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Kultserie: "Ally McBeal" sagt Adieu

Wenn am Dienstagabend die letzte Folge von "Ally McBeal" über den Bildschirm läuft, dürfte sich die Wehmut der Fans in Grenzen halten: Zu schwach war die Serie zum Schluss geworden.

Der Dienstagabend war heilig. Ab 22.00 Uhr wurden hartnäckig Telefon und andere Störungen ignoriert - die quirlige Anwältin aus Boston forderte die ganze Aufmerksamkeit der (meist weiblichen) Fernsehzuschauer. Das ist jetzt vorbei: "Ally McBeal", jahrelang Quotenknüller des kleinen Fernsehsenders Vox, feiert am kommenden Dienstag nach fünf Staffeln ihren Abschied. Ein Quoteneinbruch in den USA hatte im vergangenen Jahr Allys Ende besiegelt.

Zenit überschritten

Doch was damals in deutschen Fan-Kreisen für Entsetzen sorgte, lockt mittlerweile kaum noch ein Schulterzucken hervor. Der Eindruck auf den Internetseiten der Fanclubs täuscht nicht: Irgendwie ist die Luft raus. Und auch wenn hier zu Lande bei einem Marktanteil von zurzeit 8,1 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen noch nicht von einem Quoteneinbruch gesprochen werden kann, ist der Zenit der Serie von Erfolgsproduzent David E. Kelley doch längst überschritten. Die durchschnittlichen 9,1 Prozent der vorletzten Staffel werden nicht mehr erreicht.

John Bon Jovi langweilt nur

Die Gründe liegen auf der Hand: Die beliebtesten Figuren der vorherigen Staffeln - allen voran der wegen Kokainkonsums aus der Serie geworfene Robert Downey jr. (Larry) - kommen nicht mehr oder nur noch sporadisch vor. Ob John "das Gummibärchen" Cage (Peter MacNicol) oder die scharfzüngige Ling (Lucy Liu): Vollwertiger Ersatz wurde nicht gefunden. Der Popstar Jon Bon Jovi (Victor) sorgte vor allem für gähnende Langeweile - nicht nur in Allys Liebesleben, sondern auch auf dem Bildschirm. Ganz zu schweigen von dem lila-gefärbten australischen Komiker Dame Edna, der als Schreckschraube Claire Otoms vielen Fans den letzten Nerv raubte.

Immer neurotischer und immer weniger liebenswert

Zusätzlich sorgten die seltsamen Wendungen im Leben der liebenswert-neurotischen Anwältin für Verwirrung: Ally kauft sich ein Haus, Ally hat plötzlich eine 12-jährige Tochter, Ally verliebt sich in einen langweiligen Handwerker, Ally wird Partner in der Kanzlei, Ally wird irgendwie immer neurotischer und immer weniger liebenswert.

Dabei hatte alles so schön angefangen. Ganz langsam entwickelte sich die Serie vom Geheimtipp - beim Pilotfilm im April 1999 schauten gerade einmal 450.000 Menschen zu, was einem Marktanteil von 1,4 Prozent entsprach - zum Kult. Es gab Ally-Parties, Ally-Soundtracks und Ally-Bücher. Sogar eine ganze Generation trug plötzlich ihren Namen, wie in dem Buch "Generation Ally" von Katja Kullmann, das schon allein wegen des Titels zum Renner wurde.

Kein Wehmut bei den Fans

Doch jeder Hype hat einmal ein Ende, und so hält sich die Wehmut in den Fanclubs in Grenzen. "Lieber jetzt ein Ende, solange Ally noch (mehr oder weniger) Ally ist und bevor die Serie (noch) schlechter wird", heißt es in einem Gästebuch-Eintrag im Internet. "Ich bin auch schon in Abschiedsstimmung und trauere jetzt schon vor der letzten Folge", schreibt eine andere Ally-Anhängerin, um gleich darauf zuzugeben, "dass mich die letzte Staffel nicht mehr richtig mitziehen konnte."

Abschied ohne Tränen

Immerhin wird den Fans der Abschied auf diese Weise leichter gemacht: "Ich bin nicht mal in Versuchung gekommen, eine Träne über den Abschied zu vergießen, weil ich die ganze Zeit nur kopfschüttelnd dagesessen haben, wie David Kelley diese großartige Serie mit so einem Mist beenden konnte", schreibt eine wutentbrannte Zuschauerin, die die letzte Folge offenbar schon kennt.

Sogar die Frage, was die Zielgruppe künftig mit dem Dienstagabend anfangen soll, erübrigt sich: Die frischere Kultserie "Sex and the City" läuft ja weiterhin, wenn auch auf ProSieben.

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