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Kino-Kurzkritik "Der Junge mit dem Fahrrad": Sozialdrama mit Märchencharakter

Seit Vittorio de Sicas brillantem Werk "Fahrraddiebe" besetzt das zweirädrige Gefährt einen festen Platz in der Symbolik des Kinofilms. Darauf wollten auch die Dardenne-Brüder nicht verzichten. Mit Erfolg: "Der Junge mit dem Fahrrad" ist ein rührendes Meisterwerk geworden

Kinotrailer: "Der Junge mit dem Fahrrad"

Die Sozialdramen der Brüder Dardenne sind immer wieder harter Tobak, doch "Der Junge mit dem Fahrrad" entwickelt eine sehr eigene, am Ende sogar positive Energie, die auch im Mainstreamkino einen Platz verdient. Erzählt wird die Geschichte des elfjährigen Cyril (unglaublich intensiv: Thomas Doret), der von Mutter und Vater im Stich gelassen und in ein Heim abgeschoben wird. Das bis ins Mark vom Leben enttäuschte Kind kämpft verbissen wie vergeblich um Liebe und Anerkennung seines Vaters, seinem letzten Anknüpfungspunkt an ein heiles Leben. Dass der ihn nicht haben will, kann das Kind genauso wenig begreifen wie die Friseurin Samantha (Cécile de France, braungebrannt und ein Herz so groß wie Paris), bei der Cyril Zuflucht, Vertrauen und Wärme findet. Wie eine gute Fee gibt sie dem wilden Jungen immer neue Chancen, und so wird das Sozialdrama auch zu einem Märchen. Einem Märchen, das der Realität erstaunlich viel Platz lässt.

sal
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