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"Jurassic World"-Star Chris Pratt Der mit dem T-Rex tanzt

Chris Pratt als harter, aber schlauer Ex-Soldat in "Jurassic World"
Chris Pratt als harter Kerl in "Jurassic World"
© Universal Pictures
Chris Pratt ist seit einem Jahr Hollywood-A-Liga und darf gerade Dinosaurier zähmen. Doch der Comedian mit dem Holzfällercharme bleibt trotzdem auf dem Boden. Er hat uns verraten wie.

2014 war Chris Pratt in Hollywoods erfolgreichsten Filmen des Jahres vertreten: "The Lego Movie" und "Guardians of the Galaxy". Im ersten konnte man sein Holzfällerlachen bewundern, im zweiten seinen Holzfäller-Körper und sein verdammt gutes Action-Comedy-Timing. Nun macht Pratt sogar den vierten Aufguss von "Jurassic Park" zu einem Gute-Laune-Film. Der Händedruck ist fest, das Lachen legt auch privat Bäume um. Er scheint sich sicher zu fühlen. Angriff.

Mister Pratt, warum will ein Waffen-, Bier- und Natur-verliebter Kerl aus Minnesota Schauspieler werden? Ist das nicht wie Balletttanzen?
Oh ha. Ein bisschen schon. Ich weiß, was Sie meinen. Ich verdanke das alles meinem Bruder. Ich wollte sein wie mein Bruder. Alles, was er gemacht hat, wollte ich auch tun. Er war Ringer? Ich wurde Ringer. Er wusste, was cool ist, ich nicht. Er wusste, wie man Klamotten kombiniert, ich nicht. Ich habe ehrlich gesagt seine Klamotten getragen - einen Tag nachdem er sie anhatte.

Und wie fand er das?
In Ordnung. Bis ich auf die gleiche Schule kam wie er. Ich bin drei Jahre jünger, und er meinte "Du musst damit jetzt aufhören, sonst lachen sie dich aus." Er war immer so unendlich unterstützend. Ich durfte mit ihm und seinen Freunden rumhängen und sie zum Lachen bringen. Das habe ich geliebt. Und ihn habe ich schauspielern sehen, als er in der zweiten Klasse war. Er hatte ein Solo in einem Musical, und meine Mutter saß im Publikum und hat geweint. Und ich dachte, das ist das Coolste, was man machen kann: auf einer Bühne stehen und spielen.

Sie wollten also Ihre Mutter zum Weinen bringen?
Genau! Gute Tränen. (lacht) Von da an, wann immer ein Theaterstück anstand, habe ich mich gemeldet. Ich will, ich will, ich will. Dieses Ballettgefühl gab es nicht. Obwohl ich aus dieser Stadt voller Jäger, Holzfäller, Waffenliebhaber und Ringer komme. Ich wusste, wenn jemand denkt, es wäre falsch, Schauspieler werden zu wollen, dann läge er falsch.

Chris Pratt

Vor "Guardians of the Galaxy" war der 35-Jährige den Fans der TV-Serie "Parks and Recreation" bekannt, in der er den etwas stoffeligen Andy Dwyer gab. Davor hatte er Anhänger unter den Zuschauern der Serie "Everwood", und davor wiederum fand er Bewunderer unter den Besuchern kleiner Stand-Up-Comedy-Shows auf Hawaii. Seit 2009 ist Pratt mit der US-Schauspielerin Anna Faris verheiratet, die beiden haben einen Sohn.

Sie wollten wirklich nie Holzfäller oder Jäger werden?
Nein. Ich wollte mal zur Armee, weil mein Bruder es gemacht hat. Aber als er wiederkam, hat er zu mir gesagt, dass das nichts für mich wäre. "Dafür bist du nicht gemacht. Ich weiß, du meinst, das zu wollen. Das ist aber nicht so", sagte er. Wissen Sie, wir hatten nie viel Geld, die Uni war keine Option. Aber in unserer Schule gab es einen Rekrutierer, der einen angesprochen hat: Du willst zur Uni? Du magst campen, Motorräder und Waffen? Komm in die Armee!

Und jetzt sind Sie Raptoren-Flüsterer und gelten als neuer Harrison Ford, wie wollen Sie das toppen?
Ich habe keine Ahnung, ob ich das kann (lacht)

Wie bleiben Sie bei all der Aufregung eigentlich auf dem Boden?
Oh, tue ich nicht. Just kidding. Ich habe ein Kind und eine Frau und alle meine Freunde von früher, als ich noch ein kleines Kind war. Sollte ich jemals übertreiben, werden die mir alle zeigen, wo es langgeht. Ich glaube aber auch, der erste wichtige Schritt ist, dass es dir selbst wichtg ist, dein Ego im Zaum zu halten.

Sie haben 15 Jahre Arbeit hinter sich und waren mehrfach kurz davor, es zu schaffen. Doch dann wurden Sie sowohl als Captain Kirk ("Star Trek") als auch als Jake Sully ("Avatar") abgelehnt. Wie bleibt man da eigentlich motiviert?

Keine Frage, Schauspielerei (oder jede Kunst, bei der man sich selbst entblößt) ist ein harter Job, und du erfährst eine Menge Ablehnung. Aber so ist das halt. Ich erinnere mich die Vorsprechen für diese Filme und an viele andere, die ich nicht bekommen habe. Aber die Enttäuschung hat nie besonders lange gedauert. Ich bin einfach zu ehrgeizig. Ich habe immer an mich selbst geglaubt.

Das Glas ist immer halb voll?
Absolut, ich bin immer optimistisch. Ich wusste – apropos Ego im Zaum halten (lacht) –, dass sie falsch lagen. Und ich wusste, dass ich in diesen Momenten nicht alles gegeben habe, was ich kann. Ich dachte nie, dass etwas mit mir nicht stimmt, sondern dass ich es besser machen kann.

Wo kommt dieses starke Selbstbewusstsein her?
Wahrscheinlich von meiner Mutter, die ihre Kinder unendlich geliebt hat, egal, was wir gemacht haben. Sie war immer stolz auf all ihre Kinder, egal was wie groß oder klein unser Erfolg war.

Sie sind der Jüngste?
Ja, der Kleine. Und mein Vater war ziemlich streng. Ein harter Kerl der alten Schule. Daher habe ich die dicke Haut. Und das ist eine sehr gute Kombination für jemanden, der Schauspieler sein will.

Was ist das nächste Ziel? Ein tieftrauriges Drama?
(lacht laut) Keine Ahnung, ob ich das kann! Damit würde ich mir und dem Publikum aber etwas nehmen, was ich beherrsche... Ich habe in letzter Zeit viel geschrieben, ich würde gern mal Regie führen.

Oder Indiana Jones sein?
Das wäre ziemlich cool.

Haben Sie Vorbilder?
Jim Carrey, Chris Farley, Saturday Night Live, Wayne Brothers, Mike Myers, Chris Rock, Louis CK, Seinfeld...

Sie haben viel Jim Carrey imitiert.
Jahrelang imitiert. Nebenbei habe ich immer meinen eigenen Stil entwickelt. Auch meinen Verteidigungs-Mechanismus, Leute denken zu lassen, dass ich total dumm bin. Als Schauspieler habe ich diese Fähigkeit, jemandem in die Augen zu sehen und so zu tun, als würde ich nicht verstehen, wovon er redet.

Warum wollten Sie, dass Leute Sie für dumm halten?
Weil es von Vorteil ist, unterschätzt zu werden. Wenn du die Latte niedriger hängst, kommst du auf jeden Fall drüber! (lacht)

Sie haben mal gesagt, dass Sie in Ihrer Karriere die Dinge immer auf sich zukommen lassen haben.
Bis die Tür offen war, und dann habe ich das Scheißteil eingetreten.

Glauben Sie an Schicksal, sind Sie religiös?
Beides. Ich glaube an göttliche Intervention. Ich glaube, ich bin dazu bestimmt, in Hollywood zu sein. Es gibt kein anderes Leben als das hier, aber wenn es anderes Leben gäbe, wäre ich trotzdem in Hollywood gelandet. Über Youtube oder andere Online-Videos hätte ich meinen Weg gefunden. Ich bin einfach zu ehrgeizig, zu sehr dafür bestimmt. Es musste passieren.

Was macht Sie richtig sauer?
Wenn Leute Freundlichkeit für Schwäche halten. Wenn Menschen ihr Wort nicht halten. Wenn Menschen nicht tun, was sie versprechen. Das bringt mein Blut zum kochen.


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