Programm 2005 ARD setzt auf Werte und Wissen


Im Programm des Jahres 2005 will sich die ARD verstärkt der Vermittlung von "Werten und Wissen" widmen. Der altgediente Jürgen von der Lippe wird allerdings vorerst aussortiert.

Die ARD will dem Reality-Reigen der Privatsender in Zukunft verstärkt mit "Werten und Wissen" begegnen. "Wir holen den Zuschauer weg von Krawall und Radau und präsentieren ihm ein Programm, das sich an dem wieder entdeckten Wertesystem orientiert, das eine immer größere Rolle spielt", sagt Programmdirektor Günter Struve. Im Programm des Jahres 2005 sei zu "Werten und Wissen" viel zu finden. In Erwägung zieht die ARD darüber hinaus die Produktion einer Telenovela. Für Unterhaltungs-Dino Jürgen von der Lippe ("Lippe blöfft") ist allerdings vorerst kein Platz mehr im Gemeinschaftsprogramm.

Schiller-Schwerpunkt

Das Thema Wissen bedient die ARD unter anderem mit vielen neuen Dokumentationsreihen. Im Januar startet der Vierteiler "Justizirrtum!" über spektakuläre Fehlurteile in Deutschland, im März zeigt die ARD einen Doku-Dreiteiler über die Geschichte des Nils, es wird zum 200. Todestag einen Friedrich-von-Schiller-Schwerpunkt geben, und im vierten Quartal befasst sich eine sechsteilige Reihe mit dem Titel "Die 50er Jahre" mit dem Wirtschaftswunderland Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. "Wissen ist nicht klein zu kriegen", sagt der ARD-Programmdirektor.

Eine Telenovela ist in der ARD "allerdings nicht so schnell" zu erwarten, so Struve. "Eine Geschichte, die in einem Strang erzählt wird, ist auch bei uns denkbar. Wir hatten schon in den achtziger Jahren mit der brasilianischen Telenovela 'Die Sklavin Isaura' einen großen Erfolg." Das ZDF sendet seit 1. November mit guter Publikumsresonanz die Serie "Bianca" (200 Folgen), Sat.1 will im Februar die Telenovela "Verliebt in Berlin" starten. RTL, bereits mit zwei Daily Soaps am Markt, will nach eigener Darstellung die Entwicklung erst einmal beobachten.

"Events" im Showbereich

Beenden wird die ARD dagegen die Samstagabendshow "Lippe blöfft" mit Unterhaltungs-Altmeister von der Lippe, die nach drei Ausgaben im Jahr 2004 nicht die erhofften Marktanteile erzielte. Die ARD setzt laut Struve im Showbereich künftig mehr auf "Events", also größere Einzelereignisse. Zu den "Events" zählen Geburtstage (wie zum Beispiel Hape Kerkelings 40. oder Udo Jürgens' 70.) und andere Jubiläen. Zurückhaltend äußert sich Struve zu Frank Elstners quotenschwacher Show "Einfach Millionär" für die ARD-Fernsehlotterie. "Als Programmdirektor muss ich an der Show arbeiten, als Staatsbürger für sie einstehen, da die Gewinne an soziale Zwecke der Lotterie ausgeschüttet werden." Elstner selbst hatte bereits Verbesserungen angekündigt.

Aber auch die ARD öffnet der Reality ein Türchen. Im 2. Quartal ist die Reihe "Windstärke 8" zu sehen, die zunächst auf drei Teile angesetzt war, vermutlich aber erweitert wird. In ihr bewegen sich 30 Frauen und Männer auf den Spuren der Auswanderer und schippern mit einem Dreimaster unter den Bedingungen des 19. Jahrhunderts nach Amerika. Zu den filmischen Höhepunkten zählt die ARD den Veronica- Ferres-Zweiteiler "Kein Himmel über Afrika", den Heinrich-Breloer-Dreiteiler "Speer und Er" über Hitlers Architekten und eine Reihe über den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. "Der Untergang" und "Luther" gehören ebenfalls zum ARD-Repertoire.

Welchen Sendeplatz das Magazin "Polylux" künftig in der ARD haben soll, ist laut Struve ungeklärt. Es wird wegen der "Harald-Schmidt"-Show mittwochs auf die Zeit nach Mitternacht verdrängt - der Rundfunk Berlin-Brandenburg will unter diesen Bedingungen nicht weiter produzieren. Vielleicht ergibt sich ja für 2006 eine einvernehmliche Lösung, wenn die "Tagesthemen" um 22.15 Uhr beginnen sollten und Spätsendungen noch vor Mitternacht bessere Chancen beim Publikum hätten.

Carsten Rave/DPA DPA

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