LEGENDE Hollywood-Star Jack Lemmon ist tot


Das Publikum liebte ihn vor allem in seinen komischen Rollen. Zu Oscar-Ehren gelangte Jack Lemmon jedoch mit ernsten Filmen. Gestern erlag der Schauspieler 76-jährig einem Krebsleiden.

Als »Sexsymbol« hätte einer wie er in Hollywood wohl niemals Erfolg gehabt - als feinsinniger Gestalter tragikkomischer Durchschnittsexistenzen vermochte Jack Lemmon, der Mann mit dem sympathischen Allerweltsgesicht, sein Publikum indessen fünf Jahrzehnte lang zu begeistern. Noch zu seinem 75. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte Lemmon versichert: »Ich werde weiterdrehen, bis mich ein Lastwagen oder ein Kritiker überfährt.« Am Mittwoch (Ortszeit) erlag Lemmon in Los Angeles einem Krebsleiden.

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Seine lange Karriere als einer der gefragtesten Leinwandhelden Hollywoods betrachtete Lemmon mit der selbstironischen Gelassenheit des Alters. »Es gibt keinen Schauspieler mit einer langen Karriere, der mehr Treffer als Nieten zu Stande gebracht hat«, meint er. Für manches müsse er sich heute sogar schämen. Trost spendete der große Regisseur Billy Wilder: »Man ist immer so gut wie das Beste, was man je getan hat«, sagte er einmal.

Wilder muss es wissen, denn immerhin drehte er mit seinem Lieblingsstar Jack Lemmon einige der erfolgreichsten Komödien der Filmgeschichte: In »Manche mögen?s heiß« mit Marilyn Monroe brillierte Lemmon 1959 in Frauenkleidern, in »Das Appartement« 1960 an der Seite von Shirley MacLaine als kleiner Angestellter »Bud« Baxter und in »Das Mädchen Irma La Douce« 1963 als entlassener Pariser Polizist, der ein naives Straßenmädchen (Shirley MacLaine) zum Traualtar führt. Wilder - für Lemmon ein »Genie« - setzte seinen Star mit Vorliebe »als Pechvogel ein, der wider Willen komisch ist und dessen Unglück nur dadurch erträglich wird, dass er auch zum Unglück zu ungeschickt ist.«

»Ich hätte niemals die Ausstrahlung des Smarten gehabt wie Tyrone Power oder Clark Gable«, sagte Lemmon einmal in einem dpa-Gespräch. »Ich war immer viel mehr daran interessiert, was die Leute von mir als Schauspieler denken«. Dass er immer wieder den Zufall als wesentliche Ursache seines Erfolges anführte, passte zum bescheidenen Auftreten des unauffälligen Stars, der als Sohn eines Krapfen-Fabrikanten im Bundesstaat Massachusetts zur Welt kam.

»Ich bin gar kein so großer Schauspieler, aber ich hatte das Glück, mit den größten Leuten in Hollywood zu arbeiten«, stellte Lemmon in gewohnter Bescheidenheit einmal fest. Zu Oscar-Ehren gelangte Lemmon nicht wegen seines komödiantischen Talents, sondern als Charakterdarsteller in John Fords patriotischem Streifen »Keine Zeit für Heldentum« von 1955 und in John G. Avildsens bitterböser Satire »Save the Tiger« von 1972. Auch in anderen »ernsthaften« Filmen stellte Lemmon seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Dazu gehören »Vermisst« (1981), ein Streifen über den Pinochet-Putsch in Chile, und »Glengarry Glen Ross« (1991), der die Probleme von Immobilienmaklern in New York beschreibt und Lemmon einen Goldenen Löwen in Venedig einbrachte. Mit einem Goldenen Bären für sein Lebenswerk wurde er 1996 auf der Berlinale geehrt. In Berlin traf Jack Lemmon auch erstmals seine deutschen Stimme, den im August 1999 mit 84 Jahren gestorbenen Schauspieler Georg Thomalla.

Für einen weiteren Glücksgriff in der Geschichte der Filmkomödie zeichnet Altmeister Billy Wilder verantwortlich, denn er war es, der Jack Lemmon und Walter Matthau 1966 für den Film »Der Glückspilz« erstmals gemeinsam vor die Kamera brachte. Seitdem verband das kongeniale Komiker-Duo nicht nur eine enge Freundschaft, sondern auch der Erfolg sechs weiterer gemeinsamer Filme, darunter »Ein seltsames Paar«, »Buddy Buddy« und »Der dritte Frühling«. Zuletzt drehten die beiden 1998 »Ein seltsames Paar, Teil 2«. Matthau erlag am 1. Juli vergangenen Jahres einem Herzinfarkt.

Dass Gewalt, Sex und Spezialeffekte die eigentliche Schauspielkunst seiner Ansicht nach zunehmend in den Hintergrund drängen, bereitete Jack Lemmon in den letzten Jahren immer mehr Unbehagen: »Allein mit dem Geld, das ein Schwarzenegger-Film für künstliches Blut verschlingt, könnte ich einen hervorragenden Shakespeare machen«, lästerte er noch kurz vor seinem Tod.

Von Michael Kirner, dpa


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