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Neu im Kino: Kritikerliebling "Der Albaner"

Regisseur Johannes Naber hat mit seinem ersten Spielfilm den Nerv der Kritiker getroffen. Schon vor einem halben Jahr erhielt "Der Albaner" den prestigeträchtigen Max Ophüls Preis. Jetzt kommt das Sozialdrama endlich in die Kinos.

Die Geschichte ist nicht sonderlich originell. Ihr Kern lässt sich in drei Worte fassen: Albanien, illegal, Berlin. Drei kleine Wörter, die die Befürchtung wecken, es möglicherweise mit einem hochkarätigen Sozialdrama zu tun zu haben, das einem die Verantwortung für das Elend in der Welt nur so um die Ohren haut. Nichts von dem ist, Gott sei Dank, in dem Film "Der Albaner" zu finden. Weiterhin nicht zu finden sind Klischees, moralische Schwarzweißmalerei und Migrationskitsch. Regisseur Johannes Naber kommt vom Dokumentarfilm, und das macht sich positiv bemerkbar. Außer auf den großen Handlungsbogen konzentriert er sich auf die genaue Beobachtung der Lebensumstände, die Menschen zur Arbeit ins Ausland zwingen, wo niemand auf sie gewartet hat.

Arben geht nach Deutschland des Geldes wegen. Er landet zunächst als obdachlose Reinigungskraft in den Straßenschluchten von Berlin, bevor ihm die Freundschaft zu dem ebenso illegalen Slatko die Tür zu einem neuen Erwerbszweig öffnet: Menschenhandel. Was tun? Für drei Euro Klos putzen oder für ein paar tausend Euro Leute über die Grenze schleusen? Hat der Mensch die Wahl? Getrieben von dem unbedingten Willen, schnellstmöglich Geld für die Hochzeit aufzutreiben, bevor seine schwangere Freundin das Kind ehrlos auf die Welt bringt, gerät der eigentlich dem Ehrenkodex seiner Heimat verpflichtete Arben bedenkenlos auf die schiefe Bahn.

Für seine beeindruckende Darstellung des Arben wurde Shooting Star Nik Xhelilaj auf dem Moskauer Filmfestival ausgezeichnet. Doch wartet der Film noch mit weiteren preiswürdigen Handlungsträgern auf, die keinesfalls ungenannt sein sollen: die Schönheit des albanischen Berglandes, die Zerrissenheit Albaniens zwischen archaischer Männerkultur und moderner Mediengesellschaft und die Unwirtlichkeit unserer Großstädte. Genau recherchiert und ästhetisch adäquat umgesetzt, bescheren sie dem Film fesselnde Intensität und atmosphärische Glaubwürdigkeit. Dafür gab es den Max Ophüls Preis für den besten Nachwuchsfilm 2011.

ono/DPA / DPA
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