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eSports: Nerds sind die neuen Rockstars

Es sind pausbackige, blasse Jungs mit Pilzkopffrisur, die Online-Spiele spielen. Gefeiert werden sie dafür wie Rockstars. In Berlin haben sie zur Weltmeisterschaft geladen.

Von Erik Häußler

Tausende in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin beim WM-Finale von League of Legends

Die 13 000 Karten für das Spektakel waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

Tausende jubeln, kreischen, pfeifen. Dutzende Scheinwerfer tauchen die Mercedes-Benz-Arena in Berlin in Rot und Blau. Die Zuschauer schlagen ihre leuchtenden Klatschstangen zusammen, machen einen ohrenbetäubenden Lärm. Die Halle tobt. Für den Event waren 13.000 Karten innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft - bei Preisen bis zu 350 Euro. Gespannt fiebern die Leute dem Beginn entgegen, sie wollen endlich ihre Idole sehen.

Fast 30 Millionen Spieler täglich

Nein, wir sind hier nicht bei einem Konzert der Boyband One Direction. Auch die Spieler der Eisbären Berlin gleiten heute nicht übers Eis. Sport findet dennoch statt. ESport nennt sich das, also elektronischer Sport. Gespielt wird "League of Legends", ein kostenloses Online-Kampfspiel. Und heute ist hier nicht irgendein Spiel: Es ist das Finale der Weltmeisterschaft. Nach Partien in Paris, London und Brüssel findet die entscheidende Schlacht in Berlin statt. Tausende eSport-Begeisterte aus aller Welt sind angereist. Es gab viel mehr Interessenten als Karten. Selbst das größte Public-Viewing-Event in der Arena Berlin war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Bei den weltweiten Live-Übertragungen sind zudem weit über eine Million Zuschauer dabei.

Jeden Tag lockt "League of Legends", oder LoL, wie die Insider es nennen, fast 30 Millionen Spieler an ihre Rechner. Das 2009 auf den Markt gebrachte Spiel ist inzwischen das erfolgreichste Online-Game der Welt. Bei LoL stehen sich zwei Teams zu je fünf Spielern feindlich gegenüber. Sie müssen eine virtuelle Karte durchlaufen, um das Lager des Gegners zu zerstören. Dafür steht jedem Spieler ein Charakter zur Verfügung, in dessen Rolle er schlüpft: Zauberer, Orks und andere Fantasiewesen: Jeder dieser "Champs" hat andere Fähigkeiten, jeder hat individuelle Stärken und Schwächen. Mit Gold kann der Spieler weitere Fähigkeiten für seinen Helden dazukaufen und so seine ganz eigene Taktik umsetzen. Zur Unterstützung haben die Teams kleine, computergesteuerte Truppen. Sie helfen den Helden, sich durch die Karte mit Hindernissen und Monstern durchzukämpfen, dienen oft aber als Kanonenfutter. "Es kommt auf Team-Play, Taktik und den individuellen Champ an, den man wählt", fassen es Fans in der Arena zusammen. So lässt sich das Spiel auf die Schnelle erklären, damit es auch Laien verstehen.

Asiatische Teams dominieren

In Berlin spielen aber keine Laien, es sind die aktuell besten Teams der Welt: SK Telekom T1 gegen die Koo Tigers. Beide Finalmannschaften kommen in diesem Jahr aus Südkorea. Asiatische Nationen dominieren dieses Spiel. Insgesamt waren 16 Mannschaften zur WM angetreten. Wie im Fußball mussten diese zunächst die Gruppenphase meistern, dann das Viertel- und Halbfinale bestehen, bevor sie hier in Berlin auf der ganz großen Bühne die letzte, entscheidende Partie bestreiten können.

Nur ein Deutscher war bei der Finalrunde dabei: Maurice Stückenschneider. Sein Team schaffte es bis ins Halbfinale. Gespielt wird nach dem Prinzip "Best of Five", wer also mindestens drei Siege errungen hat, ist Weltmeister. SK Telekom ist der große Favorit. Sie sind bislang ohne Niederlage durchs Turnier spaziert. In ihrem Team spielt der wohl aktuell beste Spieler der Welt: "Faker" ist sein Pseudonym. Die Koo Tigers hingegen sind die Underdogs, die erst kürzlich in die Weltspitze aufgestiegen sind.

Blasse, pausbackige Teenager gefeiert wie Rockstars

Die Uhr tickt auf null, die letzten Sekunden zählen alle laut herunter, die Spannung in der Halle ist beinahe greifbar. Der Siegerpokal wird enthüllt - dann sind sie endlich da: die Rockstars der eSport-Szene. Mit martialischer Musik betreten zunächst die Koo Tigers die grell ausgeleuchtete Bühne. Die Fans rasten aus, bejubeln jeden Einzelnen. Als der Superstar Faker mit einem Purzelbaum seinen Platz neben seinem Team einnimmt, ist die Stimmung am Höhepunkt, ihn live spielen zu sehen, ist für viele hier das Größte.

Dabei erfüllen sich bei der Team-Präsentation alle Klischees, die es über Computer-Spieler gibt. Die Stars, denen hier zugejubelt wird, sind keine durchtrainierten Schönlinge. Dort oben auf der Bühne stehen blasse, bübchenhafte Jungs mit dicken Hornbrillen. Sie sind um die 20 Jahre alt, die meisten haben dicke Pausbacken und eine Pilzkopffrisur. Als ihre Namen durch die Halle gerufen werden, winken sie schüchtern dem Publikum zu, bevor sie mit hängenden Schultern auf ihren Platz schlurfen. Man dachte, Teenie-Idole sehen anders aus. Und doch sind sie hier die neuen, großen Stars der Jugendlichen. Sie sind die Cristiano Ronaldos des e-sports, die Lionel Messis der LoL-Szene.

Die Sportler hängen hochkonzentriert in ihren Gaming-Sitzen, die aussehen wie aus einem Rennwagen. Sie bewegen sich auch beim Spielen kaum. Nur die Hände flitzen über die Gaming Tastatur. Sie haben Kampfnamen wie "Gorilla", "Pray" oder eben "Faker". Sie spielen auf Weltklasse-Niveau, alle professionell und Vollzeit, haben Betreuer, Trainer, Therapeuten. Sie trainieren etliche Stunden am Tag, verbessern ihre Strategie, ihre Kommunikation innerhalb der Mannschaft, tüfteln an der Taktik. Und verdienen damit eine Menge Geld. Inzwischen sind die großen Marken wie Coca-Cola auf den Trend aufgesprungen. Beide Teams tragen Trikots mit den Schriftzügen großer Sporthersteller.

Für die Sieger wartet Millionen-Preisgeld

Das Spiel beginnt, in der Halle herrscht angespannte Ruhe. Die Champs bahnen sich ihren Weg durch die virtuelle Karte, erste kleine Kämpfe finden statt. Im Gegensatz zur Stimmung vor dem Spiel kehrt nun fast Ruhe ein. Erst als den Koo Tigers überraschend die ersten Punkte gelingen, gibt es Szenenapplaus. Immer wieder werden einzelne Züge mit Jubel oder Raunen kommentiert. Bald wendet sich das Blatt, SK Telekom kommt besser ins Spiel und gewinnt nach rund 45 Minuten das erste Spiel.

Es geht hier in Berlin um den silbernen Pokal, den WM-Titel, den Ruhm im aufstrebenden Sport des 21. Jahrhunderts - und um nicht weniger als eine Million Dollar, das Preisgeld für den Sieger des heutigen Tages. Wer dachte, hier spielen ein paar Nerds um Ansehen bei anderen Nerds, der irrt sich. ESports sind ein riesiges Geschäft. Sie füllen Stadien, locken Millionen an die Bildschirme zur Liveübertragung, es gibt Fan-Merchandise. Und hohe zweistellige Grundgehälter für die Besten der Szene, Preisgelder noch nicht eingerechnet.

Die Besten sind zwischen 17 und 25 Jahren alt

Für einen Laien ist das, was auf dem Bildschirm passiert nur schwer zu verfolgen. Die Helden hüpfen, rennen, schießen, sie kämpfen sich durch die Karte. Welcher Spieler seinem Helden welche Bewegung vorgibt, wo genau er klickt, welcher Taktik er nachgeht - all das ist kaum auf Anhieb zu begreifen. Es scheint alles wie ein wildes Durcheinander. Und doch folgt alles einem genauen Plan, der Taktik des Teams.

Reaktion und Aufnahmefähigkeit ist das Entscheidende. Deshalb sind die Besten des Sports auch so jung. Meist steigen sie noch als Teenager in die Weltspitze auf - und gehören mit Mitte Zwanzig zum alten Eisen. Ihre Reaktionen lassen nach, die jungen Spieler übernehmen. Viele ehemalige Spieler werden danach Kommentatoren bei den Events oder bei YouTube, geben Tutorials und bleiben so der Szene treu.

Am Ende gewinnt wie erwartet das Team SK Telekom mit 3:1. Es ist ihr zweiter WM-Titel. Rekord. Für viele mögen hier einfach nur ein paar Jugendliche am PC gespielt haben, die dafür absurd viel Geld bekommen. Für Millionen weltweit aber war es das Highlight des Jahres, die ganz große Show.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.