetzung seines "Schuh des Manitu".

Der reichlich wirre Inhalt ist hemmungslos und nicht immer originell aus sämtlichen Science-Fiction-Klassikern zusammengeklaut, aber ohnehin Nebensache. Wie nicht anders zu erwarten, müssen Kork und Spuck die Welt vor dem Untergang retten: Sie müssen die Besiedelung des Mars’ im Jahr 2304 rückgängig machen, denn aus den Nachkommen der ersten Siedler wurde eine Armee aus "Krieg der Sterne"-Finsterlingen. Der Mars macht mobil und bereitet die Invasion der Erde vor, um die schöne, von einem Heer dämlicher Minister umgebene Königin Metapha (Anja Kling) zu stürzen.

Raumschiff in Form eines Riesendildos

Aus Luc Bessons "Das Fünfte Element" entlieh sich Herbig die Rolle für Til Schweiger als draufgängerischer Weltraum-Taxi-Fahrer Rock. Auf dessen Dienste müssen Spuck und Kork zurückgreifen, da ihr Raumschiff in Riesendildo-Form mit Marderschaden in den unendlichen Weiten des Alls unfähig zur "Mopsgeschwindigkeit" liegen bleibt. Rock, Metapha, Spuk und Kork machen sich mit einer unzuverlässigen Zeitmaschine in Form von Omas altem Sofa vom Jahr 2304 aus auf zum Sprung in die Vergangenheit. Verfolgt werden sie von Bully-"Dimitri" Rick Kavanian als herrlich fies sächselndem Bösewicht, der die Abenteurer daran hindern will, die Zeit zurück zu drehen.

Herbig - auch diesmal wieder als Autor, Darsteller, Regisseur und Produzent des Streifens aktiv - überlässt die Hauptrolle im Wesentlichen dem Profi Til Schweiger, der sich als Rock meist vergebens müht, die Zeitreisenden aus brenzligen Situationen zu retten. Um nicht zu viel Science-Fiction zu bieten, lässt Herbig die klapprige Zeitmaschine zunächst im Mittelalter landen, wo es ein erstes Wiedersehen mit Sky Dumont gibt, dem Bösewicht aus dem "Schuh". Bei dem Ritterspektakel bedient sich Herbig großzügig bei Monty Python’s und Loriot, aber dies sehr gelungen.

Sehr gelungene filmische Gags

Insgesamt setzt Herbig im Vergleich zum "Schuh des Manitu" etwas weniger auf Situationskomik und Wortwitz, bietet dafür jedoch sehr gelungene filmische Gags: Etwa in einer furios parodierten Raumschiff-Verfolgungsjagd, beim schlapp auf dem Pferd hängenden Rosa-Ritter oder dem Schweizer Laser-Taschenmesser. Dafür sind Dialoge mit Kultfaktor zum Nacherzählen unter Freunden diesmal Mangelware.

So übertrifft "(T)Raumschiff Surprise" sicher nicht die auf ein Wunder hoffenden Erwartungen, bietet aber nicht nur eingefleischten Fans allemal 90 unterhaltsame Minuten voll Kalauern und Klamauk.

Penetrante Schleichwerbung nervt

Unangenehm stößt jedoch die anders als beim "Schuh des Manitu" penetrante Schleichwerbung auf, bei der Herbig selbst im Vergleich zu Hollywood neue Maßstäbe in Mopsgeschwindigkeit setzt: Als Schlusspointe erzählt Bully alias Mr. Spuck, dass er das von den tuntigen Raumfahrern so geschätzte Käsesahne-Rezept an den (Film-Werbepartner) McDonald’s verkauft hat. Und Produzent Herbig den Künstler Bully ebenso.

Michael Pohl, AP AP DPA

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