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Neues Roadmovie "Mammuth" National-Ikone Gérard Depardieu als Heavy Rider


Frankreichs Star-Schauspieler Gérard Depardieu fasziniert sein Publikum einmal mehr als liebenswerter Tölpel in dem poetisch-skurrilen Märchen "Mammuth".

Gérard Depardieu ist der Gigant des französischen Kinos. Der 62jährige Schauspieler, der fast 200 Filme gedreht hat, schafft es immer wieder, das Publikum zu überraschen. In seiner neuen Tragikomödie "Mammuth" verbindet Depardieu zwei Leidenschaften: Schauspielen und Motorradfahren. Er spielt den kürzlich verrenteten Schlachtergehilfen Serge Pilardosse, der auf der Suche nach Verdienstbescheinigungen sein Motorrad aus der Garage wuchtet und übers Land knattert.

Das Bike, dem der Hilfsarbeiter seinen Spitznamen verdankt, ist das Kultmotorrad Münch Mammuth. Aber natürlich meint "Mammuth" auch Depardieu selbst, der sich in diesem bittersüßen Roadmovie erneut als Frankreichs faszinierendstes Urviech präsentiert. Mit Obelix-Wampe und Zottelmähne braust Mammuth durch die Provinz und klappert seine früheren Chefs ab, deren buchhalterisches Chaos oft ebenso groß ist wie ihre Verachtung für den Tölpel. Bei seiner Tour de France wird der gutmütige Riese abgezockt, trifft eigenwillige Verwandte und hat geisterhafte Begegnungen mit seiner großen Liebe, die von einem weiteren Star, Isabelle Adjani, gespielt wird.

Regie führten Benoît Delépine und Gustave de Kevern, die sich bereits mit den Sozialgrotesken und Programmkinohits "Louise Hires A Contract Killer" und "Aaltra" gesellschaftlichen Außenseitern widmeten. Vieldreher Depardieu, zugleich nationale Ikone und Anarchist vom Dienst, nimmt in diesem Low-Budget-Abenteuer nur zu gern die Chance war, den vermeintlichen Idioten Mammuth als unschuldigen Loser und fleischgewordenes Alter Ego darzustellen. Der Superstar, der sich lebenslang an seiner proletarischen Herkunft abgearbeitet hat, betonte bereits, dass Mammuth starke Ähnlichkeit mit seinem Vater habe.

Und besonders hat ihn gefreut, "dass ich dabei nichts beweisen musste". Mammuth war für ihn "eine Rolle, in der es nicht zu tun gibt außer zu sein". Es ging darum, "Leben und Würde über die Liebe auszustrahlen". Jenseits von Spekulationen über autobiografische Bezüge - auch der Asphaltcowboy Depardieu ist durch seine Unfälle berüchtigt - ist die schreiend komische und tieftraurige Reise eine poetische Groteske, den man so schnell nicht vergisst. Doch ob beim rumpöbeln im Supermarkt, beim Umgang mit dem Handy oder mit dem Metallsuchgerät am Strand - das schauspielerische Schwergewicht erweist sich erneut als eine Klasse für sich.

Wie so oft ist Depardieu in deftigen Szenen jenseits herkömmlicher Moralbegriffe zu erleben, die das Zeug zum Klassiker haben; was er etwa im stillen Kämmerlein mit seinem Cousin treibt, soll hier nicht verraten werden. Manche Episoden sind zwar in ihrer Skurrilität allzu gesucht. Dennoch erfährt der von seelischem Sodbrennen ramponierte Unruheständler ganz ohne Erleuchtungsfirlefanz seine Erlösung. Dabei spielt auch Yolande Moreau ("MicMacs"), die als Supermarktverkäuferin und Mammuths Ehefrau ihrem "Alten" erst den nötigen Schubs gibt, eine wichtige Rolle.

Bei Mammuths pannenreicher Odyssee zu abgewrackten Handwerksbetrieben porträtiert der Film nebenbei das französische Hinterland - und eine Ü-60-Generation mit lückenhaften Schiffsschaukelbremser-Karrieren, die mit jenen alerten Edelrentnern, wie man sie sonst im Kino sieht, soviel gemein hat wie eine grobe Bratwurst mit Gänseleberpastete. Es spricht für Depardieus Charisma, dass jener Metzger, in dessen Schlachthaus Filmszenen gedreht wurden, Blutwürste unter dem Label "Mammuth" auf den Markt brachte. Mit diesem poetisch-schrägen Märchen etabliert sich Depardieu endgültig als liebenswertes Ungeheuer und französischer "Shrek".

APN APN

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