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Rückblick: Tops und Flops im TV-Jahr 2005

Skandale, Tragödien und viele Programmflops, das TV-Jahr 2005 war von etlichen Tiefs geprägt. Doch es kann auch Positives vermeldet werden: Zahlreiche neue Sender erblickten das Licht der Fernsehwelt.

Überschattet wurde der Fernsehalltag durch die Schleichwerbungsskandale, in der vornehmlich die ARD und die Produktionsfirma Bavaria im Mittelpunkt standen. Auch die Affären um die Sportchefs Wilfried Mohren vom Mitteldeutschen und Jürgen Emig vom Hessischen Rundfunk, die von Sportverbänden Geld für TV-Übertragungen bekamen, rückten das Medium TV in ein schlechtes Bild.

Dabei gab es viel Positives: Denn vor dem Hintergrund neuer digitaler Übertragungskapazitäten wurden so viele neue Kanäle geschaffen, wie schon lange nicht mehr: Im frei empfangbaren Fernsehen startete mit der Viacom-Tochter Nick ein neuer Kindersender, und mit dem Projekt Das Vierte aus dem Hause Universal ein neuer Spielfilmsender. Das Münchner Unternehmen Tele 5 formte sich auch in einen Filmsender um. Focus TV lancierte einen Gesundheitskanal, und Sony Pictures legte mit dem Actionsender AXN los - Frühlingserwachen mitten in der von der Werbeflaute bestimmten Krisenstimmung.

Zum "Nachtisch" dem "Kanzleramt" "Paroli" geboten

Das klassische Fernsehen kämpfte dagegen wie immer um Werbeeinnahmen und Marktanteile. Mit neuen Programmen erlitten die verschiedensten Anbieter Rückschläge. Die ARD musste das Nachmittagsmagazin "Nachtisch" kippen, Shows wie die nationale Vorausscheidung zum European Song Contest und "Typisch deutsch?" wurden zum Quoten-Flop. Gabi Bauer beendete mit "Paroli" im NDR bereits ihre zweite Sendung vorzeitig. Das ZDF erlitt mit dem "Kanzleramt" Schiffbruch, "Gottschalk zieht ein" wurde eingestellt.

RTL stellte zu Jahresbeginn die Inselserie "Verschollen" wegen zu geringer Quoten ein, der "Peking-Express" rollte ohne Resonanz durchs Programm, "Big Boss" war dem Publikum zu hart. Sat.1 musste den "Talk der Woche" wegen verschwindend wenig Zuschauern einstellen, das Serienprogramm mit "Der König von Kreuzberg", "Bis in die Spitzen" und "Liebesleben" funktionierte nicht. ProSieben beendete die Magazine "Prompt" und "GQ". Wenig Resonanz erntete auch die Serie "Alles außer Sex", von der sich Geschäftsführer Dejan Jocic mehr versprochen hatte - nun musste er sein Amt quittieren.

Bye bye, Herr Fliege, Herr Moik und Frau Reiber

Abschied nahm 2005 auch Marc Conrad von seinem Sender RTL nach nur drei Monaten Amtszeit. Seine Nachfolgerin, Anke Schäferkordt, verabschiedete Informationsdirektorin Ingrid Haas, Programmdirektor Frank Berners und den technischen Direktor Adam Musialik. RTL-II- Geschäftsführer Josef Andorfer musste nach einem Streit mit den Gesellschaftern seinen Posten aufgeben.

Auch TV-Pastor Jürgen Fliege nahm auf dem Bildschirm Abschied - nicht freiwillig. Er wollte weitermachen mit seiner Talkshow. Gleiches gilt für ARD-"Musikantenstadl"-Moderator Karl Moik, der Silvester zum letzten Mal auftritt, "Kommissar Palu"-Darsteller Jochen Senf (ARD) und ZDF-Volksmusik-Gastgeberin Carolin Reiber. Ruth Moschner verlor mit den "Freitag Nacht News" (RTL) und "Big Brother" (RTL II) gleich zwei Sendungen. Peter Lustig hat fürs ZDF bereits die letzten "Löwenzahn"-Folgen gedreht. RTL trennt sich von Mike Krüger ("Frei Schnauze") und Hans Werner Olm, Sat.1 von Talkerin Vera Int- Veen.

Ein Kopf weniger bei "7 Tage, 7 Köpfe"

Zum Jahresende, am 30. Dezember, sagt einer der prominentesten TV-Entertainer auf Wiedersehen. Rudi Carrell, der vom 19. Dezember an 71 Jahre alt ist, tritt zum letzten Mal mit dem Team von "7 Tage, 7 Köpfe" bei RTL auf. Danach zieht sich der Niederländer endgültig vom Bildschirm und auch von seiner Funktion als Produzent zurück. Auch der ostdeutsche Schauspieler Fred Delmare gibt seinen Ausstand: Am 7. November hatte der 83-Jährige seinen letzten Drehtag als Opa Friedrich. Für die Fans der ARD-Soap "Marienhof" besonders tragisch: Schauspielerin Julia Palmer-Stoll starb im Sommer auf einer bayerischen Landstraße. Beim Versuch, einen Igel zu retten, wurde sie von einem Auto erfasst.

Carsten Rave/DPA / DPA