Weinanbau Wenn Promis keltern ...


Was haben Madonna, Cliff Richard, Bob Dylan und Gérard Depardieu gemeinsam? Sie alle machen auch in Wein. Doch beim kommerziellen Erfolg trennen die prominenten Winzer Welten: Während einige 70 Euro je Flasche kassieren, sind andere Weine nur ein belächelter PR-Gag.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Angelina Jolie und Brad Pitt wünschen sich Kind Nummer sieben. Da es bereits der vierte Sprössling ist, den das Glamour-Paar adoptieren will, könnte man fast von einem Hobby sprechen. Nichts dagegen. Prominente müssen sich ja irgendwie beschäftigen, denn ihr Hauptjob lastet sie anscheinend nicht genug aus. Auch in Deutschland haben die Stars allerhand Tricks, um ihrer Langeweile zu entkommen: Sängerin Sarah Connor sieht sich plötzlich berufen, eine Babykollektion zu entwerfen, Bushido ist im Nebenberuf Bestsellerautor und Schauspielerin Esther Schweins Restaurantbesitzerin.

Deutsche Stars noch zurückhaltend

Hübsche Ideen. Doch wann präsentiert uns Til Schweiger endlich sein erstes Weingut und wann können wir mit Weißwein by Veronica Ferres zum 80. Geburtstag unseres Opas anstoßen? Nun, Til Schweiger ist noch nicht soweit, er betrinkt sich lieber mit Brad Pitt, und Veronica Ferres ist gerade ausgelastet mit der Trennung von ihrem Mann. Kurz und gut: Deutschlands Promis haben die Liebe zur Weinrebe noch nicht entdeckt. Im Gegensatz zu den internationalen Stars: Gérard Depardieu, Bob Dylan, Cliff Richard, Gianna Nannini und Madonna - sie alle machen in Wein.

Auch Francis Ford Coppola panscht ganz vorne mit. Und der Kultregisseur stellt sich dabei gar nicht mal so dumm an: Sein 2003 Rubicon aus dem Napa Valley begeistert auch Weinkenner. Um in den Genuss zu kommen, muss man allerdings mehr berappen als für eine Kinokarte: 70 Euro kostet die Flasche. Doch nicht alle haben so ein gutes Händchen wie Coppola. Ein guter Name macht noch lange keinen guten Wein. Zum Vergleich: Viele Promi-Parfums sind, gelinde gesagt, eine Beleidigung für die Geruchsnerven.

Nörgeleien über Depardieu-Wein

Wieso sollte es beim Wein anders sein? Um guten Rebsaft herzustellen, helfen nun mal keine Oscar-Trophäen und auch keine Goldenen Schallplatten. Um das Know-How kommt man einfach nicht drum herum. Hobby-Winzerer Gérard Depardieu mag zwar eine Leidenschaft haben, aber ob die ausreicht? Der 59-Jährige muss sich beispielsweise jede Menge Nörgeleien anhören, etwa, dass sein Traubenerzeugnis belanglos im Geschmack und schrecklich überteuert sei. Sein Konterfei, das auf den Flaschen abgebildet ist, lenkt davon auch nicht ab. Und dabei strengt sich der Bursche mächtig an. Er besitzt sechs Weingüter, unter anderem in Frankreich, Nordafrika und Lateinamerika. Sogar die Dreharbeiten leiden, weil der französische Schauspieler lieber schwänzt und zwischen Rebstöcken herumturnt als vor der Kamera. So weit ist es also schon gekommen.

Aber es gibt zum Glück noch die Pflichtbewussten. Rebe hin, Rebe her, Bob Dylan und Simply-Red-Frontmann Mick Hucknall vernachlässigen ihren Hauptjob (noch) nicht. Allerdings sind sie auch nicht ganz so groß im Weingeschäft wie Depardieu: sie besitzen jeweils ein Weingut im südlichen Italien. Ob es allerdings geschickt ist, dass Bob Dylan seinen Rotwein "Planet Wave" nennt? Man denkt da doch eher an den Titel einen neuen Albums. Aber gut. Madonna beispielsweise brachte 2005 Weine in Kombination mit ihrem damals erschienen Album "Confessions on a Dancefloor" heraus. Preisklasse zwischen 25 bis 40 Dollar. Hier stellt sich natürlich die Frage, warum ausgerechnet Alkohol. Ist das Anhören ihres Albums etwa nur im betrunkenen Zustand erträglich?

Erfolgreicher als mit dem Gesang

Und dann gibt es solche Fälle wie Al Bano Carrisi. Ja, das ist der Al Bano von Albano und Romina Power. Wer das nicht einordnen kann: Das ist ein italienischer Sänger mit näselnder Stimme, der versucht, Schnulzen zu singen. Wäre er gleich im Weingeschäft geblieben - er ist Sohn eines Winzers - wäre der Musikwelt kein Schaden entstanden. Al Bano Carrisi widmet sich bereits seit 1973 dem Vino. Sein Weingut ist in Süditalien, in Cellino San Marco. Die dort hergestellten Weine wurden schon mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er 2001 den "Großen Preis" der italienischen Winzervereinigung für seinen Rotwein "Don Carmelo". Vor allem die Italiener kaufen Al Banos Weine wie wild. Die Nachfrage ist groß, mehr noch als nach seinen Schallplatten. Insofern darf das durchaus als Anregung für deutsche Schlagersänger verstanden werden, die nur noch in Möbelhäusern auftreten.

Doch wie Wein anbauen, wenn man doch nur singen kann? Natürlich krempeln die Prominente nicht alleine ihre Ärmel hoch - wenn überhaupt -, um ihre edlen Tropfen zusammen zu mischen. Gianna Nannini beispielsweise hat sich mit Italiens berühmtesten Önologen Riccardo Cottarella zusammengetan, Cliff Richard wird von dem Weinbauexperten Richard Beverstock beraten, der im Jahr 2002 eine Auszeichnung für den besten portugiesischen Rotwein bekam. Ob es immer die Lust an der Rebe ist, die die Stars ins Weingeschäft treibt, darf allerdings bezweifelt werden. Es ist wohl wieder so ein Prestige-Ding. Denn sonst könnten sich Promi-Wesen doch auch mit anderen Nebentätigkeiten gut ihre Zeit vertreiben. Oder lieber in ihrem Hauptjob richtig gut sein.


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