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KINO: Neues aus »Bollywood«

Indische Filme werden in Europa und den USA immer beliebter. Die besonders durch Tanz und Gesang geprägten Kitsch-Streifen sind »hip«, und die Stars erfahren geradezu kultische Verehrung.

Zwei Dinge sind unerlässlich: Sitzfleisch, um die drei bis vier Stunden Kino-Spektakel durchzustehen und ein Hang zum Kitsch. Die Ästhetik von »Bollywood«-Filmen, Musik- und Tanzfilmen aus dem indischen Filmzentrum Bombay, ist für westliche Zuschauer ziemlich fremd. Doch der Besuch eines »Bollywood«- Kinoabends ist wie ein Kurztrip nach Asien - und das mitten in Hamburg. Seit 1999 zeigt eine Gruppe von Afghanen regelmäßig in zwei Kinos der Hansestadt aktuelle Blockbuster aus der Traumfabrik Bombay, Sitz der größten Filmindustrie der Welt.

Im indischen Kino wird viel gesungen und getanzt

Angefangen haben die jungen Männer als Hobby-Filmvorführer, doch mittlerweile betreiben sie das Geschäft professionell in zehn deutschen Städten. »Unsere Zielgruppe sind nicht nur Inder. Auch Afghanen, Pakistaner, Iraner und Türken mögen indische Filme sehr«, erzählt Farhad Faqiryar (35), Kinofan und Organisator der Filmabende im Hamburger Steindamm-Filmhaus Savoy. »Das liegt daran, dass im indischen Kino so viel gesungen und getanzt wird«, meint er. Die Filme sind im Original zu sehen. »Viele Zuschauer verstehen Hindi. Und wenn nicht, reichen auch die Bilder«, sagt Faqiryar.

Schicke Mädchen und coole Jungs

Vor dem Eingang zum Kinosaal warten Familien mit sorgfältig zurechtgemachten Kindern, Gruppen von schicken Mädchen und coolen Jungs drängeln mit exotischen Leckereien und kühlen Drinks in den Saal. Schon während des Vorspanns wird gepfiffen und geklatscht, der Auftritt jedes Stars wird mit Jubel honoriert. Ohrenbetäubend laut kommt die Musik aus den Boxen, bombastisch wirken Kostüme, Bühnenbild und Choreografie - ein Kick für staunende Westeuropäer, die sich in ferne Länder versetzt fühlen und neuerdings auch bei den Hamburger Vorführungen in größerer Zahl zu finden sind.

Auch das Hamburger Metropolis-Kino springt auf den »Bollywood«-Zug auf und zeigt vom 3. bis zum 31. August acht Filme von den 30er Jahren bis zur Gegenwart.

»Lagaan« war für einen Oscar nominiert, »Devdas« wurde als erster indischer kommerzieller Film in Cannes gezeigt. Eine der Hochburgen für »Bollywood«-Streifen ist London, wo auch die Verleihe ihren Sitz haben, von denen die Kinobetreiber in der ganzen Welt ihre »Bollywood«-Filme beziehen - auch Faqiryar. »Das Besondere ist, dass wir die Filme am gleichen Tag zeigen, an dem sie in Indien anlaufen«, erzählt er. Das Stammpublikum kennt dann schon seit Monaten den lange vor dem Filmstart veröffentlichten Soundtrack. »Und wenn die Musik gut ist, wollen die Leute auch den Film sehen«, meint Faqiryar.

Tumulte im Zuschauerraum

Liebeskomödien kommen bei den Hamburger Zuschauern am besten an. Allerdings gibt es in Indien zur Zeit einen Trend zu patriotischen Filmen. Solche in der Hansestadt zu zeigen, sei wegen der gemischten Nationalitäten im Publikum jedoch etwas heikel, meint Faqiryar. Er spricht aus Erfahrung: Im vergangenen Jahr kam es bei einem Film mit politisch brisantem Thema zu Tumulten im Zuschauerraum.

»Bollywood-Filme sind ein Stück Heimat«

Werbung machen die Organisatoren der Filmabende vor allem mit Aushängen in asiatischen Lebensmittelläden, in denen man auch gleich die Karten kaufen kann. »Indische Filme gehören zu unserem Leben, zu unserer Kultur, «Bollywood»-Filme sind für uns ein Stück Heimat«, meint Faqiryar.

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