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Interview mit Gwyneth Paltrow: "Der Dalai Lama ist ein Held"

Gwyneth Paltrow kehrt mit "Iron Man", ihrem ersten Actionfilm, spektakulär aus der Babypause zurück. Im stern.de-Interview spricht der Hollywood-Star über die Schattenseiten des Ruhms, ihre Unterstützung für Barack Obama und ihre ganz persönlichen Helden.

Gwyneth Paltrow hat nicht nur vor zehn Jahren den Oscar verheult, sie gehört auch zu den wandlungsfähigsten Schauspielerinnen Hollywoods. Kein Genre scheint ihr Grenzen zu setzen. Ob Thriller wie "Sieben", Dramen wie "Große Erwartungen", historische Liebesfilme wie "Shakespeare in Love" oder der schräge Kultfilm "Die Royal Tenenbaums": Paltrow hat jedes Mal überzeugt. Nun versucht sich das Patenkind von Steven Spielberg erstmals in der Sparte Action. In der Realverfilmung des Comics "Iron Man" steht die 35-Jährige dem Helden als Assistentin und Frau zur Seite. Robert Downey Jr. spielt den Waffenindustriellen Tony Stark, der metallverstärkt zum Friedenskämpfer mutiert.

Fühlt man sich als einzige Frau in einem Superhelden-Actionfilm nicht ein bisschen verloren?

Nein, überhaupt nicht! Meine Szenen sind ja alle realistisch mit echten Menschen. Mit Spezialeffekten hatte ich gar nicht viel zu tun. Für mich war das eine Erfahrung wie bei jedem normalen Film mit sehr guten Schauspiel-Kollegen.

Haben Sie sich nie die Rolle einer "Iron Women" gewünscht?

Keineswegs. Ich war schon ziemlich zufrieden mit dem normalen Schauspielen. Aber ich mag die Figur der Pepper Potts, und ich liebe ihr Verhältnis zum Helden. Für mich ist Pepper das Gewissen und die moralische Instanz. Ich würde mich nicht besonders wohl fühlen, wenn ich in einem übergroßen Kostüm stecke und durch die Gegend fliege. Ganz abgesehen davon, wäre ich für eine weibliche Superheldin ohnehin wohl schon ein wenig zu alt.

Was gefällt Ihnen an dieser Beziehung zwischen Pepper und Tony?

Ich mag die vielen verschiedenen Ebenen. Tony ist zum einen der Chef von Pepper. Gleichzeitig ist sie diejenige, die ihn vor Schaden bewahrt, ihn behütet wie eine Mutter. Und schließlich gibt es da noch diese erotische Komponente zwischen den beiden. Mit dieser Bandbreite lässt es sich sehr schön spielen.

Was war Ihre erste Reaktion auf das Rollenangebot?

Ausschlaggebend war für mich, dass Jon Favreau Regie führen würde. Ich habe mit ihm schon vor vielen Jahren einen Film gemacht, damals war ich erst 20. Jon erläuterte mir am Telefon das Projekt und sagte irgendwann: "Das wird ein großer Actionfilm, aber ich verspreche dir, dass er gut wird und du beim Drehen deinen Spaß haben wirst" - Wer kann da noch ablehnen?

Vor Ihrer Babypause haben Sie einen Film nach dem nächsten gedreht. Vermissen Sie die Arbeit nicht?

Während der Pause war ich sehr glücklich zu Hause und habe die Arbeit absolut nicht vermisst. Als mein Sohn ein halbes Jahr war, hat der Job mir ein bisschen gefehlt. Aber ich wollte ihm, wie zuvor schon meiner Tochter, ein ganzes Jahr vollständig widmen. "Iron Man" kam dann gerade zur richtigen Zeit für mich. Meine Familie hat allerdings nach wie vor oberste Priorität. Ich möchte miterleben, wie meine Kinder aufwachsen.

Was fehlte Ihnen am meisten?

Ich bin Künstlerin, diese Arbeit ist ein großer Teil von mir. Am meisten habe ich vermisst, mich ausdrücken zu können. Jeder Künstler trägt dieses Feuer in sich - und das beginnt gerade wieder zu brennen.

Wie bekommen Sie die Doppelrolle von Mutter und Star unter einen Hut?

Das ist ein Balanceakt, aber ich glaube Karriere und Mutter kann man vereinbaren. Ich möchte interessante Rollen spielen, aber ich werde nicht mehr wie früher einen Film nach dem anderen drehen. Diese Zeiten sind auf alle Fälle vorbei. Meine ideale Vorstellung wäre, alle neun Monate einen Film zu machen, dabei aber nur zwei, drei Tage in der Woche arbeiten zu müssen.

Verstehen Ihre Kinder schon den Beruf ihrer Mutter?

Sie sind noch zu jung, um wirklich zu verstehen, was ich da tue. Vorige Woche hat mich mein Sohn gefragt, was denn Paparazzi seien - das fand ich dann schon etwas beunruhigend aus dem Mund eines Zweijährigen.

Wie haben Sie es Ihrem Sohn erklärt?

Ich habe gesagt, dass die Arbeit von Mami viele Leute interessiert, was sehr schön ist. Aber zugleich gebe es einige unfreundliche Leute, die nicht vorher fragen, ob sie ein Foto machen dürfen. Und dass so etwas schlecht sei.

Sind Sie eine strenge Mutter?

Ja, ich glaube, Kinder benötigen Grenzen, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Aber zugleich verwöhne ich die beiden natürlich auch.

Haben es Kinder von berühmten Eltern nicht schwieriger als ihre normalen Altersgenossen?

Natürlich ist es problematisch und ärgerlich, wenn wildfremde Menschen Fotos von meinen Kindern ins Internet stellen. Aber andere Familien haben ja auch ihre Probleme. Es gibt diese negative Seite des Ruhms, gleichzeitig erlaubt mir das aber auch, dass ich meinen Kindern eine sehr gute Ausbildung ermöglichen kann.

Wer sind die Helden der Gwyneth Paltrow. Oder denken Sie nicht in solchen Kategorien?

Doch, natürlich habe ich meine Helden. Für mich sind das Leute, die ihr Leben anderen widmen und eine bessere Welt anstreben. Das können Vordenker sein wie Jeffrey Sachs, es sind geistige Führer wie der Dalai Lama, oder es können auch Maler sein.

Welcher Präsidentschaftskandidat wäre Ihr Held?

Ich unterstütze Barack Obama. Er ist sehr inspirierend, ihm fehlt diese Glätte eines Politikers, und er möchte die Welt verbessern. Nichts gegen Hillary Clinton, sie ist eine großartige Frau. Aber inzwischen ist das schon eine Art von Monarchie: Bush, Clinton, Bush, Clinton. Die Welt braucht das Signal, dass Amerika die Welt versteht und Teil der globalen Gesellschaft sein möchte. Barack Hussein Obama - allein dieser Name klingt doch schon wie eine großartige Botschaft.

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang "Iron Man"?

"Iron Man" ist definitiv kritisch gegenüber dem Krieg. Der Held unternimmt eine Wandlung und will am Ende Gutes tun - das ist eine sehr wichtige Aussage!

Interview: Dieter Oßwald