HOME

Geschichte eines Concierge: Wie ein Hamburger ins "Grand Budapest Hotel" geriet

Gerad ist die Komödie "The Grand Budapest Hotel" in Deutschland angelaufen. Mit dabei: Dirk Bossmann, im wahren Leben Concierge des Hotel Atlantic. Den Auftritt verdankt er einer Zigarettenpause.

Sein Handy klingelt nahezu im Minutentakt. "George Clooney? Ne, der war beim Dreh nicht mit dabei!" Dirk Bossmann lächelt verlegen. Seit Hollywood-Regisseur Wes Anderson vor wenigen Tagen in einem Interview von seiner Begegnung mit dem Hamburger Concierge erzählt hatte, kann der sich vor Presseanfragen kaum noch retten.

Bossmann durfte erleben, wovon andere Menschen nicht einmal zu träumen wagen. Im Januar 2013 tauschte er für acht Drehtage seine Arbeitsplatz gegen eine Filmkulisse und stand mit Hollywoodstars wie Ralph Fiennes, Jeff Goldblum und Owen Wilson vor der Kamera.

Wie es dazu kam? "Eine ziemlich verrückte Geschichte!", sagt Bossmann. Vor zwei Jahren schaute sich Anderson auf der Suche nach Inspiration für seinen Film im Hotel Atlantic um. In einer Zigarettenpause kam Bossmann mit dem US-Regisseur ins Gespräch. "Wir haben uns über alles Mögliche unterhalten, ein bisschen rumgeblödelt." Erst später bemerkt der Concierge, dass ein Begleiter Andersons ihn dabei aus dem Hintergrund gefilmt hatte.

Nach der Begegnung kam eine Einladung der Filmstudios

Für den 50-jährigen Hamburger war es eine folgenreiche Begegnung. Regisseur Anderson war vom "charismatischen Gesicht" des Hotelangestellten so begeistert, dass er ihn unbedingt im Film haben wollte. Dass der berühmte Regisseur gerade ihn für die Rolle eines Rezeptionisten ausgewählt hat, hat Bossmann selbst erstaunt. "Ich finde mich selbst überhaupt nicht fotogen", sagt er - "weder auf Bildern noch auf Filmaufnahmen."

Anderson sah das offensichtlich anders. Knapp ein halbes Jahr nach ihrer Begegnung folgt die offizielle Einladung der Filmstudios Babelsberg. Für Bossmann als "echten Filmnarr" ging damit ein Traum in Erfüllung. "Die Dreharbeiten waren streng genommen die beste Zeit meines Lebens", sagt er.

Bei dem 50-Jährigen hat diese Erfahrung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Branchenwechsel? "Nicht auszuschließen!", witzelt er vor seinen Kollegen. Doch die Chancen für eine Rückkehr auf die Leinwand schätzt Bossmann gering ein. "Das war wirklich ein unvergleichliches Erlebnis. Aber man muss realistisch bleiben: Ich sehe zwar aus wie Hollywood-Legende Peter Lorre - aber mir fehlt das Talent".

Fabian Wegener, DPA / DPA