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TV-Container: "Big Brother": Das Haus steht leer

Der Käfig ist offen, der letzte Gefangene ist entwischt: "Big Brother 4" ist zu Ende. Jan, der freundliche Bademeister aus dem Osten, hat gewonnen.

99 Tage sind vorbei. Zahllose Coach Potatoes wissen nun - seit dem späten Abend des 7. Juli - nicht mehr, was sie in den nächsten Monaten mit ihrer ganzen freien Zeit anfangen sollen. Bereits seit dem 31. März haben die Fernsehzuschauer schließlich fieberhaft Jan, Nadja und all den anderen Bewohnern aus dem Big-Brother-Knast die Daumen gedrückt. Jetzt ist der Marathon-Spaß vorbei, zum vierten Mal schon. Einmal mehr hat ein zurückhaltender Ossi lächelnd das Siegerpodest erklommen, nachdem er zuvor alle charismatischen Konkurrenten ins Off der Zuschauer-Votings gedrückt hat.

99 Tage, 19 Bewohner, über 133 Battles, 1 Hund, 2 Teams: Die Produzenten von Endemol haben sich dieses Mal wirklich etwas einfallen lassen, um die Zuschauer jeden Abend aufs Neue zu begeistern. Dem sinnentleerten Quatschen vor der Kamera wurde der Kampf angesagt. Stattdessen gab es jede Menge Battles. Das waren in der Regel kämpferische Auseinandersetzungen, bei denen es um Schnelligkeit, Kraft und Glück ging. Die Mental-Battles hingegen kamen bei den PISA-geschädigten Youngstern im "Big-Brother"-Haus nicht so gut an. Kein Wunder, hatten doch die meisten Bewohner im Haus echte Probleme damit, einen klaren, zusammenhängenden Satz hervorzubringen.

Sei es drum: Im nostalgisch verklärten Rückblick sind einem die ganzen Chaoten richtig ans Herz gewachsen. Auf der Seite der liebenswerten Charmeure steht etwa der bullige Türsteher Ulf, der seine "fleischige Königspython" nur unter großen Problemen im Zaum halten konnte. Auch der "alte Ausländer" (Zitat: Kai) Sava zeigte mit angestaubten Sprüchen aus Großmutters Benimmfibel, dem völligen Fehlen von Verantwortungsgefühl und einem schelmischen Lächeln, wie gut man als abgesofteter Macho bei den Frauen Punkten kann.

Der Zuschauer würde aber nicht gleich mit jedem Bewohner einen trinken gehen. Der trotzige Botho mit seinen kindlichen Ausbrüchen war ebenso ein triftiger Grund dafür, zum Voting-Telefon zu greifen, wie die kreischige Khadra, die nie und nirgends ihren Mund halten konnte. Richtig lange mussten die Zuschauer auch warten, bis sie endlich Gelegenheit dazu hatten, um der stahlharten Nadine per Telefon das Rückgrat zu brechen.

Sex zur besten Sendezeit

Im Nachhinein erinnert sich der "Big-Brother"-Fan auch in der vierten Staffel vor allem an eins – an den Sex. Die rothaarige Stripperin Nadja hat zwar nicht die Figur der ehemaligen Gewinnerin Alida, dafür aber jede Menge Metall am Körper. "Mir springen gleich die Piercings aus den Löchern, so kalt ist das Wasser": Ein Spruch, der Fernsehgeschichte schreiben wird.

Wer es lieber klassisch mochte, wurde ebenfalls bedient – und das zur besten Sendezeit. Während die Kinder, die doch so gerne die Battles geschaut hätten, schon um sieben ins Bett gesteckt wurden, baggerte der Mazedonier Sava an der platinblonden Hella herum, dass so mancher Lokal-Casanova vor Neid erblasste. Und Sava hatte auch noch Erfolg. Auch hier dräut ein Klassiker der Wortakrobatik zu entstehen. Hellas geflügeltes Wort zu Sava – "Du hast mich echt wund gehobelt" – gilt es auf jeden Fall in zukünftigen Staffeln der jugendfreien Serie zu toppen.

Vier Battles für ein Halleluja

Der sehnsüchtige Blick zurück zeugt davon, dass im Finale nicht mehr allzu viel los war. Stripperin Nadja, Bademeister Jan, Stimmungstöter Holger und Popelfresser Gabriel zogen gemeinsam in das Finale ein.

Doch in Sachen Sex ging auf einmal nichts mehr. Nadja schnurrte zwar wie eine rollige Katze und rieb sich sexlüstern an Jan und Gabriel. Jan schürzte aber schnell eine "Migräne" vor und meinte: "Ich bin eh nicht so der Stecher". Und Gabriel, eine Nacht lang sogar alleine mit Nadja, gab sich auf einmal züchtig und zahm, obwohl er doch in seinen ersten Tagen heftig geprahlt hatte mit all seinen Liebesabenteuern. Wahrscheinlich hatte er aber auch einfach nur Angst vor dem früh heraus gewählten Türsteher Ulf, der seiner Nadja schon von draußen ein feinsinniges Lied trällerte: "Du bist das Geilste…" Ulf hatte schließlich schon Botho-Kay medienwirksam die Fresse poliert, weil der es im Haus gewagt hatte, Nadja die Meinung zu geigen.

Aber mal ehrlich: Am Ende musste Jan doch einfach gewinnen, oder? Bei "Big Brother" gewinnt immer der Ossi. Gabriel kommt aus der Schweiz und den Eidgenossen gönnt man doch im deutschen Fernsehen nichts. Nadja ist ein Besserwessi, das geht auch nicht. Und Holger als Quoten-Ossi war einfach zu depressiv drauf, um zu punkten. Jan hingegen sah gut aus, war immer höflich und fing nie Streit an. Wahrscheinlich haben ihn alleine die besorgten Mütter junger Mädchen per Telefon aufs Siegertreppchen gewählt: So stellen sie sich wahrscheinlich den perfekten Schwiegersohn vor.

Nicht so wie Sava, der frech alle Mädels anbaggert: Noch während der Finalsendung hat der Mazedonier seiner Hella einen Heiratsantrag gemacht – für die Eltern von Hella sicherlich ein echter Schock. Vor "Big Brother" sang das kleine Mädchen schließlich noch im Schunkelchor.

Auf jeden Fall haben die Battlemaster von "Big Brother" schnell gemerkt, dass im Finale keine sexuelle Spannung mehr im Haus ist. Und wer möchte schon Holger dabei zusehen, wie er mit gedanklichen Gewitterwölkchen über dem Kopf ein Bier nach dem anderen zischt? Deswegen mussten alle vier Finalisten noch einmal zu einer richtig spektakulären Battle antreten.

Holger etwa wurde an einen Hubschrauber gekettet und dann in die Luft gerissen. Zehn Meter unter dem Heli trudelnd wurde er kreuz und quer über Köln geflogen. Kaum wieder auf dem Erdboden hatte er nur drei Minuten Zeit, um mit heftig zitternden Fingern ein dreistöckiges Kartenhaus zu errichten.

Nadja wurde an ein Bungee-Pendel gebunden und seitwärts in eine brennende Wand aus Pappkisten geschleudert. Hinter der Wand musste sie einen Farbbeutel in eine auf dem Boden aufgemalte Zielscheibe werfen.

Gabriel konnte den Hubschrauber von Holger gleich noch einmal verwenden. Er musste mitten im Flug zur einen Seite des Hubschraubers herausklettern und zur anderen wieder hereinsteigen.

Die schlimmste Battle gebührte Jan. Er sprang aus 40 Metern am Bungee-Seil in die Tiefe, um 1 Meter 50 über dem Boden zwei Luftballons zu zerstechen.

Alle Finalisten gewannen ihre Battle – bis auf Nadja, die den Kreis verfehlte. Wurscht: 90.000 Euro erspielten sich die vier. Geld, das sie sich redlich untereinander teilen möchten. Es würde zu Jans Saubermann-Image passen, wenn er sich an diese Verabredung auch tatsächlich hält.

Carsten Scheibe
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