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Portrait: Der Meister der fröhlichen Gelassenheit

Zum dritten Mal ist Dieter Kosslick für die Internationalen Filmfestspiele in Berlin verantwortlich, dieses Mal vom 5. bis 15. Februar.

"Gute Stimmung ist das Wichtigste. Mein Festivalmotto, um es mit Heinrich Heine zu sagen: Je wichtiger ein Gegenstand ist, desto lustiger muss man ihn vortragen." Das sagt Dieter Kosslick. Zum dritten Mal ist der 55-Jährige für die Internationalen Filmfestspiele in Berlin verantwortlich, dieses Mal vom 5. bis 15. Februar. Seit er 2001 das Kommando von Moritz de Hadeln übernahm, versprüht die Berlinale Leichtigkeit und fröhliche Gelassenheit. Das ist seiner lockeren, humorvollen Art zuzuschreiben.

Wenn der in Pforzheim geborene Kommunikationswissenschaftler bei der Eröffnung oder den Preisverleihungen spricht, gibt es immer etwas zu lachen. Unbekümmert und mit teils hintergründigem, teils auch derbem Witz hält er seine Ansprachen, und es ist ihm auch egal, wenn sein Englisch so manches Mal ziemlich Deutsch klingt. Als vor zwei Jahren einmal bei einer Rede von Corinna Harfouch das Mikrofon ausfiel, machte Kosslick dafür die Metallplättchen in ihrem Kleid verantwortlich. Die hätten die Übertragung gestört. Künftig werde er prüfen, "was in den Kleidern ist", erklärte er mit Schalk in den Augen.

Einheimische Produktionen stärken

Auf diese Weise verkauft der Hitchcock-Fan und passionierte Hobbykoch erfolgreich seinen Gegenstand: die Berlinale. Den deutschen Film wolle er zu den Filmfestspielen zurückholen, hatte er zum Amtsantritt als oberstes Ziel verkündet. Das gelang. So sorgten nicht nur deutsche Wettbewerbsbeiträge wie zuletzt "Good Bye, Lenin!" für Aufsehen, sondern auch die neue Reihe "Perspektive Deutsches Kino" ist eine große Errungenschaft, in der einheimische Produktionen präsentiert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Nachwuchsförderung. Seit vergangenem Jahr findet der Talent Campus statt, zu dem mehrere hundert junge Filmschaffende aus aller Welt anreisen und sich von Größen wie Wim Wenders oder Dennis Hopper Tipps geben lassen. Darüber hinaus habe man es geschafft, die Berlinale zu einer Plattform für "intellektuelle Auseinandersetzungsprozesse" zu machen, wo nicht nur Filme angeguckt würden, sondern auch darüber debattiert werde.

Beliebt bei den Stars

Die Berlinale ist auch bei den Stars beliebt. Schauspieler wie Nicole Kidman, George Clooney oder Catherine Deneuve liefen über den roten Teppich. Und im Vergleich zu den beiden anderen großen Filmfestivals in Cannes und Venedig: "Es gibt kein anderes A-Festival, bei dem das Publikum so große Möglichkeiten hat, sich Karten zu kaufen, ins Kino zu gehen und dann praktisch neben dem Star zu stehen", betont Kosslick. Die Mischung zwischen Profis, normalem Publikum und jungen Leuten mache die Einmaligkeit der Berlinale aus.

Bis 2005 läuft Kosslicks Vertrag noch, der bis zur Berufung zum Berlinale-Chef Geschäftsführer der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen war. Er kann sich gut vorstellen, auch danach noch Festivalchef zu bleiben.

Holger Mehlig/AP