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Kurzporträt über Götz George: Charakterschauspieler, Komödiant - und immer wieder Schimanski

Götz George hat alles erreicht, was man sich als Schauspieler wünschen kann. Berühmt wurde er duch seine Rolle als "Tatort"-Kommissar - nun sendet die ARD seinen bislang persönlichsten Film.

Das deutsche Fernsehen hat dem Schauspieler Götz George viel zu verdanken - und Götz George dem deutschen Fernsehen. Dennoch hat dieser kurz vor seinem 75. Geburtstag der ARD kräftig die Leviten gelesen. Es geht um den Götz-George-Abend an diesem Mittwoch - mit zwei Filmen, darunter dem vielleicht persönlichsten, in dem der facettenreiche Künstler je gespielt hat. Denn für die ARD hat Götz George seinen Vater Heinrich George in einem Dokudrama verkörpert. Sendetermin: Mittwochabend, 21.45 Uhr. Und das ist das Problem.

Über die späte Sendezeit sei er "unglücklich", sagte der George der Zeitschrift "Hörzu". "Außerdem hatte ich gebeten, dass der Film über das Leben meines Vaters nicht zu meinem Geburtstag ausgestrahlt wird, sondern am 9. Oktober, an dem mein Vater 120 Jahre alt geworden wäre." Heinrich George, einer der berühmtesten Schauspieler der Nazi-Zeit, wurde nur 52 Jahre alt. Er starb 1946 in Lagerhaft, nachdem ihn die Sowjets wegen seiner Haltung zum NS-Regime verhaftet hatten.

Damals war Götz George acht Jahre alt. Die Schauspielerei wurde dem gebürtigen Berliner gleichsam in die Wiege gelegt. Schon als Elfjähriger stand er erstmals auf einer Theaterbühne. Es folgten zahlreiche Bühnenrollen und erste Spielfilme - darunter in den 1960er Jahren mehrere Karl-May-Verfilmungen, die dem sportbegeisterten George viele - vor allem weibliche - Fans bescherten.

Rolle als "Tatort"-Kommissar machte ihn bekannt

Doch den Grundstein für seine heutige Popularität legte der gebürtige Berliner erst in den 1980er Jahren: Mit seiner Rolle als Duisburger "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski wurde Götz George ab 1981 zur TV-Kultfigur. Einen Typ wie den rauhbeinigen Revier-Ermittler mit Schnauzbart und Schmuddeljacke hatte es auf deutschen Fernsehbildschirmen zuvor nicht gegeben. Mit Schimanski fand George seine Paraderolle - und doch gelang es dem hochdekorierten Schauspieler, sich später auch immer wieder vom Schimanski-Image befreien.

Als einer seiner größten Erfolge gilt die Kino-Komödie "Schtonk", die 1992 den Skandal um die vom "Stern" veröffentlichten falschen Hitler-Tagebücher aufs Korn nahm - mit George in der Rolle eines schmierigen Journalisten. In "Der Totmacher" spielte George 1995 den Massenmörder Fritz Haarmann, 2003 brillierte er in dem ARD-Film "Mein Vater" als alzheimerkranker Mann, der von seinem Sohn aufgenommen wird.

Harsche Kritik am Sendeplatz

2012 schließlich nahm George das Dokudrama um seinen Vater Heinrich in Angriff, den er wiederholt gegen Vorwürfe wegen dessen Zusammenarbeit mit den Nazis verteidigte. Der harschen Kritik Georges an Sendeplatz und Sendezeit des Films stellte ARD-Programmdirektor Volker Herres übrigens eine Erklärung entgegen. "Wir wollen dem großen deutschen Charakterdarsteller und Publikumsliebling mit diesem besonderen Filmabend zu seinem 75. Geburtstag eine besondere Ehre erweisen", unterstrich Herres.

"Am 24. Juli um 20.15 Uhr zeigen wir daher Götz George in seiner Kultfigur 'Schimanski' und unmittelbar anschließend in dem 115-minütigen Dokudrama 'George'." Die Rolle als Heinrich George sei "vielleicht die größte Herausforderung unter den vielen Rollen, die Götz George bisher in seinem Künstlerleben gemeistert hat", betonte Herres. "Mit solchen Doppelprogrammierungen haben wir beste Erfahrungen gemacht und sind sicher: Das wird ein großer Abend für Götz George."

ds/AFP / AFP