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Warum der Film "Heil" es schwer hat: "Deutschland soll sich totlachen"

Lachen über Nazis war in diesem Land schon immer ein Problem. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ein Gespräch über die tiefschwarze deutsche Komödie "Heil".

Von Sophie Albers Ben Chamo

Dietrich Brüggemann, dessen Schwester Anna und der Schauspieler Benno Fürmann bei der Premiere von "Heil"

Regisseur Dietrich Brüggemann (li), dessen Schwester Anna und der Schauspieler Benno Fürmann

Herr Brüggemann, "Heil" hat weder eine große Diskussion losgetreten, noch sind die Kinos voll. Sind die Deutschen vielleicht grundsätzlich das falsche Publikum für eine Komödie über Nazis?

Diskussionen gab es schon so einige, aber zum Glück blieb das bei einer gewissen Größe. Wenn man sich mal anschaut, was im Kino so läuft, dann stellt man fest, dass die Deutschen leider grundsätzlich das falsche Publikum für sehr viele Filme sind. Arthouse-Filme, die in Frankreich die Massen in die Kinos ziehen, laufen hier vor leeren Sälen. Unser Publikum ist die Schnittmenge aus denen, die sich halt für so einen Film begeistern können, und denjenigen, die im Hochsommer, wenn es mal zwei Wochen ausnahmsweise heiß ist, ins Kino gehen, sowie denjenigen, die überhaupt mitgekriegt haben, dass der Film läuft.

Trotz des Labels Komödie finde ich, "Heil" ist ein sehr hoffnungsloser Film.
Es gibt in diesem Film keine Hoffnung, aber es gibt Hoffnung, dass im realen Leben nicht alles ist wie in diesem Film. Was man aus so einem Film mitnimmt, ist doch die Frage: Ist es wirklich so? Bin ich wirklich so? Sind die anderen wirklich so? Muss es so sein? Kann es auch anders sein? Kann ich vielleicht in heiterer Gelassenheit meinem Mitmenschen freundlich gegenübertreten und hoffen, dass er kein Nazi ist?

Kinotrailer: "Heil"


Aber hier sind alle irre: Nazis, Antifa, Presse, Politiker, Gerichte, Schwarze, Weiße, Verfassungsschutz, Polizei, Wissenschaftler, Deutsche, Ausländer, Reiche, Arme, Alte, Junge, Hundefreunde... Was kommt nach der Feststellung, dass alle kaputt sind?
Es gibt hier kein Fazit, das man beruhigt mit nach Hause nehmen kann. Aber das ist doch auch ein Merkmal einer guten Komödie: Am Ende sitzt der Typ in Frauenkleidern in einem Boot, neben ihm ein Millionär, der sagt "Ich will dich heiraten" und er antwortet "Ich bin aber ein Mann". Darauf: "Nobody is perfect." Die Konflikte bleiben ungelöst.

"Unterhalten, egal wie schwer das Thema ist", hat Andreas Dresen mal gesagt (der im Film einen Cameo-Auftritt hat). Wie kamen Sie überhaupt auf "Heil"?
Im Frühjahr 2012 war das nur die banale Idee, eine Komödie mit Neonazis zu machen. Ich war schon immer ein Fan des respektlosen Anarchohumors. Da ist Monty Python ganz wichtig. Oder auch Pumuckl. (lacht) Das fand ich schon immer toll. Schon 2010, anlässlich dieser komischen Sarrazin-Integrationsdebatte, dachte ich mir, was ist denn da los, wie gehen die denn alle miteinander um. Ich hab dann sehr spontan mit Freunden einen Kurzfilm gedreht, der hatte denen schönen Titel "One Shot". Vom Tonfall her war es der gleich Rundumschlag. Dann kam der NSU-Skandal. Wenn die Realität einem so eine Groteske liefert, dann muss man die auch als Groteske erzählen. Aber Leute einfach nur groteske Sachen machen zu lassen, finde ich nicht so spannend. Ich finde es spannend, wenn man die Leute bei ihren tatsächlich vorhandenen Impulsen packt, wenn man ihre Intentionen ins Groteske übersteigert, Sachen , die tatsächlich vorhanden sind. Da wird Komödie auch politisch wirksam.


Gab es Reaktionen von Rechten?
Ist mir völlig egal. Das sind nicht meine Adressaten.
Wer sind die Adressaten?
Jeder, der so ist wie Sie und ich. Ganz Deutschland ist mein Adressat. Von der Mitte der Gesellschaft bis zu den Rentnern. Alle sollen sich totlachen, und dann wird von Deutschland nie wieder eine Gefahr ausgehen.