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Jean-Luc Godard: Kompromisslos, intellektuell und provokativ

Der französische Filmemacher Jean-Luc Godard gehörte einst zu den Mitbegründern der "Nouvelle Vague". An seinem 75. Geburtstag erstaunt der Autorenfilmer durch die Souveränität, mit der er sich langsam aus dem Kino zurückzieht.

Jean-Luc Godard dreht inzwischen nur noch sporadisch Filme, und nur dann, wenn ihm danach zu Mute ist. Der bedeutende Autorenfilmer hat noch nie zu den Regisseuren gehört, die irgendwelchen Konventionen oder Trends gefolgt sind. Seine besten Filme wie "Außer Atem" (1960) entstanden in einer Zeit, in der das Kino noch eine radikalere Kunst war, wie er in seinem 2003 veröffentlichten Buch "Das Gesagte kommt vom Gesehenen" erklärte. Eine Kunst, die das filmische Experiment einforderte und die ständige Neudefinition von Filmstruktur und Filmstil. So drehte der in Paris geborene Sohn einer großbürgerlichen französisch- schweizerischen Familie in 40 Jahren über 60 Filme, die oft collagenhafte Abbilder der Wirklichkeit sind. Nach einem schweren Autounfall zog sich Godard, der an der Pariser Sorbonne Ethnologie studierte, in den 70er Jahren in die Schweiz zurück.

Konsequenter Intellektualismus

Typisch für Godards Filme ist das Durchbrechen der Filmrealität durch dokumentarische Aspekte und plötzliche Musik- und Schrifteinlagen. Mit seinem konsequenten Intellektualismus und seiner Kompromisslosigkeit stellt er das Publikum manchmal auf eine harte Probe. In "Elf Uhr nachts" unterbricht er die filmische Erzählung durch unvermittelte Musikeinlagen und in "Die Kinder von Marx und Coca Cola" überrascht er mit abrupten, nicht weiter erklärten Schießereien.

Bereits in seinem ersten und berühmtesten Spielfilm "Außer Atem" mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg erstaunt der Regisseur mit einem ungewöhnlich schnellen Erzählrhythmus. Auch heute noch wirkt die Mischung aus Liebesgeschichte und Thriller nach einem Drehbuch von François Truffaut vergleichsweise frisch und modern.

Provokationen gegen die Kirche

Mit "Der kleine Soldat" erregte Godard nicht nur künstlerisches, sondern auch politisches Aufsehen. Der Film handelt von dem Schrecken des Algerienkriegs, den die französische Armee gegen die Unabhängigkeitsbewegung in Algerien führte, und wurde in Frankreich zunächst verboten. In "Maria und Joseph" von 1983 provozierte er die katholische Kirche. Der Film, der auf ungewöhnliche Weise die Geschichte von der unbefleckten Empfängnis erzählt, wurde vom Vatikan als blasphemisch kritisiert und kam in einigen Ländern auf den Index.

Auch die Wiedervereinigung Deutschlands machte er 1991 in seinem Film "Deutschland neu(n) null" zum Thema. Der sehenswerte Streifen ist nach Meinung einiger Kritiker der schönste und tiefste Filmbeitrag zur deutschen Wiedervereinigung.

Für 2006 ist der Episodenfilm "Paris je t'aime" angekündigt mit Beiträgen von Woody Allen, Tom Tykwer, Sally Potter und Godard selbst. Seine jüngsten Filme "For ever Mozart" (1996) und "Eloge de l'amour" (Hymne auf die Liebe) von 2001 waren keine Kassenerfolge - wie so manch anderes Werk in seiner Karriere. Doch das kommerzielle Kino hat Godard noch nie interessiert. Für ihn sind Filme wie "Star Wars" oder "Matrix" einfach "zu dumm und zu hässlich".

Sabine Glaubitz/DPA

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