HOME

KINOSTART: Mit Bloody Marys durch die Krise

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter lähmt Sidda (Sandra Bullock) so sehr, dass sie Angst vor ihrer geplanten Heirat bekommt. Sie braucht die Hilfe der Ya-Ya-Schwestern, einer Frauenclique.

Frauen wie Naturkatastrophen, Frauen als rauchende, saufende, Pillen schluckende, selbstsüchtige Schreckschrauben: Das sind die Heldinnen der Tragikomödie »Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern«. Es lässt sich leicht vorhersagen, dass Männer den Film trotz Sandra Bullock unerträglich finden werden, dass aber weibliche Zuschauer manch gutes Haar daran entdecken können.

Auf den Spuren Scarlett O'Haras

Der temperamentvolle Südstaaten- und Frauenfilm ist eine zugleich verkitschte und selbstironische Hommage an den Typus der überkandidelten »Southern Belle«, der seit der verwöhnten Heldin Scarlett O'Hara aus dem Südstaaten-Epos »Vom Winde verweht« in der amerikanischen Filmgeschichte verankert ist.

Sidda, verkörpert von Sandra Bullock, die aus Louisiana ins kühle New York geflüchtete erfolgreiche Broadway-Theaterautorin, bekommt es mit gleich vier Matronen zu tun: Mit ihrer Mutter und deren Busenfreundinnen. In einem Interview hat Sidda beiläufig preisgegeben, dass Mama eine »komplizierte Frau mit vielen Problemen« sei, die ihr die Kindheit schwer gemacht habe.

Als Mutter Vivi den Artikel liest, gerät sie, wie von Sidda befürchtet, außer sich; Mutter und Tochter machen sich gegenseitig die Hölle heiß. Nun rücken die drei »Ya-Yas«, Vivis Freundinnen seit Kindheitstagen, in New York an und entführen Sidda mittels K.o.-Tropfen nach Louisiana, um sie in die Geheimnisse von Vivis Vergangenheit einzuweihen.

Schon »Ya-Ya«, ein Fantasie-Name für ein von Voodoo und Indianern inspiriertes magisches Freundschaftsritual, will an die historischen Wurzeln der Region erinnern: Man mag es der Regiedebütantin Callie Khoury, Oscar-Preisträgerin für das Drehbuch von »Thelma & Louise«, dennoch nicht krummnehmen, dass sie so dick aufgetragen hat. Denn ihr turbulentes Drama ist trotz grober Mängel schön anzusehen und auch ebenso anzuhören. Der spezielle Charme des Südens mit seinen etwas zu aufgekratzten Frauen ist untermalt von stimmungsvoller Cajun-Musik, New-Orleans-Jazz und Swing.

Frauenmärchen mit komischen Elementen

Der Treibstoff der Mädels ist Alkohol, und man sieht sie bereits in jungen Jahren beim kleinsten Vorwand Bloody Marys mixen. »Mutters kleine Helfer« nannte man einst die Pillen und Likörchen, mit denen sich Vivi zudröhnt: Der Kummer über den Tod ihres Verlobten, die Ehe mit einem Mann zweiter Wahl, unbefriedigter Ehrgeiz und familiäre Überforderung führen zu Rabiatheiten, denen Sidda eine 15-jährige Psychoanalyse verdankt. Dank der vorzüglichen Besetzung geraten diese Erinnerungen nicht zu larmoyant, wird das Mutter-Tochter-Gezänk meist mit Humor versüßt.

Auch Pseudo-Folklore wie »Ya-Ya« und eigentlich unerträgliche Klischees wie das von der treuen schwarzen Dienstmagd kommen nicht an gegen die selbstironischen, Gin geschwängerten vier alten Schachteln, die sich mit mehrfacher Golden-Girls-Potenz Respekt verschaffen. Bullock als geplagte Tochter ist ebenso süß wie schnoddrig, Mutter Ellen Burstyn dagegen etwas zu überdreht, und in jungen Jahren wird sie von Ashley Judd glaubwürdiger verkörpert.

Die beiden einzigen Männer im Spiel, Siddas Vater und ihr sanftmütiger Verlobter, sind auf die Rollen der Versorger und Dulder beschränkt; doch die Miniauftritte von Oldie James Garner als schicksalsergebener Gatte eines Nervenbündels gehören zu den komischsten und zugleich rührendsten Momenten dieses Frauenmärchens.