HOME

Romy Schneider: Die unglückliche Frau

Ihre Schönheit, ihr Talent und vor allem ihr Unglück haben Romy Schneider zu einer Legende gemacht. Die Schauspielerin mit dem "Sissi"-Stempel ist vor 27 Jahren gestorben. Dass sie heute 70 geworden wäre, ist Anlass für neue Spekulationen und jede Menge letzter Worte. Sie kann sich ja nicht mehr wehren.

Von Sophie Albers

Wenn man zuerst an Romy Schneider denkt, dann fällt einem wohl das Lachen ein, das als unschuldiger Backfisch im deutschen Heimatfilm erstaunlicherweise das gleiche war wie später als Prostituierte im französischen Autorenkino. Nur 43 Jahre hatte Schneider Zeit, um ein nach eigener Aussage größtenteils unglückliches Leben zu führen. Eine Zeitspanne, die jedoch ausreichte, damit andere sie zum Mythos machen. Immer noch.

70 Jahre alt wäre "notre Romy" am Dienstag geworden. Hätten sich zu ihren Lebzeiten so viele Menschen Gedanken über ihr Schicksal gemacht wie nach ihrem Tod im Jahr 1982, vielleicht wäre sie heute eine angesehene alte Schauspielerin wie Vanessa Redgrave oder die Deneuve. Dafür blieb ihr aber keine Zeit.

Der Kampf um Selbstbestimmung

Tabletten, Zigaretten, Alkohol, Hungerkuren und die tragisch erfolglose Suche nach der bedingungslosen Liebe hätten sie aufgefressen. Darin sind sich die zahlreichen Biografen und "Romy-Schneider-Experten" einigermaßen einig. Sie habe nicht zwischen dem wahren Leben und ihren Rollen trennen können, heißt es auch. Sie sei zerbrochen im Kampf um Selbstbestimmung. Schließlich wurde sie von Anfang an verplant, nur von außen betrachtet, bewundert. Wer Rosemarie Magdalena Albach, geboren 1938 in Wien, wirklich war und was sie wollte, interessierte nicht. Das Mädchen hatte auch gar keine Zeit, das überhaupt herauszufinden. Sie war gerade mal 14, als ihre Mutter sie vor die Kamera trieb. Schon in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (1953) saß sie in der biederen Kitschfalle der 50er Jahre. Nur zwei Jahre später wurde sie vom "Sissi"-Wahnsinn geschluckt.

Ihr beeindruckender Selbstbefreiungsversuch, in Frankreich ein Leben ohne Mutter Magda und Sissi zu starten, brachte ihr den ätzenden Hass der deutschen Fans ein, die sie plötzlich "Hure" und "Vaterlandsverräterin" schimpften. Schließlich hatte sie sich auch noch mit dem Schwerenöter Alain Delon eingelassen. Und der brach ihr tatsächlich das Herz. Als Delon sie 1964 verließ, unternahm Schneider einen Selbstmordversuch. Wohl nur ein Mann im männerreichen Leben Schneiders hat ihr bedingungslos gut getan. Doch auch hier war das Ende tragisch: Sie soll ihren Sohn David abgöttisch geliebt haben. Er war 14 Jahre alt, als er 1981 bei einem Unfall starb. Ein Schlag, von dem sie sich nicht mehr erholte.

Tatsächlich ist immer mehr von ihrer Lebenstragödie denn von ihrem Werk als Darstellerin die Rede, wenn es um Romy Schneider geht. Mehr als 60 Filme hat sie gedreht. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Helmut Käutner, Orson Welles, Federico Fellini, Otto Preminger, Luchino Visconti, Claude Chabrol, Costa-Gavras und Claude Sautet. Und das an der Seite von Schauspielkollegen wie Anthony Perkins, Jean Paul Belmondo, Curd Jürgens, Jean-Louis Trintignant, Jack Lemmon, Peter Sellers, Harvey Keitel, Marcello Mastroianni, Alain Delon, Yves Montand und natürlich immer wieder Michel Piccoli. Es liest sich wie ein Who is Who der Filmgeschichte ihrer Zeit. Fragte man die Kollegen, was denn so besonders gewesen sei, an "La Schneider", hörte man immer wieder die Worte "Intensität", "Schönheit", "Leidenschaft", "Wahrhaftigkeit", aber auch "verstörend", "besessen" und "haltlos". "Ich habe vor nichts auf der Welt Angst. Nur vor mir ", hat Schneider einmal gesagt.

Neues von Romy

Sprung in die Gegenwart: Im Berliner Osten, im tiefsten Pankow, wartet eine Handvoll Menschen im Kino Toni darauf, dass die Veranstaltung beginnt. Fast ausschließlich Frauen stehen im Foyer. Sie wollen hören, was es zum 70. Geburtstag von Romy Schneider Neues gibt. Der Autor Thilo Wydra wird aus seinem Buch lesen, das das Leben, das Werk und die Wirkung Romy Schneiders zusammenfassen soll. Während sie warten, reden die Schneider-Fans natürlich über Romy, und das tun sie so, als sei die Frau mit dem ebenmäßigen Gesicht eine gute Bekannte, die verdammt viel Pech in ihrem Leben hatte. Mal ist die Mutter "schuld", mal die zu frühe Karriere, und immer wieder die Männer.

Sie habe alles an sich herangelassen, sei durchlässig gewesen, referiert der Autor. Und so sei sie nicht nur seelisch, sondern auch finanziell ausgebeutet worden. Dann zitiert er aus einem Brief des französischen Regisseurs Claude Sautet, der fünf Filme mit Schneider drehte, unter anderem den wunderschönen "Die Dinge des Lebens" mit Michel Piccoli: Romy sei lebensfroh und verletzlich, strahlend selbstsicher, doch voll innerer Selbstzweifel gewesen. Sie habe die Mittelmäßigkeit von Gefühlen nicht ertragen. Es ist andächtig still im Kinosaal, einige Frauen im Publikum nicken. Und es ist klar, dass Romy Schneider auch mit 70 kein Recht auf ihr eigenes Bild hat.